ROCKER-KRIEG

 

Innenminister Schlie:

Kein bundesweites "Hells-Angels"-Verbot möglich

01. Februar 2012 | 17:16 Uhr | Von dpa

Nach jahrelanger Ermittlungsarbeit wurden die Kieler "Hells Angels" verboten. Foto: Krüger

Kiel. Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie hält ein landes- oder sogar bundesweites Verbot der "Hells Angels" aus rechtlichen Gründen für nicht möglich. Die würde eine entsprechende Vereinsstruktur voraussetzen, die aber nicht gegeben sei, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in Kiel vor dem Innen- und Rechtsausschuss des Landtags - einen Tag, nachdem im Rahmen einer Groß-Razzia das von Schlie erlassene Verbot der Kieler "Hells Angels" den Vereinsmitgliedern förmlich zugestellt und das Vereinsvermögen beschlagnahmt worden war.

Die regional auftretenden "Hells Angels"-Vereine seien nach dem Vereinsgesetz jeweils als Einzelgruppierungen zu betrachten und zu bewerten, betonte Schlie. Darin sei er sich mit seinen Kollegen der Innenministerkonferenz einig. Schlie kritisierte Medien-Spekulationen, die Kieler "Hells Angels" könnten nach Lübeck übersiedeln und vor dort ihre kriminellen Geschäfte weiterbetreiben. "Es wäre gut, solche Spekulationen heute zu beenden, sie entbehren jeder realen Grundlage", sagte Schlie.

"Deutlicher Erfolg im Kampf gegen die organisierte Kriminalität"

Die Polizei betrachtet die 25 "Hells Angels" in Kiel als Teil der organisierten Kriminalität. Typische Deliktbereiche in der Rockerkriminalität seien Prostitution, Waffen- und Drogenhandel. Gewalttaten und Drohungen dienten dazu, die Vorherrschaft auch in den "Geschäftsbereichen" Türsteher- und Tätowiergewerbe zu sichern, sagte Mathias Engelmann, Leiter des Dezernats Organisierte Kriminalität im Landeskriminalamt, am Rande der Ausschusssitzung.

Nach Einschätzung Engelmanns werden die Kieler "Hells Angels" versuchen, ihre "Geschäfte" in der Landeshauptstadt weiter zu betreiben - wenn auch deutlich weniger. Diese Erfahrung hätten frühere Vereinsverbote gezeigt. Insofern bedeute das Verbot einen sehr deutlichen Erfolg im Kampf gegen die organisierte Kriminalität.

Einen Umzug der Kieler "Hells Angels" nach Lübeck hält auch Engelmann für "sehr unwahrscheinlich". Den Rockern gehe es überwiegend darum, die Macht in einer bestimmten Region auszuüben. "Und da ist Kiel als Landeshauptstadt natürlich ein sehr attraktiver Ort." Im übrigen dürften die bereits in Lübeck agierenden "Hells Angels" nicht begeistert sein über Zuzug aus Kiel.


 

Leserkommentare

 
ANDREAS KREUZ 02.02.2012 13:57
...

Was wäre wohl passiert, wenn jeweils zwei Polizeibeamte bei den Membern geklingelt und die Verbotsverfügung übergeben hätten? Ich hab da 'ne Vermutung: Nichts!

Das Ergebnis wäre das gleiche gewesen, aber so hat's einfach mehr Spaß gemacht. Das SEK, hunderte Polizisten, die Medien, die Pressekonferenzen, die Schnittchen und die Weib... . Nun ja. Im Mai sind halt Wahlen, nicht wahr Herr Schlie?
Öffentlichkeitswirksam irgendwo reinpoltern, vor den Augen der Kameras 'ne Kneipe schließen usw. ist halt besser und kommt beim Wähler gut an, oder?
Nur doof, dass es halt keine Waffen, Drogen, Nutten zu präsentieren gab, sondern nur 'ne Kutte und ein paar Schutzwesten. Wirklich ärgerlich, ich fühle mit Ihnen, Herr Schlie, das hätte sich doch so schön für die kommende Wahl gemacht ... !



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