STREIFZÜGE DURCHS WEB
Zahl infizierter Rechner steigt
"BKA-Trojaner" kriecht noch immer durchs Netz
Diesen Hinweis bekommen PC-Nutzer angezeigt, wenn sie sich den "BKA-Trojaner" eingefangen haben. Er kann nur mit einer Systemwiederherstellung entfernt werden. Foto: LKA Schleswig-Holstein
Seit April kursiert nun schon der so genannte "BKA-Trojaner" im Internet. Mittlerweile sind allein in Schleswig-Holstein über 200 Vorfälle gemeldet worden. Der Virus ist aber in ganz Deutschland ein Problem. Deshalb wurde bereits ein bundesweites Sammelverfahren eingeleitet, das bei der Staatsanwaltschaft in Göttingen geführt wird. Die Drahtzieher zu fassen bleibt aber nach wie vor ein schwieriges Unterfangen, denn "wo genau man sich den Virus einfängt, ist unklar", sagt Thomas Hagen von der Verbraucherzentrale in Kiel.
Klar ist nur, dass das Bundeskriminalamt (BKA) und die Bundespolizei die Meldungen nicht in Umlauf bringen oder gebracht haben. Allein die Schreibfehler in der Meldung machen das deutlich. Allerdings bedeutet das nicht, dass sie sich sofort um die Aufklärung der Vorfälle bemühen. Erst nachdem eine Anfrage von einer örtlichen Staatsanwaltschaft gemacht wurde, treten das BKA oder die Bundespolizei in Kraft. Jedoch bemühen sich die Ermittler, solche Maschen im Netz frühzeitig aufzuspüren und den Verbraucher beizeiten in Kenntnis zu setzen.
Rat: Jeden Vorfall der Polizei melden
Nachdem sich die schädliche Software unbemerkt beim Surfen im Internet installiert hat, lässt sich der Computer nicht mehr hochfahren. Anstelle der Anmeldung bei Windows erscheint eine Meldung, die den Benutzer dazu auffordert 100 Euro über den Bezahlungsdienst "Ukash" auf ein angegebenes Konto zu überweisen. "Ukash" ist ein Bezahlsystem, bei dem etwa an Tankstellen eine Guthabenkarte gekauft wird - ähnlich wie bei "Paypal". Doch selbst wenn die Zahlung durchgeführt wird, ist ein Verschwinden des Virus von der Festplatte unwahrscheinlich.
LKA-Sprecher Stefan Jung rät den Menschen weiterhin, die Vorfälle der Polizei zu melden. Ein genauer Stand der Ermittlungen sei aber nicht bekannt. "Wir brauchen wohl einfach eine Cyber-Polizei, die sich ausschließlich mit solchen Betrugsfällen auseinandersetzen kann", sagt Thomas Hagen. Der Ansatz erschient auch dem Landeskriminalamt in Kiel richtig, denn schon die Einrichtung der bundesweiten Sammelstelle bei der Staatsanwaltschaft Göttingen war eine Maßnahme, um die Anstrengungen zu zentralisieren und nicht "doppelt und dreifach ermitteln zu lassen", sagt LKA-Sprecher Jung.
Die Verbraucherzentrale rät weiterhin dazu, immer die aktuelle Version eines Antiviren-Programms installiert zu haben. "Das ist der beste Präventivschutz", meint auch Thomas Hagen, denn seit den ersten Fällen im April haben viele Hersteller ihre Schutzprogramme aktualisiert. Außerdem solle man seine Daten regelmäßig absichern und Datenträger zur Systemwiederherstellung anlegen.
Hilfe
Der Verband der deutschen Internetwirtschaft hilft Betroffenen, ihren Rechner zu säubern. Informationen gibt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) auf www.botfrei.de. Darüber hinaus schicken viele Hersteller von Antiviren-Software ihren Kunden bei Bedarf kostenlose Rettungs-CDs.
(fmw, shz)





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