Meiereien in Schleswig-Holstein

 

Cremilk Kappeln

Milch in Pulverform

07. Mai 2011 | 06:00 Uhr | Von Kay Iversen

Die Cremilk in Kappeln. Foto: shj

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Meiereien in Schleswig-Holstein: In der Kappelner Cremilk setzt man auf Trockenprodukte. Jährlich werden dort rund 17.000 Tonnen produziert.

Wenn es um bedeutende Meiereien im Lande geht, dann führt an der Cremilk in Kappeln kein Weg vorbei. Denn von hier kam der erste Instantkaffee in Deutschland und die erste Säuglingsmilchnahrung.

Doch der Reihe nach: Angefangen hat alles 1917, als eine Reihe von Meiereigenossenschaften unter Federführung der Stadt Hamburg beschlossen, ein Milchtrocknungswerk zu errichten. Im Sommer 1919 ging es im Kappelner Ortsteil Dothmark in Betrieb. Hamburg war mit Abstand größter Gesellschafter, denn die Großstadt hatte zur Kriegszeit und unmittelbar danach große Probleme, ihre Bevölkerung mit Frischmilch zu versorgen. Also wich man auf die länger haltbare Trockenmilch aus, die man aus Milchpulver herstellte.

Die "Linda" sorgte für neuen Schwung

Doch die Versorgungslage in den Städten besserte sich rasch, und so sank das Interesse an der Trockenmilch. Schon ein Jahr später stand das Werk still. Nach einem weiteren Eigentümerwechsel pachtete 1928 die "Linda-Gesellschaft für kondensierte Milch und Kindermilch", eine Tochtergesellschaft des schweizerischen Lebensmittelkonzerns Nestlé, das Werk. Die "Linda" sorgte für neuen Schwung. Mit neuen Anlagen begann sie 1928 dort die Herstellung von Schmelzkäse der Marke "Ideal". 1929 startete unter dem Namen "Ideal-Milch" die Kondensmilch-Produktion. 1935 verarbeitete die Nestlé-Tochter 13,5 Millionen Kilogramm Milch, zwei Jahre später waren es bereits 24 Millionen.

Und Kappeln wurde zur Geburtsstätte neuer Produkte. Nachdem Nestlé 1942 das Werk gekauft hatte, begann hier die Herstellung von Milchpulver und Säuglingsnahrung. 1943 stellte die "Linda" den ersten Instantkaffee in Deutschland her. Die deutsche Zivilbevölkerung kam allerdings nicht in den Genuss des löslichen Kaffees. Produziert wurde vielmehr für die Soldaten der Wehrmacht. Besonders die Flugzeugbesatzungen sollten mit dem Gebräu wach gehalten werden.

"Nestlé Kappeln muss bleiben"

Nach dem Krieg durfte dann auch der deutsche Zivilist Nescafé trinken. 1966 verlegte Nestlé die Produktion von Nescafé nach Mainz. Dafür wurde in den Jahren zuvor in Kappeln die Herstellung diätetischer Produkte, wie Getränkepulver für Fruchtsäfte, ausgebaut. Die Menge der Milchverarbeitung betrug 1960 über 60 Millionen Kilogramm. 1980 wurden in Kappeln bereits 120 Millionen Kilogramm Milch verarbeitet.

1998 entschied der Nestlé-Konzern dann, den Kappelner Betrieb zu schließen. In der Region bildete sich daraufhin ein von Betriebsrat, Gemeinden, Gewerkschaften, Kreisbauernverband und weiteren Organisationen getragener Aktionskreis. Unter dem Namen "Nestlé Kappeln muss bleiben" setzte sich dieser Kreis mit Demonstrationen für den Erhalt des Werkes und seiner 190 Arbeitsplätze ein. "Wir werden diese unsoziale und unakzeptable Schließung des Werkes Kappeln nicht widerstandslos hinnehmen", hieß es in einem Aufruf zur Großdemonstration. Es ist nicht zuletzt auch diesem Druck zuzuschreiben, dass das Werk in Kappeln nicht geschlossen, sondern an die Kord-Gruppe aus Hamburg verkauft wurde. Nestlé blieb mit 25 Prozent Miteigentümerin. Der Nachfolger der Kord-Gruppe, die Cafea-Gruppe, ist noch heute Mehrheitseigentümerin der Cremilk.

Heute produziert die Cremilk jährlich rund 17.000 Tonnen Trockenprodukte. Zur Produktpalette gehören Kaffee-Milch-Mischgetränke, Säuglingsmilchnahrung, Eistee, Pudding oder Kaffeeweißer. Die 193 fest angestellten Mitarbeiter erwirtschafteten im Jahr 2008 einen Umsatz von 60 Millionen Euro. Und an die Nestlé-Zeit erinnert noch immer die Adresse des Unternehmens: Nestléweg 1.

(yv, shz)

Haben Sie noch Erinnerunen an die vorgestellte Meierei? Haben Sie dort gearbeitet oder Ihre Hof-Milch dorthin geliefert? Dann schreiben Sie uns ihre Geschichte über die Kommentar-Funktion.


 

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