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Auto & Verkehr

06. Dezember 2016 | 09:15 Uhr

Die echten Minis : Leichtmobile zwischen Mofa und Auto

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Sie sind klein, leicht und langsam: Leichtkraftfahrzeuge, auch Leichtmobile oder Mopedautos genannt. Für junge Fahranfänger und ältere Umsteiger bedeuten sie Mobilität und Unabhängigkeit auf vier Rädern. Umstritten sie aber wegen fehlender Sicherheitsstandards.

Niedrige Unterhaltskosten und mit Mofaführerschein fahrbar - das sind für viele Argumente für ein Leichtkraftfahrzeug. Bei jüngeren und älteren Kunden werden die kleinen Autos immer beliebter. Solche wie etwa der Aixam City.

Das 2,80 Meter lange französische Auto rollt auf 15-Zoll-Rädern und ist auch mit Klimaanlage zu haben. Das Besondere: Der durchaus schnittig aussehende Kleinwagen der Klasse L6E darf mit einem Mofaführerschein (AM) und damit schon mit 16 Jahren gefahren werden. In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt im Rahmen eines Pilotprojekts derzeit sogar schon ab 15 Jahren.

Aus zwei Zylindern schöpft er 4 kW/5 PS und ist bis zu 45 km/h schnell. Dabei verbraucht er knapp 3 Liter Diesel auf 100 Kilometern. Für die Anmeldung reicht ein Mopedkennzeichen aus. Diese geringen Einstiegshürden sorgen dafür, dass Händler wie Aixam-Importeur Dieter Hander immer mehr der kleinen Minis an junge Kunden verkaufen. «Das Image dieser Autos ändert sich gerade deutlich.»

Führerscheinneulinge entscheiden sich aufgrund der hohen Neupreise meist für einen Gebrauchten - denn auch ein Leichtkraftfahrzeug kostet ab circa 8000 Euro aufwärts. Ältere Kunden investieren ganz bewusst in ein Leichtmobil. «Wer beispielsweise aufgrund einer Sehschwäche oder einem anderen Handicap nicht mit dem normalen Führerschein fahren kann, hat unter Umständen immer noch die Möglichkeit, mit einem Leichtkraftfahrzeug mobil zu bleiben», sagt Hander.

Nicht ganz so begeistert von den Mopedautos hingegen sind Verkehrsclubs wie der ADAC. Der begrüßt gleichwohl die zusätzliche Möglichkeit zur Mobilität grundsätzlich. Aber: «Leichtmobile bergen oft große Sicherheitsrisiken, weil zum Beispiel andere Verkehrsteilnehmer nicht damit rechnen, dass - insbesondere auf der Landstraße - so langsame Fahrzeuge unterwegs sind», sagt Arnulf Thiemel vom ADAC. Zudem liege das Sicherheitsniveau der Fahrzeuge deutlich unter dem normaler Pkws.

«Für Leichtmobile gibt es keine vorgeschriebenen Crashtests. Frühere Tests des ADAC haben gezeigt, dass Insassen dort einem deutlich höheren Sicherheitsrisiko ausgesetzt sind», so Thiemel. Auch bei aktuellen Euro NCAP-Crashtests mit der höheren Leichtkraftfahrzeugklasse L7E, bei denen es kein Geschwindigkeitslimit auf 45 km/h gibt, waren die Ergebnisse mehr als ernüchternd. Trotz reduzierter Frontaufprallgeschwindigkeit auf 50 km/h schaffte keines der vier getesteten Fahrzeuge ein zufriedenstellendes Ergebnis.

Tatsächlich gehen die Hersteller der Leichtkraftfahrzeuge sehr unterschiedlich mit dem Thema Sicherheit um. «Aixam setzt hier vor allem auf aktive Komponenten und bietet beispielsweise ABS und ein stabiles Alu-Chassis an», sagt Hander. Der Hersteller Ligier verkauft seine Modelle auch mit Airbag.

Während Hersteller wie Aixam, JDM, Ligier oder Bellier außerhalb der Leichtmobilszene weitgehend unbekannt sind, gibt es mit Renault inzwischen auch einen großen Autokonzern, der mit dem Twizy 45 in der Klasse der Mopedautos mitmischt. Der Zweisitzer mit hintereinander angeordneten Plätzen und bietet eine Reichweite von rund 120 Kilometern. Ansprechen will Renault mit dem Elektroauto vor allem junge Kunden in Metropolregionen, die Kurzstrecken zurücklegen wollen. «Mit einer Länge von 2,3 Metern und einer Breite von 1,2 Metern ist der Twizy außerdem die passende Antwort auf die wachsende Parkplatznot in den Städten», sagt Martin Zimmermann von Renault.

Immer beliebter werden die Leichtkraftfahrzeuge auch im Transportbereich, wo mit der Ape von Piaggio so etwas wie die Mutter aller Mopedautos unterwegs ist. «Italien ist nach Frankreich der größte europäische Markt der Leichtkraftfahrzeuge», weiß Dieter Hander. «Die Ape gehört dort seit jeher zum Stadtbild und inzwischen bieten auch fast alle anderen Leicht-Kfz-Hersteller Transportmodelle mit großer Ladefläche an.» Gerade im Baugewerbe und bei Handwerksbetrieben sei dies beliebt, weil dann auch bereits der Auszubildende mobil sei. Wie viele Leichtmobile in Deutschland unterwegs sind, lässt sich nur grob schätzen, da diese Fahrzeugklasse nicht isoliert erfasst wird. «Pro Jahr kommen aber ungefähr 1000 Neufahrzeuge dazu», meint Hander. Er geht deutschlandweit von einer Gesamtzahl von etwa 20 000 bis 30 000 Stück aus.

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erstellt am 01.Nov.2016 | 04:53 Uhr

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