ROCKER-KRIEG
Razzia bei Rockern
"Hells Angels" in Kiel verboten
Kiel. Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie (CDU) hat am Dienstag die "Hells Angels" in Kiel verboten. Zeitgleich startete die Polizei Durchsuchungen von Wohnungen von Funktionsträgern des Vereins sowie des Treffpunktes der "Hells Angels" in Kiel. Die Verbotsverfügungen seien den 25 - überwiegend in Kiel wohnenden - Vereinsmitgliedern zugestellt worden, teilte das Innenministerium am Morgen mit.
300 Polizeibeamte, darunter das Spezialeinsatzkommando (SEK), durchsuchten sieben Wohnungen von polizeilich bekannten Funktionsträgern des Clubs in Kiel sowie den Treffpunkt der Hells Angels, eine Gaststätte in der Nähe des Hafens. Die Sicherheitskräfte mussten sich dabei zu nicht geöffneten Wohnungstüren mit Spezialwerkzeug Zutritt verschaffen. Es seien Gegenstände und Materialien beschlagnahmt worden, teilte eine Sprecher des Kieler Innenministeriums mit. Zwei Rocker wurden von Beamten leicht verletzt.
"Keine kriminellen Parallelgesellschaften"
Innenminister Schlie zum Verbot: "Die Zeit war reif. Der Rechtsstaat duldet keine kriminellen Parallelgesellschaften". Der Verein "Hells Angels" in Kiel verfolge das Ziel, Gebiets- und Machtansprüche auf dem kriminellen Sektor gegenüber verfeindeten Rocker-Organisationen wie den "Bandidos" und den "Mongols" durchzusetzen. Auf das Konto des Vereins gingen Gewalttaten, unerlaubter Waffenbesitz, Straftaten im Zusammenhang mit der Prostitution und dem Betäubungsmittelgesetz, begründete Schlie das Verbot. Der Verein "Hells Angels MC Charter Kiel" bestand seit September 1994.
Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) lobte Schlies entschlossenes Vorgehen. "Er zeigt seinen Innenministerkollegen, wie man kriminellen Rockergruppen begegnet", sagte der BDK-Vorsitzender André Schulz. Wenn kriminelle Rockergruppierungen im Stile organisierter Kriminalität agieren, müssten die Ermittlungs- und Sicherheitsbehörden mit allen Möglichkeiten gegen diese Strukturen vorgehen und von der Politik mit aller Unterstützung ausgestattet werden.
Kneipe geschlossen, Homepage vom Netz
Am Nachmittag zogen Innenministerium und Strafverfolgungsbehörden Bilanz: In sieben Wohnungen und der Gaststätte wurden diverse Messer, Schusswaffen und andere Waffen beschlagnahmt. Darüber hinaus stellten die Beamten elf schusssichere Westen, sechs Lederkutten, Computer, Handys und andere Datenträger sicher. 16 Bankkonten wurden beschlagnahmt. Außerdem fanden die Polizisten einen aktiv geschalteten Scanner zum Abhören des Polizeifunks.
"Die von den 'Hells Angels' betriebene Kneipe wurde in Zusammenarbeit mit der Polizeidirektion Kiel durch die Stadt Kiel gewerberechtlich geschlossen", teilt Polizeisprecher Jürgen Börner mit. Die Homepage des Chapters wurde am frühen Morgen vom Netz genommen.
Null-Toleranz-Strategie
Das Verbot der Hells Angels Kiel gehört nach Aussage von Schlie zu der Null-Toleranz-Strategie von Polizei und Ordnungsbehörden gegen das kriminelle Rockermilieu. Es würden weiterhin alle rechtlichen und taktischen Möglichkeiten ergriffen, um den Machenschaften ein Ende zu bereiten. "Was Recht und Gesetz ist, legen ausschließlich die in der Verfassung vorgesehenen Institutionen fest und nicht einige selbsternannte 'Ordnungshüter' in Lederwesten mit geflügeltem Totenkopf", sagte Schlie.
Nach dem Verbot der "Hells Angels" Flensburg und der "Bandidos" Neumünster im April 2010 ist dies das dritte Vereinsverbot im Kampf gegen Rockerkriminalität. In der Landeshauptstadt war ebenfalls das Clubheim der "Mongols" geschlossen worden.
Leserkommentare
Bereits in Flensburg hat sich ja gezeigt, dass sich eigentlich nichts geändert hat. Das Vereinsheim ging an eine Untergruppierung und die ehemaligen Mitglieder sind nun anderen Chartern angegliedert. Nun haben Sie halt Dresden oder andere Ortsnamen statt Flensburg auf dem Rücken. Aber sonst bleibt es wie es ist.
Und das ist auch irgendwie gut so. Nicht dass man es gutheißen muss, was verschiedene Rockergruppierungen machen, aber ich glaube kaum, dass man mit Verboten die Prostitution oder Drogengeschäfte eindämmen kann. Wenn´s nicht die HA machen, dann macht es halt ein anderer.......
Kohle haben sie ja genug durch Prostitution, Schutzgelderpressung, Rauschgifthandel.
Da werden sie sicherlich schon ihre Fühler nach sehr guten Anwälten ausgestreckt haben.
Auf die Frage "Wie korrupt ist SH?" wird man sicherlich auch bald eine Antwort wissen.
Ihre Aufzählung ist sicherlich nur beispielhaft gemeint. Ich möchte deshalb noch den Menschenhandel hinzufügen. Und bei den zur Prostitution gewungenen ist sicher so mancher nicht Erwachsener dabei...
Es wird sich nichts ändern, hat es ja auch in den letzten Jahrzehnten nicht. Rechtsanwälte brauchen die auch nicht zu suchen, die sind fester Bestandteil der Org.
Ich kann niemanden verstehen, der für diese Kriminellen auch nur ein gutes Wort hat. Von wegen Respekt, sie regieren durch Angst, Gewalt, Asozialität. Die brauchen wir genau so wir die Rechtsradikalen oder die Linksradikalen. Allle in einen Sack......
Heute großer Auftritt von Schlie auf N3.
Was mich beschleicht ist die Frage: Wieso wird jetzt, so kurz vor der Wahl, erst gehandelt? Nein, an Stimmenfang habe ich natürlich nicht gedacht!
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>>Klaus Schlie dazu: "Die Zeit war reif. Der Rechtsstaat duldet keine kriminellen Parallelgesellschaften".