FRAUEN IM PROFIL

 

Olivia Althaus-Apmann

Wie eine Kürschnerin Handwerk im Netzwerk betreibt

16. Februar 2010 | Von Anette Asmussen

Olivia Althaus-Apmann vor ihrem Atelierhaus. Foto: Ruff

Thandorf. Auf der 500 Quadratmeter großen Präsentationsfläche im Erdgeschoss des liebevoll restaurierten Hauses findet sich alles, was schön ist. Schwere alte Möbel bilden vor terrakottafarbener Wand die ideale Kulisse für das, was die Chefin "individuell und hochwertig" nennt - Stoffe, Pelze, Schmuck.

Seit 2004 sind die Apmanns - Olivia und Ehemann Dieter - geschäftlich hier zuhause. Kontinuierlich haben sie ihren Betrieb über die Jahrzehnte aufgebaut, machten aus einer kleinen Kürschnerei in der Lübecker Innenstadt das Atelierhaus in Thandorf - ein Geschäft, das weit mehr im Angebot hat, als der übliche Pelzhandel.

Ihre besondere Stärke, sagt Olivia Althaus-Apmann, liege in dem Talent, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen und Dinge miteinander zu verknüpfen. So positionierte sie die Firma nach dem Umzug aufs Land völlig neu. Aus der klassischen kleinen Kürschnerei wurde das Atelierhaus "Apmann’s", in dem sich Menschen treffen. Kunden und Schaulustige Ausstellungseröffnungen feiern, Modenschauen und besondere Präsentationen genießen. Nachbarn kommen zum Stöbern vorbei und angemeldete Gäste lassen sich im Atelier unterm Dach vom fünfköpfigen Team der Modisten inspirieren und individuell einkleiden - alles sehr exklusiv.

Olivia Althaus-Apmann ist Handwerkerin. Aufmerksam gleiten ihre Hände über Stoffe, streichen über Pelze, während sie über ihr Geschäft spricht. Beruflich sollte es "etwas mit Mode" sein, das war ihr schon früh klar. Aber es ging ihr auch darum, Verantwortung zu tragen. So studierte sie nach abgeschlossener Lehre in Hamburg Betriebswirtschaft und Design, kümmerte sich nicht nur um das eigene geschäftliche Fortkommen, sondern engagierte sich auch für die wirtschaftliche Entwicklung der heimatlichen Region rund um Lübeck. "Verantwortung zu tragen, heißt Teil eines großen Ganzen zu sein", sagt die stellvertretende Präsidentin der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck heute. Und: "In der Gemeinschaft liegt großes Potential. Ein Potential, das wir in den kommenden Zeiten brauchen werden."

Die 48-Jährige blickt auf die Zukunft der Kaufleute. Auf sie kommen schwere Zeiten zu, da ist sie sich als Fachfrau sicher. "Das Angebot folgt der Nachfrage und die Schere wird weiter aufgehen: Hier Läden mit sehr hochwertigen Waren, dort Geschäfte mit besonders preiswerten Angeboten - die Mitte bricht weg." Für viele Kaufleute werde diese Entwicklung das Aus bedeuten. "Es kommen Engpässe am Arbeitsmarkt und auch am Ausbildungsmarkt auf uns zu. Außerdem werden die Innenstädte bald ein massives Problem haben. Und nicht nur in Lübeck und Umgebung."

Und wie soll es im eigenen Geschäft weitergehen? Olivia Althaus-Apmann lächelt. Sie will den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen und die drei Bereiche ihres Atelier-Konzeptes ausbauen: Viel Raum für individuelles Produktdesign soll es geben, exklusives Kürschnerhandwerk aus geprüften Produkten und Platz für neue Ausstellungen und Veranstaltungen - Platz, damit sich Menschen kennenlernen und zu einer Gemeinschaft vernetzen.


 

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