Morgenwelt
Morgenwelt-Keynotes
Erneuerbare Energien: Droht die Schlacht um Rohstoffe?
Kontroverser hätte der Abend nicht sein können. Bei den Morgenwelt Keynotes, einer hochkarätig besetzten Fachveranstaltung in den Räumen der Elmshorner Stadtwerke zum Thema Klimawandel und Erneuerbare Energien, gerieten die Referenten und Moderator Dr. Joachim Bublath kräftig aneinander.
Bublath, Journalist und langjähriger Leiter der ZDF-Redaktion Naturwissenschaft und Technik, meldete massive Zweifel an, dass es gelingen werde, in absehbarer Zeit eine Versorgung nur durch Regenerative Energien sicherzustellen. Biomasse stoße an Grenzen, weil dazu intensive Landwirtschaft nötig sei, die wiederum schädliche Treibhausgase produziere. Photovoltaik funktioniere nur am Tag, nicht aber in der Nacht und bei Wolken. Eine Speicherlösung gebe es bis heute nicht. Windkraft sei wetterabhängig. Um Flautezeiten auszugleichen, müssten zusätzlich herkömmliche Kraftwerke im Grundbetrieb laufen. Bublaths Einschätzung: "Wir werden alle Energiequellen zusammenkratzen müssen." Dazu zählte er auch die Kernkraft.
"Spätestens im Jahr 2300 sind alle anderen Energiequellen aufgebraucht."
Dem widersprach Dr. Volker Quaschning vehement. Der Professor für den Fachbereich Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin verwies auf das Pilotprojekt EE 100 in Kassel. 36 Kraftwerke mit Erneuerbaren Energien der Bereiche Wind, Sonne und Biogas sind dort miteinander vernetzt, um den kompletten Tagesbedarf abzudecken. Quaschning betonte, es gebe ohnehin keine Alternative zu erneuerbaren Energien. "Spätestens im Jahr 2300 sind alle anderen Energiequellen aufgebraucht."
Doch der Weg wird schwer. Das zeigte Lorenz Erdmann auf. Der Ingenieur vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung in Berlin verwies vor allem auf die Rohstoffe, die für den Ausbau Regenerativer Energien nötig sind. Für Photovoltaik seien etwa Silber-Elektroden und Halbleitermaterialien nötig. Generell werde es einen rasant steigenden Bedarf an High-tech-Metallen geben. Und es wird teuer, wie Dr. Rainer Mohn verdeutlichte. Der Mitarbeiter von Off-Shore REpower Systems erklärte, dass bis 2020 sechs Prozent des deutschen Strombedarfs durch Windparks im Meer abgedeckt werden könnten. Die Genehmigungen für Flächen gebe es. Doch die lägen weit draußen, und Deutschland stehe noch ganz am Anfang. Kaum ein Hafen sei für die Verschiffung der benötigten Riesen-Teile mit ihrem gewaltigen Gewicht gerüstet. Hoffnung machte Zukunftsforscher Dr. Eike Wenzel. Er verwies darauf, dass es einen deutlich erkennbaren Wandel der Gesellschaft zu grünen Werten gebe. Das werde die Suche nach Lösungen erleichtern. Morgenwelt ist ein von ehemaligen Streuobstwiesenfest-Organisatoren, BUND und Robin Wood initiiertes Projekt. Partner sind die Stadtwerke und die EN. Alle Vorträge wurden gefilmt und werden auf www.morgenwelt.de zu sehen sein.
Leserkommentare
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden
Warum muss ich mich anmelden/registrieren?
shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!
Lust auf mehr? Ihre sh:z Tageszeitung jetzt
2 Wochen kostenlos testen.




Die Regierung will jetzt neue Hochspannungsleitungen von Schleswig-Holstein nach Nordrhein-Westfalen bauen, um den Windstrom in die Industriegebiete zu bringen. Die betroffenen Bürger wehren sich aus guten Gründen gegen die neuen Stromtrassen! Deshalb sollte man hier völlig umdenken: Die energieintensiven Industriebetriebe müssen an die Küste verlagert werden!
Wenn eine Aluminiumhütte soviel Strom benötigt, wie 500.000 Haushalte, dann wäre sie z.B. in Husum viel besser aufgestellt, als im Binnenland. Man könnte aber auch die Insel Helgoland etwas größer ausbauen, als es sowieso vorgesehen ist. Dann paßte so ein Betrieb auch auf die Helgoländer Düne. Die Anbindung an einen Hafen böte neben dem billigen Strom auch günstige Transportkosten für Rohstoffe und Produkte.
Auf diese Weise bekämen die Schleswig-Holsteiner zusätzliche Arbeitsplätze, die Gemeinden mehr Gewerbesteuern bei weniger Soziallasten und das Land endlich mehr finanzielle Bewegungsfreiheit.
Also: Verlegt die energieintensiven Betriebe zu uns nach Schleswig-Holstein!!