FRAUEN IM PROFIL

 

OLG-Präsidentin Uta Fölster

Karriere-Juristin mit Blick fürs Menschliche

01. Juni 2010 | Von Anette Asmussen

Erfolg hängt nicht nur von den Dingen ab, die man selbst beeinflussen kann - weiß Uta Fölster. Foto: Staudt

Schleswig. Authentisch zu sein, ist ihr wichtig. So wichtig wie die positive Einstellung, mit der sie durchs Leben geht - meistens jedenfalls: "In der Regel", sagt Uta Fölster, "freue ich mich auf den Tag."

Die Präsidentin des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichtes sitzt am Besprechungstisch ihres eindrucksvollen Büros: hohe Wände, große Fenster, die den Blick auf das Gottorfer Schloss freigeben, helle Vorhänge, heller Holztisch. Hier herrscht klare Linie. Und Klarheit spricht auch aus den blaugrauen Augen der Juristin.

Bauerntochter aus Aukrug

Als die Bauerntochter aus Aukrug 1974 in Kiel ihr Studium aufnahm, war ihr selbst allerdings nicht klar, wohin die Ausbildung sie führen sollte. Die Entscheidung, Jura zu studieren, fiel beinahe zufällig. "Ich wusste ja nicht, was auf mich zukommt." Doch die breite Ausbildung der Rechtswissenschaft, die in alle Lebensbereiche greift, überzeugte die junge Frau. Kurz nach dem Ersten Staatsexamen stand ihr Berufswunsch fest: Richterin. Sie habe in ihrer Zeit als Referendarin eine Amtsrichterin erlebt, die sie noch lange Zeit später beeindruckte, erinnert sich die 54-Jährige heute. "Die hatte so eine Art, das Verfahren zu leiten, freundlich und zugewandt, aber es gab keinen Zweifel, wer im Saal das Sagen hat." Das habe sie sich auch für sich selbst vorstellen können.

Uta Fölster machte eine beeindruckende Karriere: zunächst als Staatsanwältin, dann als Richterin in Berlin. Dort fiel sie der damaligen Justizsenatorin Jutta Limbach auf und wurde von ihr als Pressesprecherin engagiert. Später holte Limbach sie nach Karlsruhe, wo Uta Fölster die Pressestelle am Bundesverfassungsgericht aufbaute. Als Geschäftsführerin leitete sie den Deutschen Richterbund, danach das Amtsgericht Berlin Mitte als Präsidentin. Als der Landtag in Schleswig-Holstein Uta Fölster vor gut zwei Jahren zur Präsidentin des Oberlandesgerichts wählte - des höchsten Gerichtes im Land mit über 60 Richtern - , kannte die Juristin ihren Beruf von all seinen Seiten.

Was bedeuten ihr Recht und Gesetz ?

"Recht und Gesetz", sagt die Expertin, "bilden das System, das es uns erlaubt, in dieser komplexen, schwierigen Welt, trotz all unserer Unterschiede friedlich miteinander leben zu können." Besorgt sei sie, "dass wir politisch manche Diskussion führen, die diese Grundprinzipien und das Vertrauen in sie aufgeben". Wenn es um Themen wie Kindesmissbrauch gehe, zum Beispiel. Um die Forderung "Für immer wegsperren" etwa. "Menschen verwahren bis zum Schluss - was hätte das zu Ende gedacht für Konsequenzen?"

Trotz ihrer glänzenden Karriere gab es viele Momente im Berufsleben der Uta Fölster, die "gar nicht glücklich und zufrieden" waren. Der Anfang in Berlin, in der fremden Großstadt: "Ziemlich fürchterlich". Obwohl Uta Fölster nicht allein dort lebte, sondern mit ihrem damaligen Lebensgefährten. "Und der Anfang bei der Staatsanwaltschaft war wirklich nicht mein Traum." Aber: "Ich habe unglaublich viel gelernt." Dass nicht alle Ziele erreichbar sind, zum Beispiel. Und dass es sich trotzdem lohnt weiterzumachen. Dass der eigene Standpunkt nicht immer der richtige sein muss, sondern die Vernunft sich bisweilen auch auf der anderen Seite befindet. Und dass Erfolg nicht nur von den Dingen abhängt, die man selbst beeinflussen kann. "Vieles kommt auf die Umstände an, die herrschen, und auf die Beziehungen, die Menschen untereinander haben."

Unsicherheit mit Arroganz überspielt

Ihr beruflicher Erfolg sei nicht allein die eigene Leistung, sagt die OLG-Präsidentin überzeugt. Viele der Karrierestationen auf ihrem Weg habe sie nicht bewusst angestrebt. "Die kamen einfach zu mir." Und manches Mal sei sie für ihre Umgebung auch anstrengend gewesen. "Ich habe vielen Menschen Einiges an Lob und Komplimenten abverlangt, habe die Würdigung meiner Talente und Fähigkeiten eingefordert." Unsicher sei sie gewesen und habe das manches Mal mit Arroganz überspielt. "Bis ich merkte: Anderen Menschen geht es ebenso."

Uta Fölster hat sich selbst und ihre Art gefunden, aufs Leben zu blicken: "Ich gehe, das hat mich die Erfahrung gelehrt, zunächst einmal davon aus, dass der Mensch gut ist", sagt sie. "Die Richtigkeit dieses Grundsatzes stelle ich nicht in Frage, sondern suche nach einem Umgang miteinander, bei dem sich seine Richtigkeit beweist." Und: "Manchmal ist es gut, neben sich zu treten und das eigene Handeln mit Abstand zu betrachten" - um bei sich selbst zu bleiben, authentisch zu sein und dem Leben gegenüber fair zu bleiben. Denn: "Es tut uns allen gut, darüber nachzudenken, in welcher Welt wir leben und dafür dankbar zu sein."


 

Leserkommentare

 
JÖRG HENSEL 21.01.2011 19:58
Recht und Gesetz in der BRD GmbH

Authentizität bedeutet bedeutet Echtheit im Sinne von „als Original“ befunden . Jedoch vermag ich diese Echtheit nicht zu erkennen. Angesichts menschenrechtswidriger Scheinurteile und Scheinbeschlüsse auch aus dem Oberlandesgericht Schleswig, die den Menschen schwer zu schaffen machen. - Mit dem Einigungsvertrag wurde der Geltungsbereich des Grundgesetzes aufgehoben.Somit auch der ehem. Artikel 101 GG. Somit ist der Bevölkerung der gesetzliche Richter entzogen worden. - Was bitte ist daran menschlich ? Was bitte hat das mit Recht und Gesetz zu tun ?

Weitere Informationen unter menschenrechtsverfahren.wordpress.com

Sich.-Ing. Jörg Hensel



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