TONTRÄGER
Richmond Fontaine
Liebesdrama vor gefällten Bäumen
Von wegen schönes Landleben. Eine tragische Liebesgeschichte in einer trostlosen Welt am verlängerten Rücken von selbiger erschaffen Richmond Fontaine auf ihrem zehnten Album "The High Country".
Die Band produziert in Oregon seit 15 Jahren eine eigenartige Mischung aus Alternative-Rock und Country. Diesmal haben sie ein Konzeptalbum gezaubert, welches detailliert die Liebe eines Mechanikers zu einer Verkäuferin aus dem Ersatzteile-Shop erzählt, derweil um die Protagonisten herum fleißig Bäume gefällt, Drogen konsumiert und Psychosen gepflegt werden.
Das Ganze passiert nicht nur musikalisch mit einer großen Bandbreite von soft-melancholischer Country-Ballade über hippieske Traumklänge bis hin zum wütenden Garagenrock. Spoken-Word-Szenen, Dialoge und Geräuschkulissen geben dem Werk den Anstrich eines Hörspiels oder eines Soundtracks zu einem nicht unbedingt lebensfrohen und dennoch schönen Film, den es gar nicht gibt. Das allerdings könnte sich sogar ändern. Frontmann Willy Vlautin ist in den USA ein bekannter Autor und sein von der Kritik gelobter Debütroman "Motel Life" wird gerade groß verfilmt.
Das Video übrigens ist eine trashige Aufnahme aus einer Session. Man bekommt einen Eindruck von diesen etwas seltsamen Menschen - der Song klingt auf der Scheibe mitsamt treibendem Schlagwerk, Bass und verzerrter E-Gitarre jedoch ungleich mächtiger!
Richmond Fontaine - "The High Country" (Decor Records, VÖ: 2.9.2011)
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