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Auto & Verkehr

07. Dezember 2016 | 17:29 Uhr

Tesla, Autopilot und Co. : Video: Unterwegs im Auto mit Assistenzsystem - und was Experten dazu sagen

vom
Aus der Onlineredaktion

Völlig selbstständige Autos sind noch Zukunftsmusik. Bremshilfe und Co. jedoch Realität. shz.de ist mitgefahren.

Neumünster | Nothilfeassistenten, die bremsen, wenn es sein muss, gibt es schon länger - bis zum autonom fahrenden Auto ist es aber noch ein weiter Weg. Nicht nur technische Hürden müssen gemeistert, es wollen vorher auch eine ganze Menge rechtliche und auch ethische Fragen beantwortet werden. Über die Vorteile und auch Risiken der zunehmenden Automatisierung des Fahrens haben rund 150 Experten aus Schleswig-Holstein am Donnerstag auf dem Verkehrsforum des ADAC in Neumünster diskutiert.

Das Videoteam von shz.de hat die Experten in Neumünster interviewt. Wie fühlt man sich am Steuer des Autopiloten? Eindrücke gibt es in diesem Video:

Die Experten fordern von der Politik mehr Tempo, denn autonomes Fahren ist der momentane Hype schlechthin unter den Autoherstellern. „Die Technik ist bereits deutlich weiter. Gebremst wird das von der Politik, die sich lange nicht an dieses Thema herangetraut hat“, sagt Schleswig-Holsteins ADAC-Landeschef Ulrich Klaus Becker. „Es war absehbar, dass die technischen Entwicklungen deutlich schneller sind.“ Das räumt auch Verkehrsminister Reinhard Meyer ein. „Da gibt es noch viel zu tun, bevor vollautomatisiertes Fahren wirklich möglich ist“, sagte der SPD-Politiker.

Wer trägt die Verantwortung im Schadensfall?

Aus Verbrauchersicht geht es dabei vor allem um die Frage der Haftung, wenn die Technik versagt. Beispiel Blick in den Außenspiegel: „Das System im Auto sagt: Da ist kein Fahrzeug daneben“, sagte Becker. Ist die Anzeige jedoch falsch und es kommt zum Unfall, haftet der Fahrer und nicht etwa der Autohersteller. Denn der Seitenblick ist verpflichtend.

In solchen Fällen soll künftig jedoch der Produzent belangt werden, wie Becker sagte. Entscheidend ist die Beweissituation. Dort stellt sich aktuell jedoch die nächste größere Baustelle beim automatisierten Fahren. Über die Frage nach der Verantwortung in unvermeidlichen Unfall-Szenarien hatte die Roboter-Ethikerin Dr. Janina Sombetzki, die an den Universitäten Wien und Kiel forscht, bereits nach dem ersten größeren Tesla-Crash philosophiert.

Schleswig-Holsteins ehemaliger oberster Datenschützer Thilo Weichert fordert ein strenges Regelwerk für den Datenschutz beim automatisierten Fahren. Automatische Systeme erfassen große Mengen an Daten - auch vom Fahrer. „Es geht um die Frage, wie dürfen die Daten von wem zu welchem Zweck ausgewertet werden“, sagte Weichert. Als Beispiele nannte er Bewegungsprofile der Autos und auch die Möglichkeit, über die von der Technik erfassten Daten Fahrprofile der Nutzer zu erstellen. Eine Möglichkeit seien Pseudo-Profile der Nutzer.

Datenschutz und „Cybersecurity“ seien ein wichtiges Thema, sagte Minister Meyer. „Wie werden die digitalen Daten vor Missbrauch geschützt, wie werden Hackerangriffe verhindert, die über die Fahrzeuge gefährlich in den Straßenverkehr eingreifen könnten?“ Er verwies auf die Vorteile der Technik. „Ich kann mir vorstellen, dass es gelingen kann, die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer durch selbstfahrende Systeme zu erhöhen, da der überwiegende Teil der Unfälle auf menschliches und nicht auf technisches Versagen zurückzuführen ist.“

Ein System mit Schwächen – und fehlenden Standards

Vermeiden intelligente Autos im Längsverkehr Auffahrunfälle immer besser, versagen sie (noch) beim alltäglichen Rechtsabbiegen, wenn dort ein Fußgänger die Straße quert. Zudem stellt sich eine ethische Frage: Wie soll sich ein System entscheiden, wenn die Auswahl zwischen der Kollision mit einem Baum oder einer Menschengruppe besteht? Dass Technik nicht alles verhindern kann, erlebte ein Autofahrer am Mittwoch auf der Autobahn 24 in Höhe Gudow. Sein Tesla-Modell S mit Autopilot fuhr auf einen Bus auf, als dieser nach dem Überholen auf die rechte Spur zurückkehren wollte. Der Fahrer des Elektrowagens hatte laut Polizei das Fahrassistenz-System „Autopilot“ genutzt. Er wurde leicht verletzt. Tesla behauptet in einer Stellungnahme jedoch, sein System habe nichts mit dem Unfall zu tun.

Bei der Nutzung des Autopiloten vom Model S war es bereits mehrfach zu Unfällen gekommen, im Mai sogar in den USA mit Todesfolge.

Minister Meyer glaubt indes an die Vorteile der Technik für die Anbindung der ländlichen Räume. „So können auch ältere Menschen, die keinen PKW (mehr) steuern können, Versorgungseinrichtungen unproblematisch erreichen.“ Intelligente Fahrzeuge brauchten dafür allerdings bestimmte Standards - angefangen von der Fahrbahnmarkierung über ein lückenloses Funknetz bis hin zu der Frage, mit welchem Netz am Ende alle Daten übermittelt werden sollen.

Weiterhin im Bereich der Spekulation bleibt am Ende die Frage, wann man sich tatsächlich von seinem Wagen von der Ostsee vollautomatisch an die Nordsee wird fahren lassen. „Das kann derzeit niemand seriös beantworten“, sagte Meyer.

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erstellt am 29.Sep.2016 | 21:14 Uhr

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