Krabbenfischerei

Ein Glücksspiel mit Technik

31. August 2010 | 14:36 Uhr | Von Hauke Mormann

Nach dem Kochen muss Fischereigehilfe Marcel Kolster nur noch kleine Krebse aus dem Fang sortieren. Dann fallen die Krabben in den Kühlraum. Foto: Mormann

Büsum, 3 Uhr morgens. Es ist dunkel, im Hafenbecken klatscht das Nordseewasser gegen den Rumpf des Kutters "Hindenburg". Besitzer Stefan Schneidereit und sein Fischereigehilfe Marcel Kolster springen an Bord. Gleich legen sie ab in Richtung Trischen. Rund um die Vogelinsel will Schneidereit heute sein Glück versuchen. Er geht auf Krabbenfang.

"Das ist jeden Tag aufs Neue ein Glücksspiel. Ich weiß nie, wo ich einen guten Fang mache", erzählt der Fischer. An diesem Tag, so fürchtet er schon beim Auslaufen, könnte es anstrengend werden. Die See ist unruhig. Windstärke sechs. Dazu Regen. Die Lichter am Ufer geraten immer weiter außer Sicht. Die knapp 20 Meter lange "Hindenburg" tuckert in scheinbar unendliche schwarze Leere.

Der Kutter fährt von alleine

"Ich wollte immer Fischer werden", erzählt Schneidereit, während er im Führerhaus auf seinem Stuhl sitzt. Der Kurs ist eingestellt, Radar und GPS zeigen auf Bildschirmen die Position des Kutters. Der fährt von alleine. "In unserer Familie haben alle Männer gefischt - mein Vater, mein Opa, mein Uropa." Schon als Kind ist Stefan Schneidereit mit raus gefahren. Nach der Schule hat er sich zum Fischwirt ausbilden lassen, hat sein Sprechfunkzeugnis und seinen Meister gemacht. "Seit 20 Jahren bin ich selbstständig."

In dieser Zeit hat sich vieles verändert. Die Arbeit an Bord ist leichter geworden - die Arbeit als Fischer hingegen schwerer. "Wir bekommen immer neue Auflagen, müssen Geräte anschaffen. Machen wir das nicht, dürfen wir nicht mehr fischen." Um den Markt zu regulieren, gibt es seit diesem Jahr eine Zeitbegrenzung. "Wir dürfen nur noch 72 Stunden die Woche raus fahren. Da habe ich dann ein Problem, wenn ich nichts fange." Vergangenes Jahr noch durfte jeder Fischer pro Woche drei Tonnen Krabben aus dem Meer holen - egal wie lange er dafür brauchte.

500 Kilo, damit sich die Ausfahrt lohnt

Dazu sind die Unkosten gestiegen. "Vor 20 Jahren kostete ein Liter Diesel 20 Pfennig. Heute sind's 47 Cent." Seine 300-PS-Maschine braucht rund 31 Liter pro Stunde. Und was nimmt Schneidereit ein? "Das erfahren wir immer eine Woche nachdem wir den Fang abgeliefert haben. Für die letzte Woche bekomme ich drei bis vier Euro pro Kilo. Nächste Woche soll der Preis um 50 Cent fallen, hat ein Kollege gehört." Damit sich eine Ausfahrt lohnt, muss Schneidereit 500 Kilo Krabben fangen. "Bei einer Tonne bin ich zufrieden."

Und dann sind da noch die Holländer: Drei Meilen vor der Küste gehören den Schleswig-Holsteinischen Fischern allein. Danach ist das Wattenmeer frei. "Die Holländer kommen in Flotten. Hätten wir eine Zwölf-Meilen-Zone, wäre das ein Paradies", sagt Schneidereit.

Technik erleichtert die Verarbeitung

Das Verarbeiten der Schalentiere an Bord ist einfacher als früher. "Als ich noch Helfer war, musste ich den Fang sieben. Dafür haben wir heute eine Sortiertrommel", erklärt Schneidereit. Alles, was größer als die Krabben ist, wird direkt aussortiert und geht wieder über Bord. Ein Fest für Möwen. Gekocht werden die Krabben im "Kippkocher". Wenn sie fertig sind, wird der Behälter einfach ausgekippt. Früher musste ein fester Bottich mit Keschern geleert werden.

Durch ein Rohr fallen die Krabben in den Kühlraum unter Deck. Fünf Grad minus ist es dort kalt. Nachdem jeder Fang gekocht ist, klettert Helfer Marcel Kolster hinunter, füllt die Krabben in 20-Kilo-Kisten. Die Kälte macht ihm nichts aus: "Ich könnte immer hier arbeiten, denn hier staple ich mein Geld."

Rückkehr nach 17 Stunden

Etwa einmal pro Stunde holt Schneidereit die Netze aus dem Wasser. Rollen laufen über den Meeresgrund, schrecken die Krabben auf. Die werden ins trichterförmige Netz gespült.

Als der Krabbenfischer und sein Helfer mit der "Hindenburg" am Abend im Büsumer Hafen wieder anlegen, sind 17 Stunden vergangen. 800 Kilo haben sie gefischt. Am nächsten Tag geht es wieder raus - morgens um 3 Uhr.


 

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