Geldanlage
1931: Sparen nach der großen Krise
Kluges Sparen für Weihnachten im Notjahr 1931: der Werbe-Spielfilms für die Kieler Spar- und Leihkasse, gedreht von der Kieler Nordmark-Film.
Kiel. Der Film ist ein Werbespot für die Kieler Spar- und Leihkasse, den Nordmark-Film 1931 dreht. Die Spielhandlung des Stummfilms wirbt dafür zu sparen, um Weihnachtswünsche zu erfüllen. Der Zeitung lesende Vater sagt laut eingeblendeter Texttafel, "Mutter, bei diesen Zeiten gibt es nichts zu Weihnachten". Darauf zückt die Mutter ein Sparbuch, sie hat es heimlich geführt. Läutende Glocken werden eingeblendet, eine schneebedeckte Landschaft gezeigt: Es ist Heiligabend, die Eltern bescheren ihre Kinder. Auch erhalten alle eine Spardose. Abschließend der Hinweis: "Deshalb spart auch ihr bei der Kieler Spar- und Leihkasse."
Gleich zwei prägende wirtschaftliche Krisenerfahrungen machten die Menschen in der kurzen Phase der Weimarer Republik: In den Anfangsjahren, kulminierend in der Hyperinflation 1923, zahlte die junge Demokratie den Preis für den systematischen Währungszerfall zur Finanzierung des am Ende verlorenen Krieges. Der Währungszusammenbruch hatte massive soziale Umwälzungen in der deutschen Gesellschaft zur Folge: Waren Schuldner über Nacht entschuldet, hatten Gläubiger und all jene, die von Renten lebten, also Erträgen ihrer Geldvermögen, das Nachsehen. Vor allem das deutsche Bürgertum würde diese Katastrophe nicht vergessen. Mit der Börsen- und Finanzkrise ab 1929 folgte die zweite Katastrophe auf den Fuß: Massenarbeitslosigkeit sowie ein Produktions- und Konsumeinbruch ohne Beispiel gestalteten die Notjahre 1930 bis 1933.
1931 war kein gutes Jahr! Die Weltwirtschaftskrise, ausgelöst vom Börsenkrach in New York am 29. Oktober 1929, der als "Schwarzer Freitag" in die Erinnerung einging, schlug jetzt durch bis an die gesellschaftliche Basis, erreichte Millionen Familien: Bankenkrise 1931, Massenentlassungen und Einbruch der Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen produzierten große Not, in Europa, in Deutschland, in Schleswig-Holstein, in Kiel. Während in Übersee vor allem die Börsenspekulation, eine Konsumgüterüberproduktion sowie Handelshemmnisse die Krise entfachten, lagen in Deutschland andere Gründe vor: So war die deutsche Nachkriegswirtschaft von amerikanischen Krediten abhängig gewesen, die nun abgezogen wurden. Der verringerte Geldkreislauf brachte europäische Banken ins Wanken, Mitte 1931 brach die Darmstädter- und Nationalbank (Danatbank) zusammen. Weitere Banken, eine Warenhauskette sowie eine Versicherung drohten zu folgen; sie wurden durch Staatsgelder gerettet. Die zusätzlich drückenden Reparationslasten des Ersten Weltkriegs wurden im Juni 1931 - und damit zu spät - zunächst unterbrochen, dann eingestellt.
Seit 1929 sank die deutsche Produktion und damit das Bruttosozialprodukt dramatisch; 1932 erreichte die Industrieproduktion nur noch die Hälfte des Wertes von 1928. Parallel stiegen die Arbeitslosenzahlen extrem an, um 1932 fast ein Drittel aller Erwerbstätigen zu erreichen. Lohnsenkungen lösten nicht, sondern verschärften die Krise. Die wichtigste sozialpolitische Leistung der Weimarer Republik, die 1927 geschaffene gesetzliche Arbeitslosenversicherung, paritätisch von Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanziert, stieß bei diesen Zahlen schnell an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Schließlich trug die Finanz- und Wirtschaftspolitik der Reichsregierung Brüning nicht dazu bei, einen Weg aus der schwierigen Situation zu weisen.
In Zahlen hieß das für Schleswig-Holstein im Januar 1931: 108 800 Arbeitslose und Wohlfahrtsempfänger, damit war jeder siebte Erwerbstätige arbeitslos. Stark wirkte sich die Krise auch in der Landwirtschaft aus, die durch den rapiden Verfall der Agrarpreise bei gleichzeitig hohem Investitionsbedarf hervorgerufen wurde und zur Überschuldung ganzer agrarisch geprägter Regionen führte - besonders ausgeprägt in Schleswig-Holstein.
Ein Teufelskreis schien den nächsten nach sich zu ziehen - so mochte dieser wirtschaftliche Niedergang für viele Menschen aussehen. Arbeitslose, Wohlfahrtsempfänger und ihre Familien erlebten unmittelbar größte Not, oft sogar Hunger. Andere, kleinbürgerliche Familien aus Handwerk, Handel und Landwirtschaft waren durch den gesunken Austausch von Waren und Dienstleistungen mittelbar von der Krise betroffen. Auch ihre Haushaltseinkommen sanken drastisch, auch sie entwickelten Angst vor Arbeitslosigkeit und Auftragsflauten. Das bildete den Rahmen von Weihnachtszeit und weihnachtlicher Sparkassenwerbung 1931.
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