STREIFZÜGE DURCHS WEB

 

Datenschutz im Netz

Das virtuelle Ich löschen

01. November 2011 | 06:00 Uhr | Von Sara Peschke

Das Internet unter der Lupe: Dienstleister haben ein Geschäftsmodell daraus entwickelt, das Netz auf persönliche Daten zu durchforsten - und sie zu löschen. Foto: dpa

Die Verbreitung persönlicher Daten im Netz lässt sich schwer kontrollieren. Nicht selten erleben Internetnutzer unangenehme Überraschungen, wenn sie sich selbst googeln.

Herausgeputzt und gut vorbereitet erscheint Stefan W. zu seinem Vorstellungsgespräch in der neuen Firma. Der Job liegt ihm am Herzen, beim ersten Treffen zeigt er sich von seiner besten Seite. Und ahnt nicht: Die Chefs am anderen Ende des Tischs kennen bereits den anderen Stefan. Den, der am Wochenende gern mal über die Stränge schlägt und das mit Fotos von sich und seinen Partyfreunden öffentlich dokumentiert. Den Stefan, der mit seinem alten Arbeitgeber anscheinend ziemlich unzufrieden war - und seinem Unmut auf Facebook freien Lauf gelassen hat.

Stefan W. wäre eine gute Besetzung für den freien Posten gewesen. Die Stelle bekam ein anderer. Unseriös fanden ihn die Chefs. Bevor Stefan W. sich um einen neuen Job bemüht, kümmert er sich deshalb erst um sein virtuelles Ich im Netz. Doch das ist nicht leicht: Das Internet vergisst - fast - nichts.

Daten verbreiten sich automatisiert weiter

"Sind Informationen erst einmal online, verbreiten sie sich schnell weiter. Dazu muss noch nicht einmal eine andere Person aktiv werden. Die Inhalte streuen sich auch über Suchmaschinen und Websites, die automatisiert Informationen zusammenstellen", sagt Mario Grobholz. Er ist Gründer und Geschäftsführer von myOn-OD Media, dem Betreiber von "Ruflotse". Dieser Internet-Dienstleister hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Privatsphäre und den Ruf von Privatpersonen und Unternehmen im Internet und bei Facebook zu schützen. "Wir finden Einträge zum eigenen Namen, dem Namen der Kinder oder der Firma. Erscheinen unerwünschte Beiträge, Kommentare, Videos oder Fotos im Internet, leiten wir die Löschung in die Wege", sagt Grobholz.

Mit der fortschreitenden Verbreitung persönlicher Daten im Netz gibt es immer mehr Anbieter wie Ruflotse (z.B. www.web-killer.de, www.deinguterruf.de oder www.suicidemachine.org). Sie haben aus der Ruf-Pflege - dem "Reputation Management" - ein Geschäftsmodell gemacht. Viele ihrer Auftraggeber verursachen die unerwünschten Netzinhalte selbst. Doch laut dem aktuellen Report von Ruflotse fühlen sich über zwei Drittel (69 Prozent) von Informationen geplagt, die von anderen Personen oder automatisch im Netz verbreitet wurden. So stammen laut Ruflotse 85 Prozent der schädlichen Kommentare, 79 Prozent der hochgeladenen Fotos und Videos sowie 67 Prozent der persönlichen Kontaktdaten nicht vom Nutzer selbst.

Das Löschen von Daten ist kompliziert

"Das ist ein zunehmendes Problem", bestätigt der Landesbeauftragte für Datenschutz, Thilo Weichert. "Daten können von Dritten leicht ins Internet gestellt werden. Das Löschen ist aber kompliziert." Weichert empfiehlt Internetnutzern, sich bei unerwünschten Inhalten direkt an den Webseiten-Betreiber zu wenden. "Viele löschen die Elemente ohne Beanstandung", sagt er. Einige reagierten allerdings auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht. "Dann kann sich der Nutzer auch beim Datenschutzzentrum des Landes melden. Wir veranlassen die Löschung von Inhalten auf schleswig-holsteinischen Internetseiten."

Doch auch wenn die Daten nicht mehr auf der entsprechenden Webseite erscheinen, können sie noch immer in den Weiten des Internets aufgespürt werden: In den Cashes (Speichern) von Suchmaschinen wie Google existieren sie eine Zeit lang weiter - obwohl sie von den Seiten gelöscht wurden. "Die endgültige Löschung muss der Suchmaschinen-Anbieter vornehmen", sagt Weichert. "Das ist teilweise sehr aufwändig." Er rät den Internetnutzern, sich frühzeitig eigenständig gegen die Inhalte zur Wehr zu setzen. Erst wenn es nicht mehr anders gehe, solle man die Hilfe der "Reputation Manager" in Anspruch nehmen.


 

Leserkommentare

 
MARC AUS NEUMÜNSTER 01.11.2011 15:19
Das virtuelle Ich löschen / shz Homepage

1. Warum kann man sich nur mit dem Vor- und Nachnamen registrieren. Wieso gibt es keine Benutzernamen für die Kommentatoren?

2. Wie kann man hier sein Konto löschen?
Vielleicht bin ich ja nur blind, aber ich find hier kein Link dafür...
den seh ich nur fürs Passwort/ E-Mail-Adresse ändern.

MfG Marc

p.s. das ist keine Aufforderung mein Account jetzt zu löschen :)

ONLINEREDAKTION SHZ.DE 02.11.2011 07:41
Kommentar-Account

Lieber Herr aus Neumünster,
die Möglichkeit, einen Benutzernamen einzugeben, wurde vor längerer Zeit bereits eingestellt. Wir sind der Auffassung, dass jeder Kommentator zu seiner Meinung stehen und sich deshalb am besten mit seinem Namen anmelden sollte. Weiteres zum Thema finden Sie hier: www.shz.de/index.php

Zu Ihrer zweiten Frage: Tatsächlich können Sie Ihren Account nur per E-Mail an onlineredaktion@shz.de löschen lassen.

Mit freundlichem Gruß
Hauke Mormann
Onlineredakteur shz.de



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