Ahoi! Barbara lernt Bootfahren

 

Ahoi!

"Ganz alleine? Auf dem Meer?"

14. Januar 2013 | 10:03 Uhr | Von Barbara Maas


Was die Sportbootschülerin laut Freunden und Verwandten dringend braucht: einen Rettungsring. Foto: dpa

Was die Sportbootschülerin laut Freunden und Verwandten dringend braucht: einen Rettungsring. Foto: dpa

Wer in den Norden zieht, muss aufs Wasser. Die Lösung passt in einen Satz: "Ich mache den Sportbootführerschein." Freunde und Verwandte machen sich lustig - oder Sorgen.

Flensburg. Freundschaft mit dem Wasser schließen - das ist wichtig, wenn man aus einem meerlosen Bundesland in den Norden kommt. Jedenfalls dachte ich das, als ich mich sechs Wochen nach meinem Umzug nach Flensburg für den Sportbootführerschein angemeldet habe. Ich bin, was die Seefahrt angeht, ziemlich unerfahren. Ich bin schon mal Tretboot gefahren, in Münster auf dem Aasee. Das zählt doch, oder?

Ob ich das kann? Diese Frage habe ich mir nie gestellt, vielleicht ist das ein bisschen naiv. Meine Lieben in der fernen Heimat machen sich auch schon Sorgen. Allerdings weniger um mich als um die Segeljollen, Abramowitsch-Yachten und Öltanker, die in Zukunft meinen Weg kreuzen werden. Eine Freundin hat die allgemeine Skepsis mit drei rhetorischen Fragen auf den Punkt gebracht: "Und du darfst dann mit einem Motorboot fahren? Ganz alleine? Auf dem MEER?" Eine fast repräsentative Umfrage hat außerdem ergeben: Sieben von zehn Menschen brechen in Gelächter aus, wenn ich sage: "Ich mache jetzt den Sportbootführerschein." Viele sagen dann: "Echt? Cool." Im Subtext höre ich: "Das hätte ich dir nie zugetraut." Traue ich es mir zu? Ich bin mir nicht mehr ganz sicher.

"Ach, das schaffen Sie schon", besänftigt mich Kapitän Hansen, der mir jetzt alles beibringen muss. "Wenn Sie Lichterführung überstanden haben, kann Ihnen nichts mehr passieren. Und das ist wie mit Schillers Glocke. Das dauert auch, bis man die lernt - aber dann sitzt es." Was der Kapitän nicht weiß: Das einzige Gedicht-Fragment, das sich aus der Schulzeit in meinem Kopf festgefahren hat, ist "In die Ecke, Besen, Besen, seids gewesen". Und das war nicht Schiller, sondern der andere. Ich gehöre nämlich zu der Schülergeneration, die nie etwas wirklich auswendig gelernt hat. Schon gar keine Gedichte. Dafür versuche ich es jetzt mit der Poesie der Lichterführung.


 
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