Atomkraft

Austermanns Kampf für die Kernenergie

08. Juli 2008 | Von Peter Höver

Austermann

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Energiepolitisches Testament: Um der SPD längere Laufzeiten für Atomkraftwerke schmackhaft zu machen, will Noch-Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) dies an Bedingungen knüpfen. Doch die Sozialdemokraten winken weiter ab.

Kiel. Der Konflikt ist so alt wie die schwarz-rote Koalition in Schleswig-Holstein: Die CDU ist überzeugt, dass nur längere Laufzeiten von Atomkraftwerken preisgünstige und klimaschonende Energie sichern hilft. Die SPD hält an der Abwicklung der Atomkraft eisern fest.

Im Koalitionsvertrag verständigten sich beide Parteien deshalb darauf, keine Initiativen zu ergreifen, die den zwischen der Energiewirtschaft und der damaligen rot-grünen Bundesregierung geschlossenen Atomkonsens aufweichen würde.

Doch so lange Wirtschaftsminister Dietrich Austermann im Amt ist, so lange hat der Mann aus dem Kreis Steinburg für die Atomkraft gefochten. Und auch einen Tag vor dem Ausscheiden aus dem Amt lässt der 66-jährige CDU-Politiker nicht locker. Heute erhält er seine Entlassungsurkunde.

Für das Kabinett aber hat Austermann in den letzten zwölf Monaten noch "energiepolitische Leitlinien" vorbereitet. Grundlage ist ein "Grünbuch", das der Minister vergangenen Sommer präsentierte. Und auch damals stufte der Minister die Kernkraft als nicht ersetzbar bei der Stromproduktion ein. "Kernenergie ist keine nachhaltige Energieform", konterte die für Atomaufsicht zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD).

Mit dem jetzt vorliegenden Entwurf seiner "Leitlinien", einer Art energiepolitisches Vermächtnis Austermanns - versucht er, dem Koalitionspartner eine Brücke zu bauen. Und so knüpft er die Verlängerung der Restlaufzeit der vorhandener Kernkraftwerke erstmals an Bedingungen. Nicht nur einer "Sicherheitsüberprüfung mit Alterungsanalyse" müssten sich die Anlagen unterziehen; die Betreiber der Kernkraftwerke müssen sich auch verpflichten, einen Cent je erzeugter Kilowattstunde Atomstrom in einen "Nachhaltigkeitsfonds" abzuführen.

Mit den Einnahmen von jährlich 1,65 Milliarden Euro aus diesem Fonds sollen unter anderem Altbauten saniert werden, um so den Energieverbrauch zu senken. Vor allem aber will Austermann mit dem Geld Forschungs- und Entwicklungsvorhaben für Energie- und Verkehrstechnologien finanzieren. Insbesondere sollten Technologien zur Abscheidung und Endlagerung von Kohlendioxid aus fossilen Kraftwerken gefördert oder vollständig finanziert werden.

Die im bisherigen Atomkonsens vereinbarte Abwicklung der Kernenergie gefährde "direkt die deutschen Klimaziele", heißt es in der Kabinettsvorlage, die unserer Zeitung vorliegt. Eine solche Option sei auch wegen der nötigen massiven Steigerung von Stromimporten "nicht akzeptabel". Auch wenn der in Deutschland erzeugte Strom bis 2020 "vornehmlich klimapolitisch korrekt" erzeugt werde, könne es nicht beruhigen, dass Importstrom "überkommener Kohletechnologie" und einer im Vergleich zur deutschen Sicherheitskultur "minderen Kernenergie erzeugt wird". Hinzu komme, dass damit Preissteigerungen für Importstrom "geradezu herausgefordert werden". Ob sie in der Koalition konsensfähig sind, wird Austermanns Nachfolger Werner Marnette (CDU) ausloten müssen. Der einstige Manager der Norddeutschen Affinerie wird sein Amt morgen antreten.

Noch sträuben sich die SPD-geführten Ressorts, das Zwölf-Seiten-Papier zu akzeptieren. Für die Nord-Genossen, die schon Ende der 70er Jahre und damit früher als andere Landesverbände ihr Nein zur Atomkraft festgezurrt hatten, käme ein Kurswechsel einer kleinen Revolution gleich.

Auf die allerdings will sich die SPD keinesfalls einlassen. Partei- und Fraktionschef Ralf Stegner: "Es gibt nur Argumente gegen die Atomenergie und keines dafür." Er sei dafür, "dass der Atomkonsens I eingehalten wird", sagte Stegner zu Austermanns Vorstoß. "Das ist alles absurd." Weder mit der Nord-SPD noch mit der SPD insgesamt werde es auch nur einen Millimeter Veränderung geben.


 

Leserkommentare

 
SÖREN FRIEDRICH 08.07.2008 10:28
Meine meinung

Ich bin der Meinung das man Atomkraftwerke bauen sollte aber diese immer auf dem höchste stand der technik halten sollte, um so unfälle mit AKW zu vermeinde. Zu dem sollte man sich es sparen so viele WKA zu bauen und für das eingesparte geld vernümpftige Atom rest müll anlagen bauen um die Umwelt zu schonen. Dennoch sollte man nicht völlig mit dem bau von WKA verzichten sondern den bau nurein wenig einschränken.
MFG Sören Friedrich

JAN 08.07.2008 10:28
Kommentar zur Energiedebatte

Ich bin für die Atomenergie, da bei Windenergie (Windkraftanlagen) nicht immer gewährleistet ist, Strom erzeugen zu können. Deshalb sollten die gegebenen Atomkraftwerke länger am Netz bleiben.

SH@*DOX 08.07.2008 10:35
Atomkraft Nein Nein!

Da ich der Gesellschaft der Baumfreunde angehöre, bin ich ganz klar gegen eine Welt mit Atom. Wenn sich alle zusammenreißen und nicht so verschwenderisch mit Strom und natürlichen Ressourcen umgehen, dann könnten wir super mit Wind-, Sonnen- und Wasserkraft auskommen. Der Mensch muss Prioritäten setzen. Will er eine gesunde und lang erhaltbare Umwelt oder will er gleichzeitig am PC sitzen, Fernsehen und über eine Anlage Musik hören? Und kann bitte auch mal einer an die Kinder denken?
Wie wäre es zum Beispiel, anstatt einer Lan-Party oder einem DVD Abend, mit einem Trommelkreis im Garten? Oder einfach mal ein schöner Spaziergang in der Natur um dem Gesang der Vöglein zu lauschen?
Ich würde mich sehr freuen, wenn mehr Menschen aus der Stube in die Natur gehen. Das würde uns einen erheblichen Schritt in die richtige Richtung bringen.

In diesem Sinne: Müsli, Müsli, Mjam, Mjam, Mjam!
Peace

JESSE 08.07.2008 10:37
Erneuerbare Energie

Da die Erneuerbaren Energien wie Sonnenenergie oder der Windenergie keinen dauerhaften Strom liefern können wäre es im moment wohlt noch sinvoller auf die Energien der Atomkraft oder Kohlekraft zu setzten,da diese dauerhaft díe Stromversorgung garantieren. Jedenfalls solange bis man die Stromversorgung auf Umweltfreundliche weise daerhaft herstellen kann.

MICHA 08.07.2008 13:33
Ein bisschen mehr nachdenken!

Warum muss immer gleich alles in die Extreme gehen? Das "Klimaziel" von Deutschland ist meiner Meinung nach nicht so leicht zu erreichen wenn wir möglichst sofort alle Kernkraftwerke vom Netz nehmen. Ich bin auch nicht für die Atomenergie. Aber ich glaube es ist besser die Kraftwerke noch 8 Jahre länger zu betreiben und dafür in der Zeit auf Forschung und Ausbau der erneuerbaren Energie zu setzen, anstelle dafür zig neue Kohlekraftwerke zu bauen, die dann in 5 Jahren wieder außer betrieb genommen werden, weil alle erkennen, das so die Ziele von Frau Merkel nicht erreicht werden können. Neue AKW`s sollten auf keinen Fall gebaut werden, doch die vorhandenen vorzeitig abzuschalten wäre ein Fehler, den wir uns nicht leisten können.
Wenn dann noch zusätzlich jeder einzelne Bürger sich mal an den Kopf fasst, und wie schon „DOZ“ oben sagte etwas weniger Strom verbraucht, könnten nach und nach die Atomkraftwerke abgestellt werden.

LG
Und um es mit den Worten Obamas zu sagen: „Yes, we can!“

KURT JOSWUTTIS 08.07.2008 13:40
Atomkraft - ja oder nein?

Ihr Beitrag
In Anbetracht der weltweiten Energiekriese und ständig wachsender Preise können wir es uns ein gebetsmühlenhaftes Beharren auf den Atomausstieg nicht leisten. Zur Zeit können alternative Energieformen den ständig wachsenden Energiebedarf nicht decken. Daher müssen wir alle Optionen verfolgen. Dazu gehört auch die Atomkraft. Der Verzicht auf Kernenergie mag ein langfristiges Ziel sein, das man verfolgt, zur Zeit jedoch nicht realisierbar. Im Übrigen: unsere Nukleartechnologieist die sicherste der Welt. Also: kein gegenwärtiges "entweder-oder" sondern "sowohl-als auch" muß unsere Devise sein.

MARKUS ARLE 08.07.2008 13:46
Energie! Energie! Energie! Energie brauchen wir!

Wenn man die positiven und negativen Aspekte objektiv betrachtet muss man einsehen, dass es langfristig keine Zukunft für Kernenergie gibt, wobei es zum heutigen Zeitpunkt keine effizientere Möglichkeit gibt, Energie zu erzeugen. Durch Offshore-Parks in Nord -und Ostsee verschandelt sich das Landschaftsbild enorm. Es ist sicherlich nicht die Schönste Lösung. Man sollte es noch einmal überdenken. Jedenfalls ist weitere Forschung für effizientere Energiegewinnung dringend erforderlich, denn DIES IST UNSERE ZUKUNFT.

THE ONE 08.07.2008 13:47
Ohne Atom kein Strom

Gehts noch ?! ohne atom kein strom..... Und ich werde meinen Dekadenten und verschwenderisch lifestyle nicht ändern nur damit eine "zukunft" für nachfolgende generationen besteht....
-> Wenn wir die natur nich töten , tötet sie uns !!!!
Auf zum Atom

THE SECOND 08.07.2008 13:50
Genau

genau @ The One erst sucht uns Mutternatur mit Überschwemmungen und Katastrophen heim, und dann wenn sie merkt das sie verliert, macht sie ein auf mitleid .... das hätte sie sich vorher überlegen sollen.

HEIDE 08.07.2008 15:24
Atomkraft

Sind die deutschen Grenzen eigentlich mit einem undurchdringlichen Schutzwall gesichert?
Atomkraftwerke stehen in den Ländern um uns herum und sollte da dann etwas (wir hoffen das nicht) passieren, bleiben wir durch den Schutzwall dann vor aller Gefahr beschützt? War dann Tschernobyl eine Ausnahme?
In Ländern um uns herum ist Atomkraft kein Thema und wir Deutschen werden auch gerade auf dem G8-Gipfel zu diesem Thema in die Zange genommen. Warum verschließen wir uns der Realität und tun so als ob wir auf einem einsamen Stern leben. Atomkraft kann den hohen Energiepreisen und der Abhängigkeit nur entgegenwirken.
Wir dürfen nur nicht vergessen immer weiter nach Alternativ-Energien zu suchen. Und geschützt sind wir eh nicht - auch wenn das kein Trost ist...

EDITH AUGA-WESTENSEE 08.07.2008 16:02
Ja zum Ausstieg

Ihr Beitrag

Ich bin über Ihre undifferenzierte Berichterstattung zum Atomausstieg verärgert. Mit
keinem Wort wird über die Gefahren beim Betreiben der Atommeiler berichtet. Genauso wenig erfährt die Leserschaft in Ihrem Artikel etwas über die noch ungelöste Frage der Endlagerung des Atommülls.
Unsere Generation sollte nicht auf Kosten von zukünftigen Generationen leben, auch wenn
uns der Atomstrom günstiger käme.

WILHELM HEUER 08.07.2008 22:43
Kernkraftdebatte

Die alternativen Energiearten können in absehbarer Zeit den Energiegrundbedarf unserer Wirtschaft nicht decken. Die Atomkraftwerke abzuschalten, bevor gesicherte andere Energien entwickelt sind, würde unsere Wirtschaft schwächen und unser aller Leben extrem verteuern. Bevor wir nicht Energiearten enwickelt haben, die die jetzigen Grundlastträger wirtschaftlich ersetzen können, müssen wir den jetzigen Energiemix beibehalten und sollten aus ideologischen Gründen keine Experimente zum Schaden unseres Volkes zu lassen. Die Atomkraft verwendenden Staaten um uns herum sind schliesslich nich alle potentielle Selbstmörder.

HANS GLÜSING 10.07.2008 21:44
GAU bis Endlagerung

Es wird nicht ohne die Nutzung der Kernenergie gehen. Nicht der GAU ist meine Angst, denn der wird immer unwahrscheinlicher je mehr Geld in die Entwicklung von Anlagen und Betrieb gesteckt wird. Es ist die Sorge um die Zwischen- und Endlagerung, die mich schreckt. So nachlässig wie es zur Zeit in Deutschland gehandhabt wird, kann es nicht gehen. Wo bleibt eigentlich der fast ewig strahlende Müll der vielen anderen AKW in der Welt? Also: Wissenschftler und Ingenieure der Welt kümmert Euch mit Vorrang um die Entsorgung des Abfalls und der kontaminierten flüssigen Abfälle und des Anlagenschrotts. Ich bin für "sowohl-als auch", d.h. Nutzung aller Arten von Primärenergie.

WILHELM VON TOPP 17.07.2008 17:04
SPAREN !!!

Ist eigentlich den Atombefürworter bewusst, dass es weltweit noch kein einziges Endlager gibt und, dass selbst bei einer weiterhin kostanten Nutzung der Kernenergie diese auch nur noch 40 Jahre ausreicht?
Es kann nur über Stromeinsparungen funktionieren. Natürlich wird die Indutrie jetzt jubeln und versuchen ihre Neugeräte zu verkaufen. Aber auch Energiesparglühlampen sind Sondermüll.
Es gibt immer noch zuviele, die auf die Standby-Funktion als Stromsparwunder vertrauen. Einfach mal bei der Verbraucherzentrale kostenlos ein Strommessgerät ausleihen und oh Wunder: Wenn man 5 Geräte mit 5 Watt Standbyleistung laufen lässt, macht das schon 25 Watt, am Tag fallen dann schon 0,6 kWh an, im Jahr 219 kWh. Das entspricht eines Kühlschranks der Klasse A. . Nur als Beispiel. Ich habe so meinen Energieverbrauch (Familie mit 2 Kindern und elektr. Durchlauferhitzer) von 8500 kWh/jährl auf 4500 kWh/jährlich reduziert. Das ist fast die Hälfte.

Wenn jeder endlich ein wenig sparen würde, dann würde sich diese Diskussion erübrigen...

BEO BACHTER 20.07.2008 02:38
Ironie als roter Faden?

Ladies und Germans,
der Titel "Windparks in fremder Hand" ist an Sarkasmus
– angesichts der jüngsten Debatte um den 'Windpark Eggebek' –
kaum noch zu überbieten. Nähme man den Titel für für bare Münze,
so wäre er fürwahr ein Fall für's Kabarett.
Warum führen wir eine 68er-Debatte?
Es geht nicht um Atom vs. Strom.
Unser Thema ist die Zukunft. Aber bei einigen
Damen und Herren scheint dies noch nicht angekommen.
Auch ohne Affinität zur Windkraft – wo wollen wir denn hin?
Welche Alternativen haben wir. Ach ja … die Bürger-Altern-/Initiative.
Die Gutmenschen, die per se gegen Alles sind.
Aber so einfach, wie im Falle der Austermann-Schilder,
ist es hier nicht gelagert.
Weitsicht ist gefragt. Kein Pro oder Contra.
Wir müssen um mehr als eine Ecke denken.
Großen Teilen meiner Mitmenschheit traue ich dies
nicht zu, der Rest aber mag es in die Hand nehmen.
Treffen wir Entscheidungen wider der populären Masse.
In gutem Glauben,
Ein Neo-Andertaler



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