STREIFZÜGE DURCHS WEB

 

So entstehen Smartphones

Teil 2: "In jede Tasche soll ein Computer"

16. Juli 2011 | 20:36 Uhr | Von Hauke Mormann

Mit regelmäßigen Brainstormings entwickeln Drew Bemford und sein Team neue Ideen für Smartphone-Software.

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Nicht nur der äußere Eindruck zählt - auch die Software ist entscheidend, damit uns ein Smartphone gefällt. Die digitalen Begleiter werden uns in Zukunft vieles abnehmen. Und jeder soll einen haben.

Seattle. Direkt gegenüber der Hauptfeuerwache steht ein Bürogebäude. Unscheinbar ist der Eingang zu einem kargen Treppenhaus. In der ersten Etage sitzen Drew Bemford und sein Team. Bemford ist Director of User Experience - Chef der Abteilung Nutzerempfinden beim Mobiltelefonhersteller HTC. Die Entwickler haben sich ein Ziel gesetzt: "1998 war es unsere Aufgabe, auf jeden Schreibtisch einen Computer zu bringen", sagt er. Heute bestehe ihre Aufgabe darin, "einen Computer in jede Tasche zu bringen". Mit den Smartphones der Zukunft werden wir bezahlen können, ohne Supermarktkassen zu brauchen. "Die Geräte werden uns zeigen, wie wir Möbel zusammenbauen sollen, einfach nur dadurch, dass wir die Kamera auf die Einzelteile richten." Möglicherweise werden sie auch Dolmetscher, die in einer Unterhaltung die fremde Sprache des Gegenübers simultan übersetzen. Prototypen mit solcher Technik gibt es laut Bemford bereits. Wer das für Science Fiction hält, dem entgegnet der freundliche Mann mit kantiger Brille: "Konnten Sie sich vor zehn Jahren vorstellen, mit Ihrem Handy Fotos zu machen?"

Bemford und sein Team entwickeln Innovationen. In wöchentlichem Gedankenaustausch diskutieren die Entwickler, was die Menschen im Alltag von ihren mobilen Geräten erwarten. So entstand zum Beispiel die Funktion, dass das Smartphone merkt, wenn es in einer Tasche liegt und automatisch lauter klingelt. Seine Lautstärke verringert es aber, sobald es aus der Tasche genommen wird. "Wir wollen ja keine Hörschäden verursachen", witzelt Bemford.

Immer mehr Informationen über Freunde

Auch die sozialen Netzwerke spielen eine entscheidende Rolle für den Entwickler: "Viele Menschen sind in mehreren Netzwerken aktiv und haben dort verschiedene Freunde. Wir bringen sie alle zusammen." In einem Programm lassen sich alle Statusmeldungen der Freunde aus Twitter, Flickr und Facebook auf einmal abrufen und direkt kommentieren. Informationen wie Namen, E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Anschrift und Geburtstag werden automatisch ins Kontakte-Verzeichnis geladen - sofern die Freunde ihre Daten freigegeben haben. Doch damit nicht genug. "Wir arbeiten gerade an einer Funktion, die auch die Vorlieben der Freunde erfasst. So sehe ich direkt im Kontakt, welche Lieblingsbücher mein Freund hat, welche Musik er hört, welche Filme er gerne sieht", erklärt Bemford.

Die gerade aufflammende 3D-Technologie sieht Bemford derzeit nicht als künftigen Standard. "Bei HTC wollen wir die Technik nicht einfach einsetzen, weil sie existiert, sondern um damit Probleme zu lösen, die unsere Nutzer haben." Soll also heißen: Zum Amüsieren ist sie nett, aber als wirklich notwendig empfindet der Software-Entwickler die Dreidimensionalität nicht. Immerhin: Das erste HTC-Smartphone, das dreidimensionale Fotos und Videos macht und dreidimensionale Darstellung auf dem Display ohne zusätzliche Brille ermöglicht, wurde gerade auf dem US-Markt veröffentlicht. Spätestens ab August soll das "Evo 3D" auch in Deutschland erhältlich sein. Es ist damit nach dem "P920 Optimus 3D" von LG das zweite 3D-Smartphone auf dem deutschen Markt.

"Im kommenden Jahr können wir viel Neues erwarten"

Smartphones sind in der Regel ständig online. Ihre großen Displays brauchen viel Energie. Das belastet den Akku. Schon heute halten Smartphones bei intensiver Nutzung keinen ganzen Tag durch. Doch Bemford ist optimistisch: "Auf diesem Gebiet tut sich eine Menge. Im kommenden Jahr können wir viel Neues erwarten."

So bekommen Smartphones ihr Aussehen: Wie die Hardware entsteht, lesen Sie im ersten Teil.

(hamo, shz)


 

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