ZEITGESCHICHTE
Leipzig, 9. Oktober 1989
Tag der Entscheidung
"Wir wollen keine Gewalt! Wir wollen Veränderungen!", verkündet das Plakat. Die Aufnahme zeigt, dass bei der Leipziger Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 verabredungsgemäß weder Minderjährige noch alte Leute dabei waren - aus Angst vor einem Blutbad.
Um 6.23 Uhr geht am 9.Oktober 1989 in Leipzig die Sonne auf. Doch der rote Feuerball zeigt sich an diesem Montag nur kurz. Drohend taucht er über den Dächern am Karl-Marx-Platz auf, dem östlichen Teil des Innenstadtrings. Schnell aber nimmt er wieder Deckung, verschwindet im grauen Einerlei aus Hochnebel und Universitäts-Plattenbauten. Ein trüber Herbsttag beginnt.
7 Uhr: Radio DDR I berichtet über ein Treffen von Staats- und Parteichef Erich Honecker mit dem Pekinger KP-Funktionär Jao Jilin. "Es gibt keine Alternative zum Sozialismus", lautet die Parole ein weiterer Wink mit dem Schlagstock. Seit Tagen lanciert das Regime in Ost-Berlin die Möglichkeit einer "chinesischen Lösung": Vier Monate zuvor hatten die Kommunisten im Reich der Mitte die Demokratiebewegung mit Panzern niedergewalzt.
Nun droht auch in der DDR ein Blutbad. Denn die Woge des Widerstands schwillt im Spätsommer 1989 zu einer mächtigen Flutwelle an, die den SED-Staat mit sich fortzureißen droht. Zehntausende fliehen über die geöffnete Grenze in Ungarn und die westdeutschen Botschaften in Prag, Warschau und Budapest. Ebenso viele Menschen strömen auf die Straßen von Ost-Berlin, Dresden und Leipzig. "Wir sind das Volk!", skandieren sie und fordern einen demokratischen Wandel. Doch Honecker bleibt stur.
Perfide Kampagne gegen die Friedensgebete
7.30 Uhr: Bei der Frühstückslektüre der "Leipziger Volkszeitung" vergeht Susanne Rummel der Appetit. Die gelernte Journalistin hat jahrelang als Musikhändlerin gearbeitet, weil sie sich nicht vor den Propagandakarren des Regimes spannen lassen wollte. An diesem Montagmorgen nun muss die 36-Jährige nicht nur die Jubelberichte über den 40. Jahrestag der DDR-Gründung am 7. Oktober verdauen. In der "Volkszeitung" findet sich zudem eine komplette Seite mit Drohgebärden an die Adresse der Opposition, darunter zahlreiche "bestellte Leserbriefe". Kampfgruppenkommandeure melden sich darin zu Wort. Sie wollen "den Sozialismus mit der Waffe in der Hand verteidigen".
Das SED-Parteiorgan fährt seit Tagen eine perfide Kampagne gegen die Friedensgebete in der Nikolaikirche. Dort versammeln sich jeweils montags Gläubige und Oppositionelle. Susanne Rummel ist dabei. Anfang September 1989 fasst die bunt gemischte Gemeinde frischen Mut. Die Kirchgänger verlassen ihr Gotteshaus und demonstrieren mit offenem Visier "für ein offenes Land". Immer mehr Unzufriedene schließen sich an. Am 2. Oktober strömen bereits 20.000 Menschen zur Montagsdemo, wie die Leipziger ihre Protestzüge nun nennen.
"Die Feinde des Sozialismus eliminieren"
9 Uhr: Die Bezirkseinsatzleitung tagt. In dem Gremium sind die Spitzen der Leipziger SED, der örtlichen Staatssicherheit, der Volkspolizei sowie der paramilitärischen Kampfgruppen vertreten. Erich Honecker persönlich hat die Sitzung mit dem Auftrag angeordnet, die an diesem 9. Oktober "zu erwartenden Krawalle zu unterbinden". Ost-Berlin sucht die Entscheidung im Kampf. Prügelszenen hat es zwar bereits in den Tagen zuvor gegeben. Am DDR-Geburtstag knüppeln in der Hauptstadt Sicherheitskräfte auf Demonstranten ein. Die große, die "chinesische Lösung" bleibt jedoch mit Rücksicht auf die Jubiläumsfeiern vorerst aus. Schließlich surren am 7. Oktober in Ost-Berlin die Kameras der Weltpresse.
Das ist zwei Tage später in Leipzig anders. Ausländische Journalisten bekommen keinen Zugang zur Stadt Sperrgebiet, an diesem Montag gilt es. Die Bezirkseinsatzleitung versetzt 3100 Volkspolizisten und acht Hundertschaften der Kampfgruppen in Alarmbereitschaft. Und die sind nicht nur mit Schlagstöcken, Schilden und Wasserwerfern ausgerüstet, sondern auch mit Schützenpanzern und Maschinenpistolen. Schließlich hatte das Regime die Kampfgruppen, eine Art staatlich gedrillter Bürgerwehr, nach dem Aufstand vom 17. Juni 1953 eben zu diesem Zweck ins Leben gerufen: um notfalls "die Feinde des Sozialismus zu eliminieren".
Die Gerüchteküche brodelt
10.30 Uhr: In Betrieben und Behörden schwören SED-Mitglieder die Bürger darauf ein, "konterrevolutionären Umtrieben am Abend fernzubleiben". Die Geschäfte in der Innenstadt werden angewiesen, vor 17 Uhr zu schließen. Zugleich brodelt die Gerüchteküche. Von einem ausdrücklichen Schießbefehl ist die Rede. In den Krankenhäusern seien massenhaft Blutkonserven bereitgestellt worden, heißt es zur Erstversorgung bei Schusswunden. Ob die SED diese Meldungen gezielt streut, zur Abschreckung, bleibt unklar.
Susanne Rummel bekommt einen Anruf eines befreundeten Arztes, der "unter Tränen berichtet, dass in den Kliniken Betten freigeräumt werden". Die Angst ist mit Händen zu greifen. Und doch, so beschreibt es Rummel, wächst in der Stadt "eine Stimmung des Jetzt-erst-recht". Auch die Regimegegner wissen, dass alles auf eine Entscheidung hinausläuft.
"Heute Abend soll geschossen werden"
12.30 Uhr: Gewandhaus-Kapellmeister Kurt Masur ruft den für Kultur zuständigen SED-Bezirkssekretär Kurt Meyer an. "Ich hatte einen guten Draht zu ihm", erinnert sich der heute 82-jährige Masur. Der Kapellmeister, der am Abend "Till Eulenspiegels lustige Streiche" von Richard Strauß dirigieren soll, piekst den "Schöngeist Meyer" bewusst sarkastisch an: "Hör mal, heute Abend soll geschossen werden, da kann ich unmöglich den ,Eulenspiegel geben. Wir müssen etwas tun." Meyer zeigt sich gesprächsbereit. Man vertagt sich, Masur fährt zur Probe ins Gewandhaus.
14 Uhr: Die Sicherheitskräfte beziehen im Stadtzentrum Stellung. Zugleich beginnen SED-Politoffiziere, die Truppen für den Einsatz scharf zu machen. Polizisten berichten später von Ansprachen unter der Losung "Genossen, heute ist Klassenkampf!" Die Situation, so sei argumentiert worden, "entspricht dem 17. Juni 53. Heute entscheidet es sich die oder wir". Die Redaktion der "Volkszeitung" wird darauf vorbereitet, am 10. Oktober eine große Sonderausgabe zu veröffentlichen, um die Unterdrückung der Proteste propagandistisch auszuschlachten. Selbst darüber berichtet die Leipziger SED detailliert nach Ost-Berlin. Die Befehlsgewalt liegt an diesem Tag zwar bei der Bezirkseinsatzleitung. Doch Honecker, Stasi-Chef Erich Mielke und Egon Krenz, der verantwortliche ZK-Sekretär für Sicherheitsfragen, sind bestens über die Entwicklung informiert.
"Reißt euch zusammen, lasst die Steine liegen!"
15.15 Uhr: Der Leipziger Polizeichef Gerhard Straßenburg teilt Stasi-Bezirksleiter Manfred Hummitzsch telefonisch mit, dass "an der Nikolaikirche ein Plakat angebracht worden ist". Darauf sei zu lesen: "Leute, heute keine Gewalt! Reißt euch zusammen, lasst die Steine liegen!" Hummitzsch und Straßenburg entscheiden: "Das Plakat bleibt hängen."
Zur selben Zeit strebt Susanne Rummel auf der Nikolaistraße der Kirche zu. Das Friedensgebet beginnt traditionell erst um 17 Uhr, doch die Unruhe treibt sie ins Zentrum. Das Bild, das sich der 36-Jährigen im Gotteshaus bietet, kann sie zunächst nicht begreifen. "Die Kirche war voll, aber mit wildfremden Menschen!" Tatsächlich haben Hunderte SED-Aktivisten die Plätze im Innenraum besetzt. "Christian Führer, unser Pfarrer, hat sie dann ironisch gebeten, sich schon einmal mit dem Liedgut vertraut zu machen", erinnert sich Rummel. Das Störmanöver der Staatsmacht erweist sich als Fehlschlag, wie SED-Bezirkschef Helmut Hackenberg später einräumt: "Es war falsch. Wir saßen drinnen, und die standen draußen" dort, wo am frühen Abend die Demonstration beginnen soll.
16 Uhr: SED-Kulturpolitiker Meyer ruft Kapellmeister Masur zurück. Er habe mit zwei Genossen aus der Bezirksleitung gesprochen, Roland Wötzel und Jochen Pommert. Beide seien dialogbereit. Wötzel habe zudem Kontakt zu dem Kabarettisten Bernd-Lutz Lange und dem Theologen Peter Zimmermann aufgenommen. Man verabredet ein Sechsertreffen in Masurs Haus, um einen "Aufruf gegen Gewalt" zu formulieren.
16.45 Uhr: Stasi-Mann Hummitzsch und Polizeichef Straßenburg bestätigen abschließend die Taktik der Einsatzleitung für den Abend: "Abgang Nikolaikirche gewähren, aber Demonstration verhindern." Unterdessen machen sich immer mehr Leipziger auf den Weg ins Stadtzentrum.
"Es war ein fürchterlich dunkler Oktobertag"
17 Uhr: Endzeitstimmung. Seit Stunden lasten Nebel und Smog auf der Stadt. In der frühen Dämmerung werfen die orangenen Straßenlaternen ein unwirkliches Licht auf die angespannten Gesichter. "Es war ein fürchterlich dunkler Oktobertag", erinnert sich Susanne Rummel an die "gespenstische Szenerie". In der Nikolaikirche beginnt das Friedensgebet.
17.15 Uhr: Der regimekritische Kameramann Siegbert "Siggi" Schefke klettert auf den Turm der Reformierten Kirche an der Nordwestecke des Rings und bezieht "mitten im Taubendreck" Stellung. Der Pfarrer ist eingeweiht. Das Geschehen, da sind sich die beiden einig, muss dokumentiert werden. Gut 500 Meter weiter südlich, an der Westseite des Rings, aber noch bestens einzusehen vom Kirchdach, liegt die Stasi-Zentrale. Sollte es der Protestzug bis dorthin schaffen, wäre das für die Opposition ein Sieg. An den vergangenen Montagen hatte die Staatsmacht die Demonstranten nicht einmal bis zum Hauptbahnhof im Nordosten des Rings vordringen lassen.
Don Giovannis steinerner Gast pocht ans Tor
17.30 Uhr: Pfarrer Führer predigt in der Nikolaikirche: "Nehmt die Gewaltlosigkeit aus dem Haus Gottes mit auf die Straße." Von draußen dringen erste Sprechchöre herein, "nervöse, angstvolle Rufe", wie sich Susanne Rummel erinnert: "Dann erscholl plötzlich ein gewaltiges Pochen am Portal. Es war eine Szene wie bei Don Giovanni, als der ,steinerne Gast erscheint." Tatsächlich betritt der Theologe Peter Zimmermann die Kirche. Er verliest jenen Text, auf den sich die Sechserrunde bei Kurt Masur geeinigt hat.
17.50 Uhr: Der Dirigent selbst hat den "Aufruf der sechs" auf Band gesprochen. Nun wird er in den Leipziger Stadtfunk eingespeist, ein System von Lautsprechern, die seit 1945 an Haltestellen, öffentlichen Gebäuden und auf großen Plätzen installiert sind. Üblicherweise gehen hier amtliche Bekanntmachungen über den Sender. Nun dringen sanftere Töne aus der Anlage: "Die gemeinsame Sorge und Verantwortung haben uns zusammengeführt", sagt Masur über das Treffen der Intellektuellen mit den SED-Leuten. Und weiter: "Wir alle brauchen einen freien Meinungsaustausch. Wir versprechen allen Bürgern, unsere ganze Kraft und Autorität dafür einzusetzen, dass dieser Dialog geführt wird. Wir bitten Sie dringend um Besonnenheit, damit ein Dialog möglich wird."
17.55 Uhr: Die Flut der Menschen, die zur Nikolaikirche strömen, ebbt nicht ab. Stasi-Mann Hummitzsch empfiehlt SED-Bezirkschef Hackenberg, sich in Ost-Berlin über das Vorgehen zu versichern. Doch bei wem? Hackenberg ruft Honecker persönlich an, erreicht ihn aber nicht. Also Krenz. Der Sicherheitsminister ist jener Mann, der die Pekinger KP-Führung nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens zu dem Blutbad beglückwünscht hat. Krenz verspricht zurückzurufen.
"Wir sind das Volk!"
18 Uhr: Pfarrer Führer schließt das Friedensgebet mit den Worten: "Möge dieser Tag enden, ohne dass etwas Schlimmes passiert." Als Susanne Rummel die Kirche verlässt, traut sie ihren Augen nicht: "Überall Menschen, Massen von Menschen." Später macht die Zahl 70.000 die Runde. Es bleibt eine Schätzung.
Die Menge schiebt sich zum Karl-Marx-Platz vor, jenem Teil des Rings, der sich am nächsten bei der Kirche befindet. "Immer wieder brüllten wir ,Keine Gewalt! und ,Wir sind das Volk! Das nahm uns die Furcht", sagt Susanne Rummel. Doch zugleich wächst beim Blick in die Seitenstraßen die Angst: "Überall standen Lkw mit monströs verkleideten schwarzen Gestalten darauf. Mit ihren Helmen und in der Kampfmontur sahen die aus wie Darth Vader aus dem ,Krieg der Sterne." Doch an diesem Montagabend in Leipzig ist die "dunkle Macht" real, keine Science-Fiction.
18.25 Uhr: Begleitet von Kampfgruppen und Polizei setzt sich der Protestzug auf dem Ring Richtung Hauptbahnhof in Bewegung. Aus den Stadtfunk-Lautsprechern dringt der "Appell der sechs", die Straßenlaternen werfen trübes Licht auf den nebelfeuchten Asphalt. "Die Leipziger bewegten sich in Todesangst über den Ring", kommentiert Kurt Masur das Geschehen später.
"Da wusste ich: Das wars. Wir haben die Freiheit!"
18.30 Uhr: Susanne Rummel hält es nicht aus und stürzt auf einen der schwarzen Riesen zu. "Ich habe ihn gefragt: ,Wollt ihr uns schlagen? Der Mann antwortete nur ,Ich weiß es nicht. Dann drehte er sich weg, wandte sich aber noch einmal um und sagte: ,Ich gehe jetzt nach Hause. Da wusste ich: Das wars. Wir haben die Freiheit!"
18.35 Uhr: Noch immer kein Rückruf von Krenz. Polizei-Chef Straßenburg erkennt, dass er den Demonstrationszug mit seinen Mitteln, mit Schlagstöcken und Wasserwerfern, nicht wird stoppen können. Die verabredete Taktik Aufspaltung, Einkesselung, Abdrängung ist angesichts der Menschenmasse "nicht durchführbar". Es bliebe die "chinesische Lösung". Doch Ost-Berlin schweigt. Die Bezirkseinsatzleitung entscheidet, "keine aktiven Handlungen zu unternehmen, wenn keine staatsfeindlichen Aktivitäten erfolgen". Es ist die Kapitulation.
18.55 Uhr: Siggi Schefke filmt die Demonstranten, wie sie unter immer lauter werdenden Rufen an der Stasi-Zentrale vorbeiziehen: "Wir sind das Volk!"
19.15 Uhr: Egon Krenz meldet sich in Leipzig. Der Protestzug hat zu dieser Zeit den sieben Kilometer langen Ring fast vollständig umrundet. Krenz "billigt" die von der Bezirkseinsatzleitung getroffenen Entscheidungen. Es ist ein Abnicken vollzogener Tatsachen.
"Ich bin nach Hause gehüpft"
20 Uhr: Die Demonstranten haben den Karl-Marx-Platz wieder erreicht und zerstreuen sich in alle Himmelsrichtungen. Der Nebel wirkt nun weniger schwer, das blassorange Licht fällt auf entspanntere Gesichter. "Es war ein unbeschreibliches Gefühl", sagt Susanne Rummel. "Ich bin nach Hause gehüpft."
20.30 Uhr: Susanne Rummel betritt als Erstes das Kinderzimmer. Dort schläft ihr zweieinhalbjähriger Sohn. Was treibt Menschen dazu, ein solches Risiko einzugehen? "Dafür gab es 70.000 Gründe. Wir waren verzweifelt, jeder auf seine Weise." Rummels Mann, ein Gewandhaus-Musiker, spielt zu dieser Zeit unter Leitung von Kurt Masur den "Till Eulenspiegel" das Konzert, hat der Kapellmeister entschieden, findet statt.
Kapitulation vor der Macht der Massen
22.30 Uhr: Die ARD-Tagesthemen zeigen Schefkes Filmaufnahmen, die er nach seinem Rückzug vom Kirchdach dem West-Fernsehen zugespielt hat. "Drüben" ist es friedlich geblieben, auch diesseits der Mauer atmen die Menschen auf.
Doch wessen Verdienst ist all das? Schnell gelten Kurt Masur und seine Sechsergruppe als "Retter von Leipzig". Der Dirigent selbst will davon nichts wissen: "Die Bevölkerung der Stadt verdient allen Respekt." Susanne Rummel ist sich sicher: "Es waren einfach zu viele Leute. Deshalb haben sie nicht geschossen."
Egon Krenz dagegen sieht sich selbst als den Mann der Stunde an. Seine Parteigänger räumen zwar die umfangreichen Vorbereitungen für eine "chinesische Lösung" ein. Am Abend habe Krenz aber kurzfristig einen Gegenbefehl erteilt. Belege dafür gibt es bislang nicht. Noch immer ist unklar, was sich an diesem 9. Oktober 1989 in Ost-Berlin abgespielt hat. Wo war Honecker? Fest steht hingegen, dass die Entscheidung vor Ort fiel. Und: "Die Bezirkseinsatzleitung", davon ist der Leipziger Zeithistoriker Tobias Hollitzer überzeugt, "kapitulierte ausschließlich angesichts der unerwartet großen Menschenmenge."
23 Uhr: Auf dem Leipziger Ring ist es still geworden, nur selten knattern Trabis vorüber. Eine Woche später werden sich hier 120.000 Demonstranten zusammenfinden, am 23. Oktober sind es bereits 320.000. Am 9. November gibt die Mauer dem Ansturm der friedlichen Revolutionäre nach. Den Weg dorthin haben die Bürger von Leipzig einen Monat zuvor geebnet, am 9. Oktober 1989 unter Einsatz ihres Lebens.






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