Landtagswahlkampf
Eine Grippe zur falschen Zeit kann die Wahl entscheiden
Eine Erkältung ließ Heide Simonis im TV-Duell mit Peter Harry Carstensen 2005 schlecht dastehen. Foto: Grätsch
Kiel. Noch immer gibt es Wahlplakate. Auch die Portraits der Kandidaten schmücken noch immer Laternenpfähle und Stellwände. Kaum verändert haben sich auch die Wahlveranstaltungen - jedenfalls unterhalb der Prominenten-Ebene. Örtliche Bewerber sprechen nach wie vor im Gasthof - mindestens 90 Prozent der Anwesenden sind Parteifreunde, die nicht überzeugt werden müssen.
Alle Wahlkämpfer und ihre Helfer wissen, dass es sich bei den Veranstaltungen und der Plakatierung um Zeit- und Geldverschwendung handelt - nur traut sich keiner, alte Zöpfe abzuschneiden.
Entscheidend ist der Gesamteindruck
Entscheidende Neuerung ist das Fernsehen. Wenn kurz vor dem Wahltag die Spitzenkandidaten zum TV-Duell aufeinander treffen, sind die Einschaltquoten trotz der allgemeinen Politikverdrossenheit erstaunlich hoch. Die meisten Punkte sammelt nicht unbedingt der Spitzenkandidat mit den besten Argumenten - entscheidend ist der Gesamteindruck.
Als bei der Landtagswahl 2005 Heide Simonis und Peter Harry Carstensen aufeinander trafen, galt die Amtsinhaberin als Favoritin. Vor den Kameras aber machte der Herausforderer aus Sicht vieler Zuschauer die bessere Figur. Der Kontrahent habe sie fast erdrückt, räumte Simonis in der anschließenden Manöverkritik ein. Auch sei sie erkältet gewesen. Eine Grippe zur falschen Zeit kann also eine Wahl entscheiden.
Die verbalen Manieren sind besser geworden
Wahlkampf ist teurer geworden. Organisiert wird er nicht mehr durch die jeweilige Parteizentrale, sondern von sündhaft teurem Fremdpersonal - etwa für die Produktion von Fernsehspots. Ließen sich einst Spitzenkandidaten von der Ehefrau oder einem studentischen Helfer zu ihren Auftritten chauffieren, steht jetzt über Wochen ein Großraumbus zur Verfügung.
Im Vergleich zu früher wird zwar immer noch mit deutlichen Worten gekämpft, aber insgesamt sind die verbalen Manieren besser geworden. Die Kontrahenten betrachten sich als Gegner, nicht aber als Feinde.
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