Google "Street View"

 

Google "Street View"

"Verfolgungsjagd" mit dem Google-Auto

12. Mai 2009 | 08:18 Uhr | Von Mira Nagar

Erwischt: Felix Beerbaum und Benjamin Helms haben am 11. Mai das Google-Auto in Lübeck entdeckt - und sogar mit dem Fahrer gesprochen. Foto: Beerbaum/ Helms

Bild 1 von 6
Zwei Lübecker haben das Google-Auto in der Hansestadt entdeckt und 150 Kilometer weit verfolgt. Haben auch Sie das Auto gesehen?

Am Montag haben gleich mehrere Leser   ein Google-Auto erwischt. Der schwarze Opel mit der auffälligen Rundum-Kamera auf dem Dach fährt zurzeit durch Schleswig-Holstein und fotografiert das Land zwischen den Meeren für das Projekt "Street View". Darin  wird dann eine virtuelle Autofahrt durch Schleswig-Holstein möglich, da die Kameras die vollen 360 Grad abdecken.

Felix Beerbaum und Benjamin Helms aus Lübeck haben den Google-Wagen sogar mit der Kamera im Gepäck verfolgt: Mehr als 150 Kilometer seien sie hinterhergefahren, sagt Beerbaum. "Gesehen haben wir das Auto in Lübeck", erklärt der freie Pressefotograf. "Das war purer Zufall." Sogar ein wenig gesprochen haben sie mit dem Fahrer - und gesehen, wie er die Kamera auf dem Dach des Autos montiert. "Als er losfuhr, sind wir einfach hinterhergefahren."

"Verfolgungsjagd" bis Mecklenburg-Vorpommern

Die "Verfolgungsjagd" ging über 150 Kilometer, sagt der Fotograf. Zunächst Richtung Süden nach Lauenburg, dann bis zum mecklenburgischen Selmsdorf und schließlich wieder Richtung Lübeck. "Auf dem Rückweg hat uns der Fahrer dann abgehängt", sagt Beerbaum. Der Mann habe kurz zuvor telefoniert und sei dann aufs Gaspedal gestiegen. "Der hat bestimmt mit der Zentrale gesprochen und gesagt, dass wir ihn verfolgen", sagt Beerbaum lachend. "Er muss wohl einen Rüffel gekriegt haben."

Auch andere Leser haben eines der  schwarze Ungetüme erspäht: Renate Lachmuth-Fricke aus Neumünster hatte  am Montag Mittag einen Google-Wagen in der Franz-Wieman-Straße entdeckt - und zückte geistesgegenwärtig die Kamera. Unser Leser Stefan Greif schreibt, er habe das Auto in Norderstedt gesehen, aber leider keine Kamera dabei gehabt. Bereits am  5. Mai hatte dpa-Fotograf Carsten Rehder das Auto in Kiel erwischt. In Hamburg war Google auch schon für "Street View" unterwegs, die Bilder sind allerdings noch nicht online. Der nächste Ort, den man im Netz virtuell befahren kann, ist derzeit Groningen in den Niederlanden.

Datenschützer schlagen Alarm

Das Google-Auto weckt aber nicht nur den "Jagdtrieb", viele sehen durch "Street View" ihre Privatsphäre gestört. Besonders in der Gemeinde Molfsee hatte man sich im Herbst über die geplante Google-Tour geärgert. Als Randgemeinde vor Kiel könnten sie von der Aktion "Street View" betroffen sein. Der stellvertretende Bürgermeister Reinhold Harwart (CDU) ist sauer: "Google ist wirklich unverschämt. Da hört der Spaß doch auf!"

Er hat daher im Amtsausschuss gefordert, dass jeder Anwohner per Post Widerspruch gegen "Street View" einreicht. Das empfehlen auch Datenschützer.  "Wer nicht möchte, dass sein Haus im Internet zu sehen ist, sollte bei Google Widerspruch einlegen", rät Schleswig-Holsteins Datenschützer Dr. Thilo Weichert. Google selbst versichert in einer Erklärung, erkennbare Personen und Autokennzeichen von vornherein unkenntlich zu machen. Bei Beschwerden würden auch Fotos von Häusern gelöscht werden.

Wann Google welche Straßen fotografiert, teilt das Unternehmen nicht mit. Wenn Sie den Wagen sehen, freuen wir uns, wenn sie zurückknipsen: Fotografieren Sie doch das Google-Auto mit dem Handy und senden Sie das Bild an onlineredaktion(at)shz.de Bitte schreiben Sie uns, wann und wo das Foto entstanden ist.


 

Leserkommentare

 
DER KIELER 12.05.2009 10:30
Verfolgungsjagt ???

Leute, Leute ! Seit doch bitte ein wenig netter im Umgang mit den Fahrern. Das sind meist Hartz IV - Empfänger, die über Zeitarbeitsfirmen für ein paar Wochen einen Job bekommen haben.
Wenn, dann müßt Ihr Euch an die Verantwortlichen - also Google wenden.

T. WITTHÖFT 12.05.2009 11:07
Jagdtrieb

Das Google-Auto weckt keinen Jagdtrieb. Vielmehr haben Sie in Ihren Zeitungen und auf der Seite shz.de dazu aufgerufen, dem Wagen nachzustellen und ihn zu fotografieren. Logischer wäre ein Aufruf zum Boykott von Google gewesen, aber man will ja doch irgendwie wissen, wie es irgendwo aussieht. Mit sauberem Journalismus hat ihre Google-Kampagne auf jeden Fall nichts zu tun.

LUISE KOSCHINSKI 12.05.2009 12:26
Ich find's gut!

Ich finde googles Streetview einfach großartig. Es macht Spaß, auf den Seiten von google virtuell durch die USA und Großbritannien schlendern zu können. Die Sorgen der Datenschützer kann ich nicht teilen: Jeder kann doch zu jeder Zeit jede Straße auch real besichtigen. Und das ein Einbrecher seine Verbrechen auf Grundlage Monate oder Jahre alter Fotos plant, ist doch ziemlich abwegig, oder? Ich freue mich schon jetzt darauf, auch in Schleswig-Holstein auf Streetview-Entdeckungstour gehen zu können. Hoffentlich kommt Google bald in meine Straße...

ALFONS 12.05.2009 14:02
Street View

Ich finde es inzwischen schon aberwitzig, wie hier irgendwelche selbsternannten Sheriffs Jagd auf ..... ja, auf was eigentlich machen. Es ist ja nun nicht kriminell, Strassen und Häuser zu fotografieren. In Zeiten von "Blöd-Fernsehen" und "Blöd-Zeitungen" gibt es anscheinend immer mehr Hirnis, die sich an solchem Pippifax hochziehn können. Haben die sonst nichts zu tun? Haben die zuviel Geld, um solche "Verfolgungsfahrten" zu bezahlen? Oder wollen die sich ( mein Verdacht ) einfach nur waaaahhhhnsinnig interessant finden?

MICHAEL 12.05.2009 14:02
Ach Frau Koschinski...

... muss das schön sein, wenn man so naiv einfältig und gutgläubig durch's Leben rennt.

Wenn eine potentielle Einbrecherbande z.B. in HH sitzt und bisher auch nur in HH tätig war, wird es mit Google ein leichtes sein, auch andere Ziele auszuspähen. Ohne Google würde kaum einer z.B. nach Flensburg fahren und dort die Wohngebiete abfahren. Aber mit Google am PC ist das in Windeseile getan.

Feststellen kann man dann ganz bequem: 1. Wo sind die teuren Häuser, 2. Wo sind Straßen und Wege abseits, 3. Wo sind Grundstücke schlecht einsehbar, 4. Wo sind Alarmanlargen sichtbar installiert, 5. Wo befinden sich Türen, Terrassen und Fenster, 6. Wo sind die Fluchtwege/straßen und.. und... und ...
Ein Paradies für Einbrecher !!!

GOTTFRIED 12.05.2009 16:40
Streetview ist großartig!

Wo bleiben eigentlich die flammenden Plädoyers der Klimaschützer und CO2-Molekülzähler PRO Streetview? Wieviele Reisen lassen sich mithilfe dieses nützlichen Internetangebots vermeiden, wenn die Ziele der Reisesehnsucht daheim am Bildschirm erlebt werden können? Die durch Nichtverreisen erzielte Einsparung sogenannter Klimagase ist sicher gigantisch.

Und ihr Einbruchs-Bedenkenträger: Die finsteren Gestalten werden auf dem Streetview-Bild ganz klar erkennen können, ob sich ein Einbruch im Hier und Jetzt lohnt, nicht wahr? Alle Alarmanlagen, die gestern womöglich eingebaut wurden, die Dicke der Fensterscheiben, die Wachsamkeit der Nachbarn, vorhandene Haus- und Hofhunde, das Alter, die Abwesenheitsdauern und die Wehrhaftigkeit der Bewohner, die Stabilität der Wohnungstür - das alles ist bei Streetview bekanntlich per Mausklick in einem kleinen Browserfenster abrufbar. Für jedes einzelne fotografierte Gebäude ...:o)))

Sorry, bei euch piept's.

FRANK UND JULIANE 12.05.2009 17:16
Google Auto

Also wir haben heute um 16 Uhr das Auto in Lübeck gesehen! Wir sind dann auch die ganze Zeit hinter Ihm gefahren und haben dabei lustige Bilder gemacht! Aber irgendwie fand er das nachher wohl nicht mehr so lustig! Hat man an seinem Fahrstil gemerkt, wir hatten unsere Bilder und ließen Ihn in Ruhe weiterfahren! :o) Sieht auf jedenfall witzig aus!



Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden

Warum muss ich mich anmelden/registrieren?

shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.

Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!

 
 

DAS MEER

Schleswig-Holstein und das Meer
Nord- und Ostsee umschlingen Schleswig-Holstein. Versunkene Städte, skurrile Lebewesen und extremes Wetter: unsere Berichte.

 
 

SHZ.DE MOBIL

Auch unterwegs bestens informiert!

Mit der iPhone-App und dem Mobilportal von shz.de haben Sie die neuesten Nachrichten aus Schleswig-Holstein immer zur Hand.

Weitere Informationen...

 
 

BUCHVERKAUF

Ihr (Enkel-) Kind ist der Held!
Verschenken Sie ein Kinderbuch, in dem Ihr Liebling die Hauptperson spielt.
Mehr Infos finden Sie hier

 
INSTITUT50PLUS
Lebendig leben...
Angebote für eine aktive Lebensgestaltung
 
HÄUFIG GELESEN

Pokal gewonnen: "Krönung einer Super-Saison"

Die SG Flensburg-Handewitt hat den Europapokal der Pokalsieger gewonnen. Mit 32:28 besiegten sie den ...mehr

 
 


KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ