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350 Jahre Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU)

30. Juli 2016 | 11:12 Uhr

Bekämpfen im Garten : Kieler Studenten erfinden Zaun, der Schnecken verwirrt

vom

Kein Garten ist vor Schnecken sicher. Eine neu entwickelte Beschichtung soll das ändern. Der Name: „Schnexagon“.

Kiel | In der wissenschaftlichen Literatur wurde sie 1858 erstmals erwähnt: Arion vulgaris, die Spanische Wegschnecke. 1969 ist dann eines der gefräßigen Kriechtiere am Rheinufer entdeckt worden. Was folgte, war ein beispielloser Eroberungszug. Heute ist kein Garten mehr vor der Nacktschnecke sicher. Arion vulgaris ist mittlerweile eine der häufigsten Schneckenarten in Deutschland – mit sagenhaften zwölf Exemplaren pro Quadratmeter Kulturfläche.

Der Schutz von Gemüsebeeten und Zierblumen ist zu einem nervenaufreibenden Kampf geworden. Der Naturschutzbund Nabu empfiehlt das regelmäßige Absammeln, gehässigere Gartenbesitzer streuen Salz auf die Plagegeister, stellen Bierfallen auf oder vergiften sie.

Zwei Studenten der Kieler Christian-Albrechts Universität (CAU) haben jetzt das Prinzip des Schutzzaunes revolutioniert und eine Beschichtung entwickelt, die aus jedem Pflanzgefäß, jeder Beeteinfriedung oder Terrassenstufe eine unüberwindbare Hürde macht. „Uns ist es gelungen, die Haftung der Kriechsohle der Schnecken mit dem Untergrund zu verhindern“, erklärt Biologin Nadine Sydow. „Die Beschichtung kann in flüssiger Form auf so gut wie jeden Untergrund aufgetragen werden.“ Ist sie getrocknet, entsteht ein Schutzfilm, auf dem selbst Schnecken ausrutschen.

Biologin Sydow und Materialwissenschaftler Sandro Böhm haben das Antihaftmittel in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe „Funktionelle Morphologie und Biomechanik“ des Zoologischen Instituts entwickelt. Nach den ersten Forschungserfolgen 2013 wurde sofort ein Start-up gegründet und ein Name gewählt: „Schnexagon“. „Die Patentanmeldung läuft“, sagt Sydow. Das genaue Prinzip bleibt deshalb ein Geheimnis. Die Biologin verrät nur so viel: „Schnecken können ihr Klebsekret an verschiedene Untergründe anpassen. Unser Material verwirrt sie mit widersprüchlichen Informationen, sie rutschten ab wie auf Seife.“

Der Siegeszug der Spanischen Wegschnecke hat mehrere Gründe. Wegen der starken Absonderung eines besonders bitteren Schleims wird sie von Feinden wie Igeln oder Kröten verschmäht. Außerdem ist sie im Vergleich zur anderen Arten gegen Trockenheit vergleichsweise unempfindlich. Viele Hobbygärtner und Profis setzen daher auf Streugifte, um der Schneckenplage Herr zu werden. Doch Schneckenkorn trifft auch einheimische Arten wie die geschützte Weinbergschnecke. Außerdem kann es Gewässer belasten, Igel und Vögel wie den Wiedehopf schädigen.

Der „Schnexagon“-Anstrich enthalte keine Giftstoffe, betonen die Forscher. Er sei kostengünstig und langlebig, weshalb die behandelten Flächen monatelang schneckenfrei blieben. Für den Einsatz unter realen Bedingungen suchen die beiden jetzt 500 Testgärtner (Bewerbungen bis zum 30. April unter: solvoluta.de). Sandro Böhm: „Das Feedback soll uns helfen, ,Schnexagon‘ bis zum Frühjahr 2016 marktreif zu machen.“

Die Kieler Uni unterstützt Forschende und Studierende mit seinem „Zentrum für Entrepreneurship“ (ZfE), um deren Erkenntnisse und Erfindungen auf den Markt zu bringen. „Nadine und Sandro sind tolle Gründer“, sagt ZfE-Leiterin Anke Rasmus. „Sie verfolgen ihre Idee mit sehr viel Leidenschaft und Engagement. Wir helfen ihnen, ,Schnexagon‘ zu einem marktfähigen Produkt zu entwickeln und ein passendes Geschäftsmodell zu finden.“

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erstellt am 18.Apr.2015 | 19:14 Uhr

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