WISSENSCHAFT IM NORDEN

 

Knochenfresser-Wurm

Seit 30 Millionen Jahren auf Nahrungssuche

24. April 2010 | Von Tomma Schröder

Faszinierender Organismus: Der Knochenfresser-Wurm "Osedax"...

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Kiel. 20 Jahre lang lag er irgendwo in Amerika in einer Garage. Doch in dieser Woche hatte er seinen großen Auftritt auf den Wissenschaftsseiten vieler deutscher Medien: ein unscheinbar aussehender alter Walknochen mit winzigen Löchern drin. So zumindest stellt er sich dem Laien dar. Steffen Kiel, Paläontologe an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, aber sah in dem fossilen Walknochen sofort verdächtige Spuren. Ein Scan im Computertomographen bestätigte dies: Die Löcher stammen von "Osedax" - oder etwas spektakulärer: von dem Knochenfresser-Wurm, ein faszinierendes Tiefsee-Lebewesen, das bereits vor sechs Jahren von amerikanischen Wissenschaftlern entdeckt wurde.

Nun schaffte es das Tier wieder in die Schlagzeilen, weil Steffen Kiel mit Hilfe des Knochens sein geologisches Alter bestimmen konnte. Auf der Suche nach fossilen Spuren hatte der Wissenschaftler auch einen befreundeten amerikanischen Fossiliensammler um Hilfe gebeten. Der schaute unter seinen Fundstücken in der Garage nach - und wurde fündig.

Erfolgsgeschichte noch unveröffentlicht

Steffen Kiel analysierte den zerlöcherten, auf 30 Millionen Jahre geschätzten Walknochen und ist sich heute sicher: "Es gibt nicht allzu viele Organismen auf dem Meeresboden, die solche Löcher bohren können. Und die Löcher entsprechen ziemlich genau denen der heute lebenden Knochenfresser-Würmer." Damit wäre der Wurm - geologisch gesehen - wohl fast genauso alt wie seine Nahrung. Denn Wale, die auch auf die offenen Ozeane hinaus geschwommen sind, gebe es auch erst seit ungefähr 30 Millionen Jahren, erklärt Kiel.

Einen kleinen Haken hat die Kieler Erfolgs-Geschichte jedoch: Die Forschungsergebnisse wurden noch nicht, wie von der Pressestelle und vielen Medien behauptet, in der renommierten Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht. Der angenommene und druckfertige Artikel aber liegt bereits vor.


 

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