FRAUEN IM PROFIL
"Frauen im Profil"
Forscherin Inez Linke: "Der Spaß bringt den Erfolg"
Kiel. Ihre Karriere ist bemerkenswert. Ihre Botschaft ist es auch: "Tu, was Dir Spaß macht, dann bist Du gut und hast Erfolg", sagt Inez Linke. Die Biologin meint, was sie sagt und hat vorgemacht, wie es geht: Studium in Kiel, Promotion in Hamburg, Forschung an der Universität Roskilde. Die wissenschaftliche Arbeit führt sie schließlich in die Wirtschaft: Heute leitet Inez Linke gemeinsam mit drei Kollegen ihr eigenes Unternehmen. "Ocean basis" entwickelt und vertreibt medizinische und kosmetische Produkte aus marinen Extrakten. Es ist ein Unternehmen, das achtsam mit den Schätzen der Natur umgeht: "Das Meer ist (…) die lebende Unendlichkeit", ist auf den Werbeflyern zu lesen.
Inez Linke strahlt Zufriedenheit aus. Sie ist verheiratet, hat "zwei wunderbare Kinder" - Katharina (12 Jahre) und Nikolas (9 Jahre). "Das dritte Baby ist die Firma." Wenn die Wissenschaftlerin erzählt, hört sich das nach viel Spaß an, aber auch nach knallhartem Geschäft. Wie wird sie den vielen Anforderungen gerecht? "Mit Flexibilität", sagt die Unternehmerin. Sie arbeite in Zeiten, in denen die Familie sie nicht brauche, zumeist wenn die Kinder in der Schule sind. Nachmittags ist sie zu Hause - und wenn die Kinder krank sind, bleibe sie auch daheim, natürlich. "Das ist ja der Klassiker." In solch schwierigen Situationen könne sie sich auf die Unterstützung ihres Teams verlassen.
Noch aus Studienzeiten kennen sich die "Ocean basis"-Gesellschafter Inez Linke, Levent Piker, Christian Koch und Peter Krost. Die vier haben ihre besonderen Stärken in die Firmenkultur getragen: Neugier und Forscherdrang, den respektvollen, freundschaftlichen Umgang miteinander und eine "definitiv" kreative Arbeitsweise. Neun Mitarbeiter hat "Ocean basis" heute. Das Unternehmen wächst seit seiner Gründung 2001 kontinuierlich. "Da folgt natürlich alles einer grundsätzlichen Ordnung und festen Strukturen", erläutert die Chefin: Es gibt Arbeitszeiten, wöchentliche Treffen und Unternehmens-Richtlinien. Daneben aber herrsche ein bestimmter "Spirit und Teamgeist". Heißt: "Jeder Mitarbeiter wird mit seinen individuellen Bedürfnissen wahrgenommen." Und: "Flexible Regelungen für Arbeitszeiten und Arbeitsort lassen sich immer finden."
Es ist nicht nur dieser Teamgeist, der die Firma besonders erscheinen lässt. Es ist auch das offen formulierte Ziel, nicht nur Geld machen zu wollen, sondern vielleicht auch die "Welt mit unseren Produkten ein kleines bisschen besser".
Forschung für neue Produkte
Wie konnten solche Idealisten wirtschaftlichen Erfolg haben? "Wir sind unserer Neugier gefolgt", sagt Inez Linke: "Wir haben geforscht." Als Gutachter hatten Piker und Krost längst einen Namen, als sie während ihrer Forschung zum Küstenzonenmanagement das Experiment "Algenfarm" starteten. Die Frage damals: Lassen sich Algen mit bestimmten Eigenschaften in unseren Ostsee-Küstenzonen züchten? Sie ließen. Im Versuchsfeld vor Friedrichsort gedieh "Laminaria Saccarina", die Zuckeralge, prächtig. "Was nun?", war die Frage. "Was machen wir damit?" So viele Möglichkeiten bieten die Wirkstoff-Extrakte der Algen. Inez Linke betrieb professionelle Marktforschung, untersuchte die Einsatzmöglichkeiten für kosmetische und medizinische Produkte. Schließlich ging "Ocean basis" 2001 an den Markt.
Drei Produktlinien vertreibt die Firma heute: Die erste, "Ocean actives", beliefert Betriebe der Kosmetik- und Haarpflegemittelindustrie mit marinen Wirkstoffen, daneben entwickelt und vertreibt "Ocean biotech" Anti-Infektiva aus Algen und Kollagen aus marinen Wirbellosen für Wundheilung und Orthopädie. Der Shooting-Star des Geschäftes schließlich heißt "Ocean cosmetics". Die Linie produziert die zertifizierte Oceanwell Meereskosmetik mit echten Naturcremes, wohltuend auch bei Krankheiten wie Neurodermitis und Schuppenflechte und nahezu ohne Konkurrenz auf dem Kosmetikmarkt.
Wohin soll ihre Karriere sie nun noch führen? "Zurück zum Ursprung", hofft Inez Linke. Bei all der Marktforschung, dem Marketing und steigenden Anforderungen im Vertrieb sei die Wissenschaftlerin in ihr in den vergangenen Jahren ein bisschen zu kurz gekommen. "Ein paar meiner Aufgaben würde ich gern an professionelle Kräfte abgeben und dafür selbst wieder mehr forschen." Und ihr Ziel für das Unternehmen? "Es wäre gut, so viel Geld zu verdienen, dass wir unsere eigene Forschung komplett selbst finanzieren könnten." Denn die Entwicklung geht weiter. Inzwischen ist aus der Algenfarm eine Polykultur geworden, auf der auch Muscheln leben. Muscheln und Quallen beschäftigen die Forscher heute. Muscheln und Quallen und die vielen Möglichkeiten, Produkte zu entwickeln, die dem Menschen nützen und dabei die Umwelt respektieren und schonen.
Leserkommentare
Lust auf mehr? Ihre sh:z Tageszeitung jetzt
2 Wochen kostenlos testen.







Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden
Warum muss ich mich anmelden/registrieren?
shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!