SCHLESWIG-HOLSTEIN

 

Atomkraftwerke

Kein Neustart für Krümmel und Brunsbüttel?

16. Juni 2008 | 12:45 Uhr | Von lno

Das AKW Brunsbüttel steht seit Juli vergangenen Jahres still. Foto: dpa

Stillstand in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel: Seit fast einem Jahr sind die beiden Werke abgeschaltet - bis alle Probleme gelöst sind.

Die vor einem Jahr nach Pannen stillgelegten Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel in Schleswig- Holstein bleiben noch auf unbestimmte Zeit abgeschaltet. Dies teilten Betreiber Vattenfall und das für die Atomaufsicht zuständige Kieler Sozialministerium am Montag mit. Bei Kontrollen an den Reaktoren seien Risse an Armaturen und fehlerhaft eingebaute Dübel entdeckt worden, sagte der Geschäftsführer der Vattenfall Europe Nuclear Energy (VENE), Ernst Michael Züfle, bei einer Pressebesichtigung des Kraftwerks Krümmel in Geesthacht bei Hamburg. Wie lange die Beseitigung der Schäden dauern werde, sei noch unklar. "Wir arbeiten daran, aber es gibt keinen Termin", sagte er.

Beide Kraftwerke waren im Sommer 2007 nach Pannen abgeschaltet worden. In Krümmel hatte ein Brand in einem Transformator auf dem Kraftwerksgelände zur Abschaltung geführt, am selben Tag war Brunsbüttel nach einem Kurzschluss in einer Schaltanlage vom Netz gegangen. Die Schäden, die jetzt behoben werden müssen, hängen nach Vattenfall-Angaben nicht mit den Zwischenfällen zusammen.

"Offenbar kann der Betreiber den Zustand seiner eigenen Anlagen nicht einschätzen"

Bevor diese nicht beseitigt sind, können die Kraftwerke nach Angaben der Reaktorsicherheitsabteilung im Kieler Sozialministerium jedoch nicht angefahren werden. "Erst wenn alle Probleme gelöst sind, erteilen wir den Kernkraftwerken die Zustimmung zum Wiederanfahren", teilte der Leiter der Abteilung, Wolfgang Cloosters, am Montag in Kiel mit. Vattenfall entgehen während des Stillstands der Kraftwerke nach eigenen Angaben rund eine Million Euro pro Tag durch Ausfälle bei der Stromproduktion. Die lange Dauer der Reparaturarbeiten ergebe sich auch aus den aufwendigen Prüf- und Genehmigungsverfahren der Aufsichtsbehörden für die entsprechenden Maßnahmen, sagte Züfle.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte Vattenfall wegen der bei den Kontrollen festgestellten Schäden scharf und forderte die Stilllegung der Kraftwerke. "Je länger Vattenfall den Pannenmeiler Krümmel untersucht, umso mehr Schwachstellen und Probleme treten auf", sagte Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital. Von der angekündigten transparenten "Sicherheitskultur" sei bislang noch nichts zu sehen. "Offenbar kann der Betreiber den Zustand seiner eigenen Anlagen nicht einschätzen", meinte Smital. Nun müssten auch andere baugleiche Reaktoren vom Netz genommen und untersucht werden.

Interne Abläufe in den Kraftwerken wurden neu organisiert

Nach Angaben von Vattenfall sind bei der routinemäßigen Inspektion der stillstehenden Kraftwerke im vergangenen August oberflächliche Korrosionserscheinungen an mehreren Ventilen des Kühlwasser- und Wasserdampfkreislaufs der Reaktoren entdeckt worden. In Krümmel seien 43 Armaturen betroffen, sagte Züfle. 13 der betroffenen Ventile sollen mit einem speziell entwickelten Schweißverfahren saniert werden. In Brunsbüttel sollen 15 Ventile auf diese Weise repariert werden, bei sieben weiteren steht die Überprüfung noch aus.

Zusätzlich sind in Krümmel bislang 230 fehlerhafte Halte-Dübel für Wasserleitungen und Pumpen ausgetauscht worden, 40 weitere sollen folgen. In Brunsbüttel wurden den Angaben zufolge bislang 50 Dübel ausgetauscht, etwa 300 sollen bis zum Wiederanfahren noch folgen. Das Problem der nicht ordnungsgemäß angebrachten Dübel sei zuerst im hessischen Kernkraftwerk Biblis bemerkt worden, sagte Vattenfall- Pressesprecher Ivo Banek. Als Reaktion würden auch die Halterungen in anderen Reaktoren nach und nach routinemäßig überprüft und ersetzt.

Als Reaktion auf die Zwischenfälle in Krümmel und Brunsbüttel hat Vattenfall nach eigenen Angaben auch die internen Abläufe in seinen Kraftwerken neu organisiert und die Reaktoren technisch nachgerüstet. In Krümmel wurde die Steuerung der Speisewasserpumpen des Reaktors so verändert, dass ein erneuter Ausfall wie nach dem Trafobrand und der darauffolgenden Schnellabschaltung von 2007 verhindert werde, sagte Vattenfall Europe-Vorstandsmitglied Reinhardt Hassa am Montag in Krümmel. Zudem sei ein Schulungsprogramm entwickelt worden, um die Abstimmung zwischen den Mitarbeitern in Krisenfällen zu verbessern.


 

Leserkommentare

 
M. VOGT 08.07.2008 07:49
Atomdebatte

Was nützt uns der Klimaschutz, wenn dafür die Böden für Jahrtausende verseucht werden? Solange das Problem Atommüllendlagerung nicht zufriedenstellend geklärt ist, ist die ganze Debatte sinnlos. Es würde doch auch niemand einen Tanklaster voll Nitroglyzerin ohne Bremse auf die Autobahn schicken. Auch die anderen "Argumente" pro Atom sind kraftlos. Atomstrom wäre nur unmerklich billiger, und das auch nur, solange man das Entsorgungsproblem außer Acht läßt. Auch würde Deutschland dadurch nicht unabhängiger. Es macht substanziell keinen Unterschied, ob man von importiertem Öl, Gas oder Uran abhängig ist. Und über die Folgen eines zweiten Tschernobyl im dicht besiedelten Mitteleuropa mag man gar nicht nachdenken...

SVEN BOHL 09.07.2008 22:10
Atomdebatte

"Atomkraft " Es wird gelogen ,getrickst und verschleiert ! Solange wir unser gutes Geld -Geld ist auch Energie- den alten Atomstromproduzenten gebendürfen wir uns nicht wundern ,wenn diese längere Laufzeiten für Atomkraftwerke fordern oder gar neu Atomkraftwerke bauen wollen . Im Jahr 2005 Haben Eon,Vattenvall ,EnBW und RWE Ca. 27 Milliarden Euro pro Jahr an Gewinn verbucht. Wer Er neuerbare Energien fördert -auch über Aktien-verhindert auch den Neubau alter Kohlekraftwerke. Was Eon. und Co. den Menschen verschweigen ,jeder Atommülltransport ,jeder Polizeieinsatz ,Jede Reparatur und Inspektion im AKW. Werden durch die Öffentliche Hand bezalt. Also durch uns Steuerzahler . Würde man diese Summe auf den Strompreis anrechnen Wäre Atomstrom der teuerste in der Republik .Oben drein leisten wir uns Atommüllendlager die keine sind . Sie sind Teuer ,Absolut unsicher und ihr Strahlender Inhalt Strahlt länger und Intensiver als unsere Sonne. Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geliehen ! Gefragt sind jetzt die Bürgermeister und Kommunalpolitiker sie müssen ihre Stadtwerke zu 100% den Bürgern zurückgeben. Dann können die Bürger selbst Entscheiden wer ihren Strom Prodozieren soll und zu welchen Bedingungen .Atomstrom nein Danke . Mit freundlichen Grüßen Sven Bohl -Niebüll

WOLFGANG SCHNACK 23.07.2008 19:13
Atomdebatte

Die Kleinen (Unfälle und Pannen) holen die Großen, ich kann nur davon abraten die Dinger wieder einzuschalten, das wäre ein Mordbefehl.



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