ROCKER-KRIEG
Trotz Verbots der Rocker-Gruppe
"Hells Angels"-Kneipe in Hamburg?
Hamburg. Vor mehr als einem Vierteljahrhundert hat Hamburg die "Hells Angels" als "kriminelle Vereinigung" verboten. Dennoch sind Mitglieder des Rockerclubs in der Elbmetropole weiterhin aktiv. Und aktuell offenbar aktiver denn je. Nach Erkenntnissen von Milieufahndern steht im Stadtteil Hamm die Eröffnung eines Lokals bevor, das zum neuen Treffpunkt für die "Höllenengel" und ihre Unterstützer werden könnte.
An der Süderstraße hat ein Kneipier eine Konzession für einen gastronomischen Betrieb beantragt, wie ein Sprecher des Bezirks Mitte bestätigt. Obwohl die Polizei den Verdacht hegt, dass die "Hells Angels" dahinter stecken könnten, sieht der Bezirk keine Handhabe für eine Ablehnung. "So lange der Antragsteller unbescholten ist und die gängigen Auflagen für den Betrieb eines Lokals erfüllt, können wir ihm die Konzession nicht verweigern", sagt Sprecher Lars Schmidt-von Koss.
Letzte Unterlagen und Gebühr fehlen noch
Nach Informationen des sh:z wurde der Antrag Ende August gestellt. Reicht der Gastwirt noch letzte Unterlagen nach und zahlt die fällige Gebühr, steht der Eröffnung nichts im Wege. Auch die Behörden rechnen nicht damit, dass sich der Betreiber von dem Vorhaben noch abbringen lässt. Das Namensschild "Southstreet" ist bereits angebracht. Schon den Namen werten Milieukenner als Ausdruck eines gestiegenen Selbstbewusstseins der "Angels". "Southstreet" ist eine direkte Übersetzung von Süderstraße, des berüchtigten Hamburger Straßenstrichs, der laut Fahndern weitgehend von der Rockergruppe beherrscht wird. Kaum ein Zufall dürfte auch die Ähnlichkeit zur Bezeichnung "Southport" sein, unter der sich derzeit Mitglieder der "Hells Angels" aus Schleswig-Holstein nach Hamburg ausbreiten.
Die mögliche Gründung einer Art Stammkneipe trotz Vereinsverbots registriert die Hamburger Polizei mit hoher Aufmerksamkeit. Weil aber aktuell Hinweise auf konkrete Straftaten fehlen, formuliert Sprecher Mirko Streiber allgemein: "Wir beobachten die Entwicklung sehr genau. Wenn die 'Hells Angels' eine Nachfolgeorganisation installieren, werden wir sofort reagieren."
Die Innenbehörde hatte die "Höllenengel" 1983 als Verein verbieten lassen. Seither ist auch das Tragen von "Hells-Angels"-Symbolen untersagt, etwa der geflügelte Totenkopf. Dennoch machen die Rocker vor allem in der Zuhälterszene weiterhin gute Geschäfte und beherrschen unter anderem das "Laufhaus" an der Reeperbahn.
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