Erotik-Boutique

Mehr als Dessous, Lack und Leder

17. April 2010 | 15:00 Uhr | Von Tanja Nissen, Schleswig-Holstein am Sonntag

Verkauft in ihrer Boutique edle Unterwäsche, Strümpfe und Korsagen: Silvia Rother. Die Kielerin setzt Mode, die sexy ist - und Stil hat. Foto: Grätsch

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Die Kielerin Silvia Rother hat eine Erotik-Boutique für Frauen eröffnet. Ihr Motto: Lifestyle statt Schmuddel-Business. Ein Trend - und doch gab es Probleme. Ist der neue Laden zu sexy für Kiel?

Kiel. Heißer Atem. Aneinander geschmiegte Körper. Knappe, figurbetonte Kleider. Tango - ein Tanz, ein Lebensgefühl. Silvia Rother liebt diesen Tanz. Die knisternde Erotik - die doch so viel Stil hat. "Und zu der möchte ich auch anderen Frauen eine Tür öffnen", sagt die Kielerin. Wenn Frauen untereinander über Sex und Sinnlichkeit sprechen, spüre sie, dass viele sich danach sehnen. Gleichzeitig sei das Thema aber immer noch mit Scham besetzt. Und das will Silvia Rother ändern. Am Sonnabend hat die 44-Jährige in der Landeshauptstadt ihre Boutique "La Bouche" eröffnet.

Edle Unterwäsche verkauft sie dort, Strümpfe, Korsagen, Kleider im Wetlook. Mode, die sexy ist. Auch Sexspielzeug. Und das, ohne dass sie dabei in den Verruf eines billigen Erotik-Shops gerät. Ganz im Gegenteil. Den Laden, der mit braunem Parkett ausgelegt ist, zieren stilvolle weiße Holzmöbel sowie silberne Accessoires und Spiegel. Das Geschäft liegt nur wenige Schritte von der Holtenauer Straße entfernt - einer beliebten Einkaufsmeile mit vielen kleinen Einzelhändlern. Direkt neben Silvia Rothers Boutique ist eine Arztpraxis. Gegenüber liegt eine Tapas-Bar. Auch eine Werbeagentur gibt es in der Straße.

Lifestyle statt Schmuddel-Business

Lifestyle statt Schmuddel-Business. Das steht auch bei dem traditionsreichen Sex-Unternehmen Beate Uhse inzwischen ganz oben auf der Agenda. Und nach Angaben des Konzerns sind bei Beate Uhse mehr als die Hälfte der Versandhandelskunden inzwischen Frauen. "Mit Sex-DVDs ist dagegen kaum noch Geld zu verdienen", sagte Vorstandschef Serge van der Hooft erst vor wenigen Tagen. "Der offene Umgang mit Sexualität in der Gesellschaft einerseits und der Preisdruck im DVD-Geschäft andererseits zwingen zum Umdenken", sagt van der Hooft. So verlegt sich Beate Uhse schon seit einigen Jahren zunehmend auf Dessous und Sex-Spielzeuge. Sehr erfolgreich sei ein Experiment mit dem neuen Produktbereich "Living" verlaufen. Beate Uhse bietet darin Wohnaccessoires wie zum Beispiel Bettwäsche, Handtücher, Bademäntel, Kerzen und ähnliches an, jeweils mit einem erotischen Touch. Und im Einzelhandel setzt der Konzern zunehmend auf gepflegte Premium-Shops in guten Einzelhandels-Lagen. Für die männliche Kundschaft gibt es sogenannte "Fun-Center" in Gewerbegebieten mit guter Verkehrsanbindung.

Was bei dem Erotik-Konzern ein langer Umstrukturierungsprozess hin zu neuen Läden und Produkten war, stand für Silvia Rother von Anfang an fest. Ihre Zielgruppe sind Frauen. Ihr Laden muss Stil haben. Allerdings ist der Weg zu ihrer eigenen Boutique lang.

Zu sexy für das brave Kiel?

Die Kielerin arbeitete viele Jahre bei einer Stiftung, zum Schluss als Vorstandssekretärin. Als die Stiftung mit einer anderen zusammengelegt wird, verliert Silvia Rother ihren Job. Das war im Frühjahr 2008. Sie bewirbt sich um andere Stellen. "Aber ich habe auch schon vor langer Zeit mal darüber nachgedacht, dass ich gern einen eigenen Laden hätte", sagt Rother. Sie ist selber Kundin in Erotikgeschäften für Frauen - vor allem in Großstädten wie Hamburg oder Berlin. Die Idee, einen eigenen Laden zu eröffnen, reift. "Ich bin eigentlich ein totaler Sicherheitsmensch, das, was ich hier mache, ist das genaue Gegenteil." Aber dann hat sie sich gedacht: Wenn ich es jetzt nicht mache, tue ich es nie.

Sie schreibt einen Business-Plan, legt los. Aber sie muss zu Beginn auch noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Die erste Immobilie, für die sie sich interessiert, bekommen andere. Ihr Geschäftskonzept habe den Eigentümer abgeschreckt, sagt Rother. Aber sie gibt nicht auf, bis sie einen Laden bekommt. Und die Eröffnung ihrer Boutique ist erst der Anfang. Rother will mehr. Im Juni steht eine Lesung mit Vanessa del Rae auf dem Programm - Del Rae arbeitet in Berlin als Sex-Coach.

 


 

Leserkommentare

 
ACHIM KOCH 17.04.2010 21:06
Erotik-Boutique

Sorry, dieser Beitrag ist in meinen Augen billigste Werbung....

RUDI FREUNDLICH 18.04.2010 00:56
Eroitk-Boutique

Eine mutige Frau hat sich selbstständig gemacht. Hierüber wird berichtet. Wie über andere mutige Menschen, die sich selbstständig machen. Was ist dabei "billigeste Werbung"? Freuen wir uns doch, das es Menschen gibt, die den Mut haben, nicht dem Steuerzahler auf der Tasche zu liegen, sondern selbst Steuern zahlen zu wollen.

TANJA NISSEN 18.04.2010 13:53
Erotik-Boutique

Sehr geehrter Herr Koch,

als Autorin des Artikels möchte ich Sie darauf hinweisen, dass die Geschichte über Frau Rother zu einer Serie über Existenzgründer gehört, die wir über ein ganzes Jahr lang begleiten. Dabei haben wir darauf geachtet, dass wir vier Gründer aus verschiedenen branchen und verschiedenen Landkreisen bekommen. Frau Rother steht für die Rubrik Einzelhandel. Wenn Sie mehr über diese Serie erfahren möchten, gehen Sie auf www.shz.de/gruender. Dann werden Sie auch sehen, dass wir diese Gründer durchaus kritisch begleiten und auch ihre Startschwierigkeiten schildern.

ERK ERKSEN 25.04.2010 23:16
@Achim

Sie sind nicht zu den Kosten befragt worden. Return to Grundschule !



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