TONTRÄGER
Primus
Rückkehr der Avantgardisten
Vor elf Jahren haben Primus ihr letztes Album "Antipop" veröffentlicht. Danach wurde es langsam stiller um jene durchgeknallten Kalifornier, die mit ihrer absolut unverwechselbaren Spielart eines jazzigen Crossover international zur Kult-Kapelle aufstiegen - und trotz ihrer ausgeprägten Kantigkeit sogar eine Art Indie-Discohit platzieren konnten (Too Many Puppies).
Jetzt liegt mit "Green Naugahyde" ein Spätwerk vor, welches exakt dort anknüpft, wo der Vorgänger aufgehört hat. Und abgesehen von den zumeist höchst gelungenen Kompositionen, die sich getrost zum bisherigen Output der Band hinzufügen lassen, hat sich am Stil und am unverkennbaren Primus-Sound nichts geändert - was sehr gut ist. Denn die Musikwelt braucht diese quäkende Stimme eines Wahnsinnigen, die bizarre Geschichten im Sprechgesang erzählt vor einer atemberaubenden musikalischen Kulisse.
Zu der trägt Les Claypool selbst als wohl einer der innovativsten Bassisten dieser Erde maßgeblich bei, wenn er wild slappend, per Bogen streichend, Akkorde spielend dem Instrument einen dominanten Part in den Songs gibt. An den Drums werkelt derweil voller Energie und Spielwitz Jay Lane, der schon ganz zu Beginn der Ära Primus Ende der 80er Jahre mit dabei war und irgendwo zwischen Experten des Fachs wie Stewart Copeland (Police) oder Abe Cunningham (Deftones) zu verorten ist.
Und dann wäre da noch Larry LaLonde, der seine Gitarre gern als eine Art Geräuscherzeuger missbraucht, zwischen dissonant klingenden Soundfetzen und irrwitzigen Melodielinien wandert, um dann ein kraftvolles Riff zu präsentieren.
All dies zusammen ergibt ein Album, welches fortgeschrittenen Musikhörern unbedingt zu empfehlen ist. Primus - das sagt bereits der unbescheidene Name - waren und sind vorn, sind Avantgarde. Wenn Primus hinten sind, dann ist hinten vorn! Und irgendwann wird man diesem Trio wohl ein Denkmal setzen müssen.
Primus - "Green Naugahyde" (Prawn Song Records)
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