Google "Street View"

 

Pro

Mehrwert an Wissen und Freiheit

19. August 2010 | 08:38 Uhr | Von Henning Baethge

Ein grundsätzliches Recht am Bild des eigenen Hauses gibt es nicht, sagt Henning Baethge. "Street View" biete einen hohen Mehrwert an Wissen und Freiheit.

In der DDR gab es Landkarten, die die Menschen in die Irre führten. Es fehlten Straßen oder ganze Dörfer, Maßstäbe waren nicht angegeben. So erschwerte das Regime die Flucht und hielt die Bürger ahnungslos. Zum Glück ist das Vergangenheit; heute stimmen die Karten natürlich.

Dafür drohen künftig falsche Fotos von Straßen und Städten die Bürger in ganz Deutschland künstlich dumm zu halten. Weil hysterische Eigentümer die Straßenfassade ihres Hauses für ein Staatsgeheimnis halten, löscht Google beim Projekt "Street View" jedes Gebäude, bei dem Besitzer oder Mieter gegen die Abbildung im Internet protestieren. Dabei sollte das Unternehmen die Fassaden ruhig zeigen: Ein grundsätzliches Recht am Bild des eigenen Hauses gibt es ebenso wenig wie eines an der eigenen Katze oder Sandburg.

Die Einwände der Gegner beruhen auf Missverständnissen. Wenn Schauspielerin Jeanette Biedermann sich nicht in ihrem Garten beobachten lassen will, muss sie das ja auf keinen Fall: Erstens kann sie sich auf dem Foto unkenntlich machen lassen. Zweitens wird sie ohnehin nicht zu sehen sein, da sie sich ja nie im öffentlich einsehbaren Teil des Gartens sonnen wird - und nur den zeigt Google. Drittens könnte sie selbst dort künftig liegen, ohne von Google bemerkt zu werden: "Street View" zeigt kein Live-Bild, sondern nur ein einmal geschossenes Foto. Auch Einbrechern nützt der Dienst daher wenig: Das auf dem Foto ungesicherte Kellerfenster hat vielleicht längst ein Gitter.

Das hilfloseste Argument ist, dass es Google ums Geschäft gehe. Was denn sonst? Dafür bietet "Street View" ja hohen Mehrwert an Wissen und Freiheit. Der Bürger sieht, ob im neuen Mietshaus unten eine Kneipe ist, ob am Ferienhotel Straßenbahnen vorbeirattern oder einfach, wie es in fernen Ländern aussieht. Dürfte man interessante, legale Informationen nicht kommerziell nutzen, gäbe es auch bald keine Zeitungen und Bücher mehr.


 

Leserkommentare

 
LARS ALBERT 19.08.2010 09:36
Falsch informiert

Bitte informieren Sie sich doch noch einmal richtig über die vorgehensweise von Google bei der Erstellung von Bildern. Die Bilder werden aus über 2,50 M höhe gemacht was also Ihr Argument des nicht öffentlichen Gartenteils völlig absurd erscheinen lässt. Desweiteren werden nicht Personen sondern nur deren Gesichter unkenntlich gemacht was bei einem Bild auf eigenem Grundstück relativ sinnlos ist. Um das ganze abzuschliessen sind die Bilder meist 2-3 Jahre alt also wird niemand sehen können was aktuell in einem Haus angesiedelt ist, hier widersprechen Sie sich aber schon selbst in Ihrem Argument das Google keine Live Bilder anbietet. Ich akzeptiere durchaus Ihre Meinung das GSV für Sie einen Mehrwert darstellt für mich aber ist der Dienst völlig Sinnfrei und Nutzlos. Und wenn Sie schon vergleiche mit totalitären Systemen ziehen schauen Sie sich einmal an woraus der Datenschutz entstanden ist und warum Religion, Sexualität und ethnische Herrkunft ein besonders schützenswertes Gut ist, im speziellen empfehle ich die Daten die die ehemalige Stasi über Häuser, Anwohner etc. gesammelt hatte.

MICHAEL ZACHER 19.08.2010 11:29
Widersprüchlich, Herr Baethge!

Auf der einen Seite sagen Sie, die Bilder seien nicht mehr aktuell, das Kellerfenster könnte nun vergittert ein, also nix mit leichtem Bruch. Auf der anderen Seite könne man sich die Umgebung des Ferienhotels anschauen - und das bei soll ein Wissens- und Freiheitsmehrwert sein? Die Bilder werden jahrelang nicht aktualisiert werden (Die Google Earth-Bilder sind für meinen Bereich mindestens 5 Jahre alt!). Der Park gegenüber dem Ferienhotel ist längst durch einen Hochhausbau ersetzt worden, der Ihrem gebuchten Zimmer die Sonne nimmt... Na, dann viel Spaß im Urlaub...

DER SEHER IM STURM 19.08.2010 12:20
Dummes Zeug

Dann soll der freiheitliche streng demokratische Konzern genau offenlgen, wo die Daten gespeichert werden, was damit gemacht wir und wer diese Daten erhält. Wenn Google so ein Samariterhaufen ist, dann sollen sie sofort den Datenschützern Zugang zu ALLEN Servern Logdateien und Geschäftsprozessen geben. Oder habt IHR was zu verbergen? Ich ja : meine Gesinnung, mein Freizeitverhalten meine Gedanken, meinen Wohnort, mein Umfeld. Es geht Euch nichts an Google !!!! Zeigt rechtsverbindlich was ihr macht. Ach ja der Scheixx mit dem Antrag auf Löschung ist dummes Gelaber ich UNTERSAGE es Euch !!!! Es geht hier um die unkontrollierbare Datensammelwut.



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