FRAUEN IM PROFIL

 

Frauen im Profil

Karriere mit Leidenschaft

03. Mai 2010 | 13:53 Uhr | Von Anette Asmussen

Inga Scholz. Foto: Volksfreund

Trier / Flensburg. Er ist verblüffend geradlinig, der Weg, den Inga Scholz geht: Mit 27 Jahren wird die Norddeutsche Assistentin der Geschäftsführung bei der Saarbrücker Zeitung (SZ), der einzigen regionalen Tageszeitung im Saarland. Drei Jahre später ist sie Verlagsleiterin und Prokuristin; mit 33 Jahren übernimmt sie die alleinige Geschäftsführung des Trierischen Volksfreunds - eines 135jährigen Traditions-Verlagshauses mit 350 Mitarbeitern, das täglich zwölf Zeitungs-Lokalausgaben herausbringt (Gesamtauflage rund 100.000 Stück).

Was macht einen so schnellen Aufstieg möglich? Klar ist, Inga Scholz bringt besondere Voraussetzungen mit: Eine hohe Motivation, Durchsetzungsstärke und ein Engagement, das keinen Acht-Stunden-Tag erlaubt. Die gebürtige Kielerin, die in Leck und Flensburg aufwächst, beschäftigt sich früh mit der Frage, was sie einmal werden will im Leben. In zahlreichen Praktika im In- und Ausland stellt sie ziemlich schnell fest, die Zeitungsbranche ist ihre Welt - dort liegt ihre berufliche Zukunft. Das Geschäft mit Informationen, die Vielfalt der Medien faszinieren sie, noch bevor sie ihr Abitur in Flensburg macht.

"Ich glaube an das Medium Tageszeitung"

Mit 19 Jahren beginnt Inga Scholz ihre Lehre zur Verlagskauffrau in Hamburg und schließt ein Medienmanagement-Studium an. In Hannover erklimmt sie die erste Sprosse auf der Karriereleiter: "Von mehreren hundert Studienbewerbern wurden nur 25 genommen", erinnert sie sich. Die Norddeutsche war dabei.

Sie hat ihr Studium gerade beendet, als 2002 die erste Finanzmarktkrise auch die Zeitungsverlage erwischt: Werbeeinnahmen brechen weg und Auflagen sinken. Trotzdem will die junge Medienwissenschaftlerin gezielt ins Tageszeitungsgeschäft einsteigen, denn: "Ich glaube an das Medium Tageszeitung und begreife es als Herausforderung, dieses Produkt auf seinem Weg durch turbulente Medienzeiten zu begleiten, es weiterzuentwickeln und zu verändern, damit die Menschen auch in Zukunft ein verlässliche Informationsquelle in der Region haben", sagt sie. Trotz Internet und mobilen Endgeräten? "Ich verkaufe nicht das bedruckte Papier, sondern qualitativ hochwertige Inhalte - auch auf Papier." Als Inga Scholz die Möglichkeit bekommt, als Assistentin der Geschäftsführung zur SZ zu gehen, zögert sie keine Minute. "Das war für mich wie ein Sechser im Lotto."

"Ja, der Job hatte für mich ganz klare Priorität"

Trotz der Entfernung zur Heimat und zum Freund in Schleswig-Holstein? "Ja, der Job hatte für mich ganz klare Priorität." Und im Laufe der Jahre habe sich gezeigt, dass die räumliche Distanz einer Partnerschaft auch gut tun kann. "Wir sind beide flexibel und eine Wochenendbeziehung hat manchmal durchaus ihre Vorteile."

Früh schon führt die junge Frau an die 60 Mitarbeiter. Noch vor ihrem 30. Geburtstag ist sie Vertriebsleiterin der SZ und Geschäftsführerin eines Tochterunternehmens. Die Gründung dieser Gesellschaft stößt Inga Scholz selbst mit an. "Praktisch war das ein kleiner Verlag im großen, in dem wir Medienaktivitäten für junge Zielgruppen auf deren Marktfähigkeiten testeten - Onlineangebote etwa und Printmagazine." Sie wird Verlagsleiterin und Prokuristin, im Januar 2009 dann Geschäftsführerin beim Trierischen Volksfreund. Sie habe, sagt die heute 35-Jährige, in den vergangenen Jahren "permanent unter Strom gestanden". Zeit, inne zu halten, das Geschehene zu reflektieren, habe sie nur wenig gefunden. "Seit 2002 ist viel passiert und natürlich lief nicht alles so glatt, wie es auf dem Papier aussieht. Ich habe Rückschläge und schwierige Situationen erlebt." Anfangs sei es ihr schwer gefallen, notwendige, aber unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Bei allen Sachzwängen: "Menschliches Empfinden, ein faires Miteinander ist mir immer wichtig."

Mut und Willen, neue Wege zu gehen

Trotz mancher Schwierigkeit: Inga Scholz hat in der abwechslungsreichen Zeitungsbranche ihre berufliche Heimat gefunden. "Ich habe unglaublich vielfältige Aufgaben, mein Job macht mir einfach großen Spaß. Und ich fühle eine große Verantwortung für die Produkte, den Verlag und meine Belegschaft." Zeitung habe Zukunft, ist sie sich sicher - trotz aller Unkenrufe. Es brauche aber "den Mut und Willen, neue Wege zu gehen, um ein Traditionsprodukt veränderten Ansprüchen und neuen Gewohnheiten der Leserschaft anzupassen". Daran arbeitet Inga Scholz im engen Schulterschluss mit den Kollegen in der Redaktion und im Verlag.

Und wenn sie einmal nicht arbeitet? "Dann bin ich zuhause - und Zuhause ist Zuhause, da gehört der Beruf nicht hin - klappt nicht immer, aber immer öfter." Zuhause entspannt die Karriere-Frau. Lächelnd erzählt sie von ihren beiden Hunden, von ihrem Lebensgefährten, mit dem sie inzwischen in Süddeutschland zusammen lebt. Ist ihr die Heimat in Schleswig-Holstein noch wichtig? "Auf jeden Fall. So schön es an der Mosel auch ist - es fehlt das große Meer. Wenn ich Urlaub habe, fahre ich oft an die Flensburger Förde."


 

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