STREIFZÜGE DURCHS WEB

 

"Gefällt mir"-Verbot in Schleswig-Holstein?

"Keine Facebook-Zensur in Deutschland"

20. August 2011 | 17:49 Uhr | Von Hauke Mormann, shz.de

Die Landesregierung will an ihrem Facebook-Profil festhalten - trotz der Drohungen des Datenschützers. Foto: dapd

Der Vorstoß von Datenschützer Weichert, Facebook in Schleswig-Holstein faktisch zu verbieten, hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Auch die Staatskanzlei ist irritiert.

"Wie will man uns eigentlich beibringen, dass es auf der einen Seite nötig ist, dass der Staat immer mehr Daten und Informationen über seine Bürger hortet, andererseits verbietet, wenn jemand anderes Daten sammelt?" Diese Frage stellt Ollie Ohmsen auf shz.de. Die Mitteilung des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz (ULD), das "Gefällt mir"-Plugin von Facebook auf Webseiten Schleswig-Holsteinischer Unternehmen und Behörden zu verbieten, hat für Irritation und Entrüstung gesorgt. Die Facebook-Gemeinde hat schnell reagiert: Noch am Freitag, an dem das ULD seine Mitteilung veröffentlichte, gründeten Schleswig-Holsteiner die Gruppe "Keine Facebook Zensur in Deutschland". Darin diskutieren sie unter anderem darüber, wie ein "Gefällt mir"-Button aussehen könnte, der dem deutschen Datenschutzrecht entspricht. Auf der Fanseite "Freiheit für den Like-Button in Schleswig-Holstein" kündigen Webseiten-Betreiber an, es drauf ankommen zu lassen und die Schaltfläche nicht entfernen zu wollen.

Auch in der Politik sorgte Weicherts Drohung für Kopfschütteln - allen voran in der Staatskanzlei. Sie ist als Regierungsinstitution "Schleswig-Holstein" auf Facebook vertreten. Staatssekretär und Staatskanzlei-Chef Arne Wulff (CDU) rechtfertigt das so: "Politische Kommunikation findet heute auch im Internet statt. Daran wollen und werden wir auch in Zukunft festhalten." Wulff teilte am Freitag mit, er habe bereits mit Weichert telefoniert und ihn um eine Diskussion gebeten. Eine solche hätte er sich gewünscht, bevor der Datenschützer so massiv in die Öffentlichkeit geprescht ist. Der Staatssekretär will das Thema über Schleswig-Holstein hinaus angehen, "da auch der Bundespräsident, Bundesministerien, Bundespolitiker wie Kanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Philipp Rösler sowie andere Länder auf Facebook präsent sind".

"Wirtschaftsstandort wird geschwächt"

"Die Einwände des Landesdatenschutzbeauftragten sind ernst zu nehmen", sagt hingegen Peter Eichstädt, stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender im Landtag. Allerdings hält Eichstätt die Drohung einer Klage für falsch. "Wir würden zunächst auf Aufklärung und weitere Förderung der Medienkompetenz setzen." Die CDU will einen rechtlich sauberen Weg suchen, "der vor jede Datenweitergabe den Erlaubnisvorbehalt des Nutzers stellt", sagt Fraktionsmitglied Dr. Michael von Abercron. Die Grünen-Fraktion sieht die Politik gefordert: "Sie ist der richtige Adressat, um sich für den Schutz der Persönlichkeitsrechte der Nutzer im Internet auf internationaler Ebene einzusetzen", sagt Grünen-Abgeordneter Thorsten Fürter.

Auf shz.de und unserer Fanpage bei Facebook äußern sich Kommentatoren überwiegend gegen Weicherts Plan. "Also hätte ich eine Firma, die ihre Produkte über Werbung verkauft und würde man mir verbieten, über Facebook Werbung für mein Produnkt zu machen, ich würde SH den Rücken kehren", schreibt Ollie Omsen und stütz damit die Befürchtung des Vereins Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein (Diwish). Dessen Vorsitzender Sören Mohr beklagt, dass Weichert mit seinen Forderungen die Vermarktungsmöglichkeiten schleswig-holsteinischer Unternehmen schwäche. shz.de-Kommentator Walter Hempe kündigt an: "Wenn das wahr wird, gibt es unsere Firma bis September nicht mehr in Schleswig-Holstein, sind zwar nur zwei Arbeitsplätze in der IT-Branche, aber Kleinvieh macht auch Mist."

"Warum will keiner Payback verbieten?"

Dirk Jacobs schreibt in Facebook auf der shz.de-Fanseite: "War klar, das SH wirklich meint, den USER vor sich selbst schützen zu müssen. Jeder weiß, was er hier macht - selbst wenn es noch so dümmlich ist." - "Zurück ins Mittelalter und Schleswig-Holstein geht voran", schreibt Jörg Löbe. Andrew Waldon fragt: "Warum will eigentlich keiner Payback verbieten? Das ist viel genialer (lässt sich viel mehr mit anfangen: wann, wo, wieviel Geld für was ausgegeben wird inkl. Adresse) als ein lächerliches Cookie bzw. evtl. Werbemails." Thuy Radons hält Weicherts Idee gar für Zensur und schreibt: "Ja, bin ich schon in China?????"

Doch es gibt auch Zustimmung für den Datenschützer: "Facebook ist überall, schlimmer noch als Big Brother. Zuviele Spinner, auf die Kinder hereinreinfallen", mahnt B. Bödecker auf shz.de. Auch unsere Online-Umfrage zeigt: Weicherts Vorstoß hat nicht nur Gegner. So finden 37,1 Prozent das faktische Facebook-Verbot gut, weil niemand weiß, was die Betreiber mit den Daten machen. 38,3 Prozent hingegen finden, dass sich jeder der Risiken bewusst sein sollte und sind gegen ein Abschalten der Funktionen. (Stand der Daten: 20.8., 17:47 Uhr; die Umfrage ist weiterhin aktiv.) Und so fasst Vladimir Estragon zusammen, dass letztlich jeder selbst dafür verantwortlich sei, welche Daten er von sich im Internet preisgibt und welche Dienste er dafür nutzt: "Es beklagen sich zu viele über Dinge, die sie selbst erst möglich machen."

Anmerkung der Redaktion: Wir lassen die weitere Verwendung unseres "Gefällt mir"-Plugins auf shz.de derzeit prüfen.


 

Leserkommentare

 
K.P. BARNICK 20.08.2011 19:27
"Gefällt mir"-Plugin

Man sollte nicht nur dies Plugin verbieten sondern das gesamte Facebook.
Das ist etwas was kein Mensch braucht.

S. B. 20.08.2011 20:16
Ignoranz

Mal wieder jede Menge Bullshitterei vertreten: Losmeckern völlig ohne Ahnung.

Es geht doch mitnichten darum, keine Seite mehr bei facebook haben zu dürfen, da soll sich weiter tummeln wer will. Es geht lediglich darum, die kleinen Datendetektive Facebooks auf eigentlich unabhängigen Seiten zu verbieten, damit diejenigen, die NICHT BEI FACEBOOK SEIN WOLLEN nicht durch Webseitenanbieter, denen die Datensicherheit ihrer Nutzer schnurz ist, dennoch in die Fänge dieses Ungetüms geraten.
Die großen Datenkraken wie facebook und google tun sich schließlich immer stärker dadurch hervor, nicht bloß bei den eigenen Nutzern zu sammeln, sondern auch bei deren Bekannten, die sich ausdrücklich dagegen entschieden haben, diese Dienste zu nutzen. Und insofern ist der Vorstoß sehr begrüßenswert.
Da mir bisher nicht bekannt war, dass über dieses kleine plugin tatsächlich auch bei Nichtnutzern gefischt wird, werde ich mir überlegen, ob ich nicht generell allen Seiten, die es weiterhin benutzen, den Rücken kehre.

CLAUDE BRUHN 20.08.2011 20:26
Barnik

Sie brauchen es nicht - ich "brauche" es. Finger von Sachen, die Sie nicht verstehen!

MARION KOSLOWSKI 20.08.2011 20:30
Wenn man nicht bei Facebook registriert ist ...

... kann man den "Gefällt mir"-Button gar nicht nutzen.
Ist man allerdings registriert, weiß man doch, worauf man sich eingelassen hat, oder?

HAUKE MORMANN 20.08.2011 20:35
Es geht auch um Fanseiten

Bitte entschuldigen Sie, wenn ich Sie korrigiere, S.B., doch das ULD fordert sehr wohl auch die Löschung der Fanseiten auf Facebook. In der Erklärung heißt es: "ihre Fanpages bei Facebook und Social-Plugins wie den „Gefällt mir“-Button auf ihren Webseiten zu entfernen." Die ganze Mitteilung lesen Sie hier:
https://www.datenschutzzentrum.de/presse/20110819-facebook.htm

Mit freundlichem Gruß
Hauke Mormann
Onlineredakteur shz.de

K.P. BARNICK 20.08.2011 21:10
@BRUHN

Man braucht Luft zum atmen und Wasser zum trinken, aber kein Facebook.

SIR WINSTON 20.08.2011 22:38
Gesichtsbuch/Facebook

Etwas Dümmeres gibt es eigentlich nicht - Schludern, Daten preisgeben und Schwachsinn labern. Na gut, wer´s braucht...

SIR WINSTON 20.08.2011 23:04
Claude Bruhn

Finger weg von Sachen, von denen Sie nichts verstehen! Z. B. Datenschutz, Privatsphäre. Wenn Sie es brauchen, haben Sie wohl kommerzielle Interessen oder gar andere. IT-Fachidi..?

ANDREAS KREUZ 21.08.2011 03:59
...

Die Vielschichtigkeit des Problems erkennen, wie zu erwarten war, nur die wenigsten - und auch die "Fachredakteure" des s:hz gehören nicht dazu.
.
Facebook sendet mit seinem "Gefällt mir"-Button Cookies aus, welche unbestimmte Zeit (mehrere Jahre) gespeichert werden. Diese Cookies werden auch ausgesandt, ohne(!) dass eine weitere Interaktion des Anwenders erfolgt - der bloße Besuch einer Seite reicht aus.
Dass heißt, Facebook weiß, auf welchen Seiten sich der Anwender bewegt, ob auf den Seiten mit den dicken Möpsen (natürlich sind die Hunde gemeint) und Pipi-Spielchen, den Seiten zur Behandlung ihres Burn-Out oder der Anti-Mobbing-Beratung, ob sie die SPD bzw SEDPDS oder doch eher CDU präferieren (mit Hang zur NPD, da sie dort auch mal reinluschern), außerdem für welche Versicherung oder auch für welche wirtschaftlichen / politischen Bereiche - der Tageszeitung sei Dank - man sich interessiert usw. usw.
Und das alles - wohlgemerkt! - OHNE die Interaktion des Anwenders, also ohne den Klick auf den dämlichen "Gefällt mir"-Button!
.
Weiter geht's mit Google - jeder Klick auf die Suchergebnisse wird mitgeschnitten und anhand von Cookies transparent.
.
Wer meint, dass Seiten wie Google oder Facebook "harmlos" seien und der Datenschutzbeauftragte nur zuviel Pfeffer im Hintern hat, sollte sich mal bitte mit den technischen Realitäten auseinandersetzen.
.
Fakt ist: Die Summe dieser Informationen ist für die Wirtschaft, Versicherungen und jede einzelne Regierung von höchstem Wert und bietet mehr Information, als jede Volkszählung.

HAUKE MORMANN 21.08.2011 07:28
Die Vielschichtigkeit des Problems

Sehr geehrter Herr Kreuz,
ich bitte Sie, meinen ersten Artikel vom Freitag zu diesem Thema zu lesen. Darin gehe ich sehr wohl auch auf die von Ihnen beschriebenen Probleme ein. Damit Sie ihn leichter finden, hier der Link:
www.shz.de/artikel/article/2099/facebook-fanseiten-bald-im-norden-verboten.html

Mit freundlichem Gruß
Hauke Mormann
Onlineredakteur shz.de

W. MÖLLER 21.08.2011 12:45
Nutze jetzt mehr Google Plus, weniger Facebook

...als Alternative nutze ich mehr schon GOOGLE Plus G+ - ist in vielen Dingen sicherer und doch übersichtlicher, bei Absicherung - jedoch fehlen noch einige Dinge, wie z.B. Umkopieren in Circles/Freundeskreisen da noch in Beta-Phase...
Jedoch finde ich Facebooks-Sicherheitskonzept und die "fast unsichtbaren" Sicherheitsmenüs schon sehr bedenklich - die hätten eigentlich solch einen Denkzettel verdient !!! Wo bleibt denn hier Frau Aigner, die hat sich doch bei Google so schön reingehängt und dann nur noch aus dem Staub gemacht. Heute sieht man sie nur noch Masskrüge stemmen - das ist wohl leichter, als ihre eigentlichen Aufgaben...

GELA HANSEN 21.08.2011 15:58
Schade, dass es nur den "Gefallt mir"-Button gibt,

ich vermisse schon lange einen "Gefällt mir nicht"-Button.

CLAUDE BRUHN 19.10.2011 15:28
FB

ich für meinen Teil bin doch froh, wenn ich auf mich gezielte Werbung erhalte. Wenn dann wenigstens der andere, uninteressante Mist wegfallen würde...



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