HSH NORDBANK

 

HSH Nordbank

Nonnenmacher darf bleiben - erstmal

01. Dezember 2010 | 13:18 Uhr | Von dpa

Der umstrittene Vorstandschef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, bleibt offenbar vorerst doch noch im Amt. Foto: dpa

Der umstrittene Vorstandschef der HSH-Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, wird die Geschäfte des Geldinstituts vorerst weiterführen. Bis Klarheit darüber herrsche, ob Nonnenmacher eine grobe Pflichtverletzung nachgewiesen werden könne, bleibe er im Amt, sagte ein Sprecher der Hamburger Finanzbehörde am Mittwoch. Derzeit prüfe der Aufsichtsrat die Möglichkeiten einer Abberufung, ergänzte der Sprecher. Er bestätigte entsprechende Berichte, wonach der Gesellschafterausschuss der Anteilseigner - die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein - diesen Vorschlag des HSH-Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper angenommen habe. Somit wird es bei der regulären Sitzung des Kontrollgremiums an diesem Donnerstag nicht zu dem von der Politik ursprünglich betriebenen schnellen Rauswurf Nonnenmachers kommen.

Informationen aus der Kieler Koalition zufolge gibt es Bestrebungen, einen externen Nachfolger durchzusetzen. Ziel ist es offenkundig, die Nachfolge noch in diesem Jahr zu klären. Am 9. November hatten Hamburg und Schleswig-Holstein den früheren Deutsche-Bank-Chef Kopper aufgefordert, Nonnenmacher abzulösen. Ausschlaggebend dafür waren vermeintliche Intrigen in der Landesbank sowie eine Bespitzelungsaffäre von Politikern. Der Aufsichtsrat hatte damals angekündigt, das weitere Vorgehen in seiner nächsten ordentlichen Sitzung an diesem Donnerstag erörtern zu wollen.

Noch Unklarheiten bei der Personalie Frank Roth

Staatsanwaltschaften in Kiel, Hamburg und New York ermitteln gegen das Geldinstitut - und gegen Nonnenmacher wegen möglicher Untreue. In einem Beschluss des Hamburger Landgerichts zu früheren riskanten Kreditersatzgeschäften namens "Omega" sollen dem Vorstandschef nach Medienberichten "gravierende Pflichtverletzungen" nachgewiesen worden sein."Ich handele nach dem Aktienrecht", hatte Aufsichtsratschef Kopper in den Turbulenzen um den Vorstandschef klargestellt. "Sobald ich etwas erfahre, was dem Aktienrecht widerspricht, ziehe ich Konsequenzen."

Mehrmals hatte das Kontrollgremium Nonnenmacher sein Vertrauen ausgesprochen. Dem seit zwei Jahren amtierenden Vorstandschef ist es gelungen, nach dem Milliardendesaster mit einem Verlust von 2,8 Milliarden Euro 2008 einen Sanierungskurs zu fahren, der das Institut in den ersten neun Monaten 2010 - ohne die Kosten der Restrukturierung - wieder ins Plus (101 Mio Euro) führte. Unter dem Strich blieb ein Verlust von 246 Millionen Euro, was vor allem an den Millionen-Kosten für die Milliardengarantien der Länder liegt.

Neben Nonnenmacher dürfte den Aufsichtsrat am Donnerstag eine weitere Personalie beschäftigten: Frank Roth. Das damalige HSH-Vorstandsmitglied war 2009 wegen angeblichen Verrats von Geschäftsgeheimnissen entlassen worden. Ermittlungen gegen ihn wurden wegen mangelnden Tatverdachts eingestellt. Und eine Beschwerde der HSH Nordbank dagegen verwarf die Generalsstaatsanwaltschaft in Schleswig-Holstein als unbegründet. Wie aus banknahen Kreisen bestätigt wurde, will das Institut auf weitere gerichtliche Schritte verzichten. Roth hatte angekündigt, auf Vertragsansprüche und Schadenersatz zu dringen. Nun dürfte es im Kontrollgremium darum gehen, "wie man sich mit Roth verständigen könne".


 

Leserkommentare

 
FAIR VALUE 01.12.2010 16:02
Das ist falsch

Die Betriebsergebnisse der HSH sehen so aus,dass vor Auswirkungen der Risikovorsorge sowie Restrukturierung im Zeitraum I-III/2009 ein Überschuss in Höhe von € mio 1.266 und im gleichen Zeitraum 2010 nur noch € mio 353 erwirtschaftet wurden.Nach Ausgaben für stattliche Garantien (I-III/09 mio 286 I-III/10 mio 393)
ergab sich für die ersten drei Quartale 2009 ein "Überschuss"(vor Risiko/Restrukt.) i.H. von mio 980 und nun in den ersten 3 Quartalen 2010 ein Verlust von mio 40.
Ein Erfolg sieht für mich anders aus.
Auch frage ich mich,inwieweit die HSH wohl bei Staatsanleihen (Irland/Portugal)involviert ist.
Im Quartalsbericht 30.9.10 geht die HSH von einem "weiterhin festen" Euro( im Verhältnis zum US-Dollar) bis zum Jahresende aus.Das genaue Gegenteil ist seither eingetreten.
Für mich als Bilanzleser sind die Zahlen der HSH I-III/2010 deutlich schlechter als im Vorjahreszeitraum.
Das dicke Ende wird bei der HSH noch kommen.Mit oder ohne Nonnenmacher !
Aber das kennt man ja,aktuell ist ja wieder mal die West-LB die öffentlich gebeutelte.
Entscheidend wird sein,wie dann die Verantwortlichen (AR, Politiker) doch wieder "überraschende" Verluste der dummen Bevölkerung verkaufen werden.
ein skol auf die boni/abfindungen.

JÜRGEN FRIEDLAND 01.12.2010 21:34
Bilanzen lesen sollte man schon können

Den Zwischenbericht der HSH Nordbank zum 3. Quartal 2010 kann jeder auf der Homepage des Instituts unter Investor Relations einsehen. Danach steht dem Zinsüberschuss von 1.285 Mio. € (vor Risikovorsorge und Restrukturierung) im 3. Q. 2009 jetzt ein Zinsüberschuss von 1.189 Mio. € gegenüber (ein Minus von 96 Mio. €), dies jedoch bei einer um 24 Mrd. € verringerten Bilanzsumme.
Das Ergebnis vor Restrukturierung betrug -575 Mio. € im 3. Quartal 2009, jetzt beträgt es 101 Mio. €, also ein Plus von 676 Mio. €. Wenn das kein Erfolg ist, was darf man dann als Erfolg bezeichnen?
Die Freie und Hansestadt Hamburg sowie das Land Schleswig-Holstein dürfen sich nach 286 Mio. € für ihre Garantieen in 2009 jetzt über 393 Mio. € freuen. Ist doch prima für die Steuerzahler in Hamburg und Schleswig-Holstein, oder?
Was die Prognose über den Wechselkurs des Euro zum US Dollar betrifft, so ändert sich die Richtung im Wochenwechsel, je nach dem dem, wie intensiv die Panikkarte in Bezug auf die Verschuldung von bestimmten europäischen Ländern gespielt wird. Im Moment läuft es mal wieder zu gunsten der HSH Nordbank. Auch darüber können sich die Bürger von Hamburg und Schleswig-Holstein nur freuen.

HANS STEIN 01.12.2010 23:48
Mensch, Herr Kubicki

Wenn Sie Ihre Versprechen nicht durchziehen, hat die FDP ja gar nichts mehr zu bieten...

FAIR VALUE 02.12.2010 07:16
@Friedland

meine Zahlen sind richtig und wenn Sie neben Bilanzen auch Beiträge richtig lesen würden dann wüssten Sie das auch.
meine Zahlen sind stets ohne die "Frisierposition" Risikovorsorge.

RAINER TIETJEN 02.12.2010 09:01
Quartalsergebnis

Woher haben Sie die Werte, @ Value?

Der Quartalsbericht weist auf Seite 8 folgende Werte für die ersten drei Monate des Jahres 2010 und für das Vorjahr aus:

Zinsüberschuss 1189, Vorjahr 1285
Zinsüberschuss nach Risikovorsorge im Kreditgeschäft: 937, Vorjahr – 556
Ergebnis vor Restrukturierung: 101, Vorjahr -575
Ergebnis vor Steuern – 301, Vorjahr – 940

Das Ergebnis für 2010 ist also wesentlich besser.

KLAUS HÖLKESKAMP 02.12.2010 09:24
Nonnenmacher

Bilanzen sind doch erst einmal Nebensache. Hier sieht man doch wieder, wie schwer es ist einen Bänker los zu werden, daß Nonnenmacher gehen muß, ist doch nötig. Er hat aber wohl einen politischen Schutzengel, oder?

HANS STEIN 02.12.2010 11:50
Bespitzelung

Zu den Ergebnissen: Sie sind ja stark von der Risikoeinschätzung getragen. Mal sehen, wie diese Bilanzpositionen mittel- bis langfristig aussehen. Dann dürften die Bewertungsspielräume ausgeschöpft sein ....

In erster Linie geht es aber um das um Fehlverhalten (Bespitzelung der Mitarbeiter, Aufsichtsratsmitglieder, Politiker etc. durch Prevent).

Wenn Sie, Jürgen Friedland, der Betriebsrat der HSH Nordbank AG sind, stellt sich die Frage, warum Sie nichts zu den Bespitzelungsvorwürfen sagen.

HORST HEINZELPEITSCH 02.12.2010 12:28
@ Hans Stein

Warum sollte Herr Friedland auch etwas zu den Bespitzelungsvorwürfen sagen? Im Posting von Fair Value ging es um Bilanzfragen. Aber die bewährte Masche: Wenn man nicht mehr weiter weiß, schnell einen anderen Kriegsschauplatz eröffnen ...

HANS STEIN 02.12.2010 12:49
HORST HEINZELPEITSCH

Mir ging es in erster Linie um den Artikel und um die darin aufgezeigten Pflichtverletzungen...

FAIR VALUE 02.12.2010 18:30
und mir geht es um die wirtschaftliche Entwicklung,die m.E.falsch dargestellt ist

Ich habe die Zahlen der Gewinn- und Verlustrechnung der HSH-Homepage entnommen und ich bleibe bei meinem ersten Beitrag.
Die wirtschaftliche Entwicklung bzw.die Kernzahlen haben sich in den ersten 9 Monaten 2010 gegenüber dem Vorjahr deutlich verschlechtert.Damit meine ich ausdrücklich die Zahlen der Gewinn- und Verlustrechnung."Spielereien/Tricksereien"im Bereich der Wertberichtigungen/Risikovorsorge kenne ich bei Banken/Sparkassen aus vielen Jahren Berufspraxis.
Letztlich führt genau diese Position im Rahmen eines Jahresabschlusses häufig zur Verschleierung der tatsächlichen Situation eines Kreditinstitutes.Nur nebenher verweise ich auf die HRE,die West-LB oder auch die ehemalige SSK.
Die Risikovorsorge als Aufwands-oder Ertragsposition ist weniger ein Hinweis auf die Stabilität einer Bank sondern muss eher als Indiz für ein mangelhaftes Krisen-/Risikomanagement angesehen werden.Besonders,wenn innerhalb kurzer Berichtszeiträume extreme Sprünge in die eine odere andere Richtung erfolgen.
Dewegen ging ich auch auf die Aussagen im letzten Quartalsbericht zum Wechselkurs Euro/Dollar ein.
Eine Bank,zu deren Kerngeschäft die Finanzierung von überwiegend in US-$ vereinbarten Transaktionen gehört, darf sich in ihrer Einschätzung der Währungsentwicklung über einen Zeitraum von 3 Monaten nicht irren !
Ich finde es auffällig,wenn sich bei solch einer 50/50-Einschätzung der Kurs dann genau entgegengesetzt entwickelt.
Mein Fazit ist,dass die HSH nicht nur bzgl.der Reputation/Ansehen sondern insbesondere wirtschaftlich abgewirtschaftet hat.

JÜRGEN FRIEDLAND 02.12.2010 19:11
@ FAIR VALUE

Wieder so ein selbsternannter Finanzexperte wie der Kurzzeit-Wirtschaftsminister Marnette, der seit Monaten durch die Lande tingelt und den Untergang der HSH Nordbank zum jeweiligen Jahresende voraussagt. Vielleicht teilen sich die beiden ja die selbe Kristallkugel. Ich weis nicht von welchem Unternehmen "FAiR VALUE" sich die Gewinn- und Verlustrechnung angesehen hat, die der HSH Nordbank für die Zeit vom 1.1. bis 30.9.2010 war es jedenfalls nicht, wovon sich jeder geneigte Leser selbst überzeugen kann. Was die Risikovorsorge betrifft, so bietet der Zwischenbericht der HSH Nordbank zum 30.09.2010 ein Höchstmaß an Transparenz, z. B. in den Erläuterungen zur Bilanz ab Seite 60. Und siehe da, die Höhe der Risikovorsorge per 31.12.2009 und per 30.09.2010 weist mal gerade eine Differenz von 68 Mio. € aus. Donnerwetter, was für eine "Spielereien/Tricksereien".



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