FRAUEN IM PROFIL
Andrea Peters
Firmenchefin und vierfache Mutter
Flensburg. Was macht eine dreifache Mutter, die im neunten Monat schwanger ist und deren Arbeitgeber Insolvenz anmeldet? Wohl nur in den seltensten Fällen das, was die Flensburger Unternehmerin Andrea Peters im Juli 2004 tat: Sie kaufte Inventar und Kundenkreis der zahlungsunfähigen Firma und führte den Betrieb in Eigenregie weiter.
Natürlich sei das "auf den ersten Blick eine etwas ungewöhnliche Entscheidung" gewesen, räumt die heute 43-Jährige ein. Und sie habe es sich "nicht leicht gemacht". Doch: "Was hätte ich sonst tun können, um die sieben Flensburger Arbeitsplätze zu erhalten?" Die sieben Flensburger Arbeitsplätze der Firma, bei der Andrea Peters seit 1997 beschäftigt war.
"Die Arbeit und ich - wir passten zusammen"
Die studierte Technikübersetzerin hatte zuvor im Ausland Erfahrungen gesammelt, Neuseeland und Australien kennen gelernt. Nach ersten Berufsjahren in Niebüll und Hamburg kehrte sie dann in ihre Heimatstadt Flensburg zurück und übernahm die Niederlassungsleitung eines international tätigen Konzerns der Kfz-Zulieferbranche. Fortan bestimmte moderne Koordinationsvermessung von Serienfahrzeugen ihr Leben.
Zunächst klappte alles wie am Schnürchen. "Die Arbeit und ich - wir passten hundertprozentig zusammen", sagt die Unternehmerin. Auch als sie ein Jahr später zum ersten Mal Mutter wurde, gab es keine Probleme. Insgesamt 14 Wochen ließ sie sich vertreten, dann saß sie wieder am Firmenschreibtisch. Dort machte ihr das weit verzweigte Unternehmenssystem zunehmend Sorge: die Geschäftsführung in Norwegen, viele kleinere Vertretungen in verschiedenen Ländern und "alle verfolgten natürlich in erster Linie die eigenen Interessen". Schon als Andrea Peters 2002 ihre Zwillinge zur Welt brachte, waren die Entscheidungswege zunehmend unübersichtlich geworden. Als die junge Frau dann 2004 kurz vor der Geburt ihres vierten Kindes stand, meldete die Firma Insolvenz an.
Alles besser ohne komplizierte Strukturen
"Jetzt bleibe ich zu Hause und bin einfach nur Mutter", erinnert sie sich an ihren ersten Gedanken damals. Möglich wäre es gewesen. Ihr Mann hatte einen guten Job. Und doch: "Ich konnte nicht einsehen, dass die Firma am Ende sein sollte. Ich wusste ja, welches Potenzial da war, und ich wusste, was wir ohne die komplizierten Strukturen innerhalb des Konzerns besser machen konnten. Gemeinsam mit ihrem Mann fällte Andrea Peters dann die Entscheidung: "Ich mache mich selbstständig."
Eine "ziemlich große Entscheidung" sei das gewesen, sagt sie. Möglich auch, weil ihre Familie sie stark mache. "Besonders der Rückhalt in der Partnerschaft gibt mir die Sicherheit, Risiken einzugehen, Unbekanntes auszuprobieren und ungewöhnliche Entscheidungen zu treffen." Und: Sie habe in ihrem Leben gelernt, "dass es immer eine Lösung gibt, man muss nur flexibel sein und sich organisieren".
Kreditgespräche mit dickem Bauch
So bewies Andrea Peters Mut, erarbeitete ihr Firmenkonzept, führte hochschwanger Kreditgespräche - "anfangs im Beisein meines Steuerberaters, um die Banken von vornherein von der Seriosität meines Vorhabens zu überzeugen". Denn mit ihrem dicken Bauch habe sie im ersten Augenblick mehr als einen skeptischen Blick geerntet.
Doch die Kreditinstitute merkten schnell, dass Peters wusste, was sie tat: "Unsere große Chance lag in der Möglichkeit, die Entscheidungen allein für uns in Flensburg zu treffen, ohne Rücksicht auf Firmenstrukturen und Investoreninteressen." Eine Chance, die sie genutzt hat. Aus der Niederlassung des Konzerns autograph international wurde die eigenständige Flensburger Firma autograph dimensions. Statt ausschließlich auf wenige große Kunden setzt der Betrieb heute auch auf viele kleine Aufträge namhafter Unternehmen. Das Angebot, serienmäßig unabhängige Package-Daten zu erstellen, ist nach eigenen Angaben weltweit konkurrenzlos. So gibt es in den Ländern, in denen der Automobilmarkt boomt - China, Korea und Japan - eigene Vertretungen der Flensburger Unternehmung. "Und das Geschäft in den USA läuft gerade an."
"Mütter haben Qualitäten im Organisieren"
Heute, sechs Jahre später, ist Andrea Peters vierfache Mutter. Stellt sie als Chefin eines gesunden Mittelstandsunternehmens selbst Mütter ein? Die Antwort kommt ohne Zögern: "Natürlich. Glauben Sie mir, viele Mütter haben besondere Qualitäten und Erfahrung im Organisieren." In erster Linie aber sei ihr wichtig, dass die Persönlichkeit ins Unternehmen passe und nicht, in welchen äußeren Umständen jemand lebt. Den Beweis für ihre Worte bleibt Andrea Peters nicht schuldig. Gerade erst hat sie eine neue Mitarbeiterin eingestellt und für deren Sohn im nahe gelegenen Kindergarten einen Betreuungsplatz auf Betriebskosten beschafft - das "kostet zwar auf den ersten Blick etwas mehr. Aber ich bin mir sicher, dass sich diese Investition lohnt".
In unserer Serie "Frauen im Profil" haben wir unter anderem bereits Ex-Ministerpräsidentin Heide Simonis interviewt und Ihnen die Biologin Inez Linke vorgestellt.
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