Förderung

Was tut das Land für Gründer?

22. Juni 2010 | 15:50 Uhr | Von Tanja Nissen

In Schleswig-Holstein existiert mit dem Seed- und Startup-Fonds ein nahezu einzigartiges Förderinstrument für Exitenzgründer.

Gerade mal fünf Wochen war Ines Köhn vergangenen Herbst arbeitslos, dann hat sie sich selbstständig gemacht. Heute betreibt die 34-Jährige einen Geschenke- und Back-Shop in Goldelund (Kreis Nordfriesland). Köhn ist gelernte Kauffrau für Eisenbahn- und Straßenverkehr, sie hat in einer Bäckerei gearbeitet, in einer Tankstelle - zuletzt als Zugführerin. Bis die Kündigung kam. Aber der Schichtdienst war für die junge Mutter ohnehin schwierig. Und: Sie hatte schon immer mit dem Gedanken gespielt, sich selbstständig zu machen. Ihre mit Serviettentechnik verzierten Bilder, Kerzenhalter, Schlüsselbretter und andere handgemachte Aufmerksamkeiten hatte sie bereits seit Jahren auf Flohmärkten verkauft. Warum kein richtiges Geschäft daraus machen, fragte sie sich. Die Arbeitsagentur unterstützte sie dabei, ihre Pläne umzusetzen. Das nötige unternehmerische Rüstzeug bekam Köhn in Schleswig beim Gründungszentrum Leuchtturm Nord.

Solche Gründerzentren gibt es in Schleswig-Holstein bereits seit Anfang 2008. Die Angebote, die sich speziell an Arbeitslose richten, reichen bis hin zu mehrwöchigen Seminaren über Business-Pläne oder persönliches Coaching in Behördenfragen. Sie werden vom Land durch das Zukunftsprogramm Arbeit mit EU-Mitteln gefördert. Es sind Projekte regionaler Träger wie der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein, unter deren Regie beispielsweise die Existenzgründerzentren in Kiel, Schleswig oder Glinde laufen. Neben dieses speziellen Beratungsangebotes fördern Arbeitsagentur und Jobcenter Gründer mit einem Gründungszuschuss oder einem so genannten Einstiegsgeld. Nach Angaben der Agentur für Arbeit werden dafür im nördlichsten Bundesland jährlich knapp 52 Millionen Euro investiert.

Konkrete Zahlen liegen nicht vor

Schleswig-Holstein tut etwas für Gründungswillige. Es bietet ein dichtes Netzwerk unterschiedlicher Beratungs- und Förderinstitutionen – von der Wirtschaftsförderung- und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) bis hin zur Bürgschaftsbank, regionalen Wirtschaftsfördergesellschaften, Technologie- und Gründerzentren.

Mit konkreten Zahlen, wie viele Gründer es jährlich in Schleswig-Holstein gibt, ist es schwierig, da keine offizielle Statistik darüber existiert. Besonders beliebte Branchen bei Gründern sind - im Zuständigkeitsbereich der IHKs - das Dienstleistungsgewerbe, speziell das Gastgewerbe und der Tourismus, gefolgt vom Gesundheitswesen, dem Handel und der IT-Branche.

Für alle Branchen gilt: "Zu uns kann jeder kommen und sich informieren", sagt Michael Schmidt, der bei der IHK Kiel für Starthilfe und Unternehmensförderung zuständig ist. So laden die IHKs im Land regelmäßig zu Informationsveranstaltungen, bei denen alle wichtigen Fragen rund um das Thema Gründung angesprochen werden. Neben diesen großen Info-Veranstaltungen bieten die IHKs auch persönliche Beratungsgespräche und das Internet-Portal www.ihk-mentor.de, dass einen starken regionalem Bezug hat. "Wenn ich in Lübeck ein Geschäft eröffnen will, erfahre ich per Mausklick, wie dort die Kaufkraft ist", nennt Schmidt ein Beispiel. Neben wichtigen Branchen-Informationen können Gründungswillige dort unter anderem auch das  Grundgerüst für ihren Gründungsplan erstellen. In den letzten zehn Monaten nutzten dieses Angebot nach Kammer-Angaben über 1045 Menschen. Interessant sei dabei, so Schmidt, dass ein Drittel davon nicht aus Schleswig-Holstein komme. 

Gründungen: Kiel liegt im Mittelfeld

"Gründerberatung ist eines unserer ganz großen Themen", sagt auch Ulf Grünke von der Handwerkskammer Schleswig-Holstein, die ebenfalls umfassende Beratungsangebote hat. Und auch Kurt Puls, Leiter der Förderberatung Wirtschaft bei der Investitionsbank (IB), bekräftigt: "Die Förderung von Existenzgründungen spielt in Schleswig-Holstein eine große Rolle." Die IB berät nicht nur, sie übernimmt unter bestimmten Bedingungen für eine begrenzte Zeit auch die Hausbankfunktion, um Gründern so den Zugang zu Darlehen der KfW Mittelstandsbank zu verschaffen.

Nach einer jüngeren Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aus dem Jahr 2008 gilt allerdings Hamburg als bundesweiter Spitzenreiter im Bereich Existenzgründungen, während Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt Kiel lediglich im Mittelfeld liegt.  Generell sei die Gründungsneigung vor allem in den süddeutschen Regionen hoch, während nord- und ostdeutsche Regionen tendenziell schlechter abschneiden, so das Fazit der Untersuchung. Die Wahrscheinlichkeit einer Firmengründung sei in ökonomisch erfolgreichen Regionen höher als in weniger erfolgreichen, schreiben die Autoren der Studie, Udo Brixy, Rolf Sternberg und Heiko Stüber.

Einzigartig: Der Seed- und Startup-Fonds

In einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung über Hightech-Gründungen aus dem Jahr 2009 kommt Schleswig-Holstein besser weg. Im regionalen Vergleich liegen die Bundesländer Bayern, Schleswig-Holstein, Hamburg und Hessen vorn, heißt es dort. Ein Grund dafür dürfte der Seed- und StartUp-Fonds Schleswig-Holstein sein. Gerd-Ruediger Steffen, der Chef der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft (MBG): "Die MBG beteiligt sich in der Regel mit stillen Beteiligungen an jungen wie auch an etablierten Unternehmen.  Darunter sind etwa 30 Gründungsfälle pro Jahr.  Grundsätzlich beraten und beteiligen wir uns an Firmen aller Branchen. Durch den Seed- und StartUp-Fonds gibt es aber einen Schwerpunkt im Bereich technologieintensiver Ausgründungen aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen.  So ein Fonds birgt einerseits zwar hohe Risiken, weil vorher nie ganz klar ist, ob die Gründer wirklich das Zeug zum Unternehmer haben, ob die Technik funktioniert und sich letztlich auch am Markt etabliert. Andererseits ist es sehr spannend und gesamtwirtschaftlich sinnvoll, solche Firmen zu fördern, weil junge Technologieunternehmen mit Wachstumsperspektive unverzichtbarer Bestandteil eines erfolgreichen Strukturwandels sind. Und die Ausfälle, die wir bisher hatten, sind eher gering." Steffen: "So einen Fonds dieser Art gibt es meines Wissens sonst nirgends. Und es ist sicherlich etwas Besonderes, dass ein Bundesland wie Schleswig-Holstein so einen Seed- und StartUp-Fonds hat. Leider läuft er Ende des Jahres aus. Aber wir hoffen auf eine Nachfolgeregelung und arbeiten daran."

 

Infos/ Adressen:

Unter Federführung der Investitionsbank haben Beratungs- und Förderinstitute sowie die Kammern im Land eine ausführliche Informationsbroschüre für Gründer in Schleswig-Holstein zusammengestellt. Neben nützlichen Basisinformationen für angehende Unternehmer gibt es dort viele Adressen von Internetportalen für Gründer sowie Kontaktdaten von Ansprechpartnern vor Ort – auch von weiteren Organisationen. Die Broschüre mit Namen "Selbstständig werden" kann im Internet unter www.ib-sh.de/foerderlotse/ heruntergeladen werden.

 

Investitionsbank Schleswig-Holstein
Fleethörn 29-31
24103 Kiel
0431/9905-0
www.ib-sh.de

 

Gesellschaft für Wagniskapital – Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein GmbH (MBG)
Haus der Wirtschaft
Georg Banner
Lorentzendamm 21
24103 Kiel
Tel: 0431 66701-3593
www.mbg-sh.de

 

Bürgschaftsbank Schleswig-Holstein GmbH
Lorentzendamm 22
24103 Kiel
Tel.: 0431/59 38 - 0
www.bb-sh.de

 

WTSH Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH
Haus der Wirtschaft
Lorentzendamm 24
24103 Kiel
0431/66666-0
www.wtsh.de

 

Handwerkskammer Schleswig-Holstein
Breite Straße 10-12
23552 Lübeck
0451/1506237/238
www.hwk-flensburg.de
www.hwk-luebeck.de

 

Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein
Bergstraße 2
24103 Kiel
0431/5194-0
www.ihk-schleswig-holstein.de

 


 

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