
SYLTER RUNDSCHAU
Michael Glos
Windstadt Husum: Minister aus Bayern begeistert
Alles was in der Branche Rang und Namen hat, ist auf der "Husum WindEnergy" vertreten. Foto: Andreas Birresborn / Messe Husum
Husum. Der Hubschrauberflug hatte ihn ordentlich durchgeschüttelt: Bevor der Mann aus Bayern seinen ersten Wind-Messestand zu Gesicht bekam, musste er erst einmal austreten - und sein Tross warten. Mit Michael Glos kreuzte gestern erstmals ein Bundeswirtschaftsminister zur Eröffnung der Husumer Leistungsschau der Propeller-Zunft auf. Und deren Zahlen sind bei Messe Nummer elf einmal mehr rekordverdächtig: 20 Prozent mehr Aussteller - mehr als 750 tummeln sich auf 33.500 Quadratmetern.
Der Wirtschaftsminister sei kein Feind der erneuerbaren Energien, betonte Glos gleich mehrfach - doch als Wirtschaftsminister müsse er neben dem Klimaschutz eben auch die Energie-Bedürfnisse der deutschen Industrie im Blick haben. Ein richtiger Spagat sei das. Dass die in seiner Heimat Bayern installierte Leistung mit 350 Megawatt eher mager ausfällt, hat für Glos einen ganz einfachen Grund: "Wir haben einfach weniger Wind als ihr hier an der Nordsee", knurrte er. Dafür nutze man in Bayern vermehrt die Wasserkraft. Ministerpräsident Peter Harry Carstensen sprang dem CSU-Mann bei: "Wir können uns doch nicht über die physikalischen Bedingungen hinwegsetzen. Und auch höhere Anlagen bringen an der Küste bessere Erträge als in windarmen Regionen."
Husum bekommt ein Kongresszentrum
Als er beim Messerundgang den Stand der Schaeffler-Gruppe besuchte, strahlte Glos schon wieder. Kein Wunder: Der Hersteller von Getriebelagern hat seinen Sitz im Wahlkreis des Ministers. Das Lebkuchenherz mit dem Aufdruck "Mein Spatzl", das Carstensen seinem Gast eigentlich an einem Süßigkeiten-Stand zwischen zwei Hallen kaufen wollte, wurde als Trostspender nun nicht mehr benötigt.
Am Rande des Messerundgangs erfuhr Husums Bürgermeister Rainer Maaß eher zufällig, dass das Land das geplante Kongresszentrum wie geplant mit zwölf Millionen fördern will. Nach Rücksprache mit seinem Stab sagte Carstensen: "Ein entsprechendes Schreiben des Wirtschaftsministers ist unterwegs." Maaß vernahm die Kunde hochzufrieden: Die Baugenehmigung sei nur eine Frage der Zeit - bis Juli im nächsten Messejahr 2010 könne der Komplex fertig sein.
Carstensen: "Wir wollen Repowering vereinfachen"
Weniger präzise waren die Aussagen zum neuen Landesentwicklungsplan und zum vom Bundesverband Windenergie als "Repowering-Hemmnis" kritisierten Höhen- und Abstandserlass. "Wir wollen das Repowering vereinfachen", machte Carstensen zwar deutlich, ob jedoch der Erlass gelockert oder gekippt werden soll, ließ er offen. Und er wies darauf hin, dass man stets auch die Akzeptanz der Bevölkerung im Auge haben müsse.
Bei der Eröffnung des Kongresses mit Peter Harry Carstensen und dem ehemaligen Nato-General Wesley Clark war Michael Glos schon wieder über alle Berge - ohne Lebkuchenherz - dafür aber mit einem dröhnenden Carstensen-Lachen im Ohr. Der Ministerpräsident hatte ihm beim Abflug noch mit auf den Weg gegeben, dass Schleswig-Holstein gern das Geld von den Bayern zurück haben wolle, dass Bismarck einst für den Bau Neu-Schwansteins locker gemacht habe.




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