Mediengrummel

Mietverhältnisse

30. Januar 2012 | 06:00 Uhr | Von Gerhard Hildenbrand

Thomas Gottschalk ist von Journalisten zu einem "Top-Journalisten des Jahres" gekürt worden. Das wirft bei unserem Kolumnisten Gerhard Hildenbrand einige Fragen auf.

Das "Medium Magazin" und eine "rund 70-köpfige Jury aus renommierten Journalisten und Medienexperten" haben Thomas Gottschalk zu einem "Top-Journalisten des Jahres" auserwählt, Sparte Unterhaltung. Unter anderem "für den Mut, nach dem erreichten Gipfel als TV-Ikone einen journalistischen Neuanfang mit einem täglichen Format in der ARD zu wagen." Dumm nur, dass der Showmaster kürzlich in einem Interview über sich sagte, er sei kein Journalist, er sei "von Beruf Gesichtsvermieter". Der Preisverleihung in zehn Fachkategorien wird das keinen Abbruch tun. Die feiernden Journalisten werden sich heute Abend am Bekenntnis des Fernsehunterhalters so wenig stören wie am Mitwirken zweier Handelskonzerne, die das Ereignis schon im Vorjahr "freundlich" unterstützt haben. Schließlich produzieren die zwei Hauptsponsoren weder Marmelade noch verkaufen sie Versicherungen.

Bleibt die Frage, wer sonst noch Gottschalks Gesicht mietet? Die ARD zum Beispiel. Für unter vier Millionen Euro im Jahr, wie der Gesichtseigentümer sagt. Die Kosten für die Gebrauchsüberlassung und die Entgelte für jede Menge andere Fernsehgesichter werden auf rund 40 Millionen Untermieter umgelegt und von der GEZ eingezogen, 17,98 Euro pro Monat. Über die Einzelheiten der Mietverhältnisse ist wenig bekannt. Vermutlich ähneln sie den üblichen Mietverträgen: Der Gesichtsvermieter will pünktlich sein Geld und keinen Ärger mit dem Mieter. Vom Untermieter wird verlangt, dass er Mieterhöhungen klaglos hinnimmt und regelmäßig für Schönheitsreparaturen zahlt. Mängel können dem Vermieter gerne gemeldet werden, mietmindernd wirken sie sich aber nicht aus.


 

Leserkommentare

 
GEGEN JEDEN EXTREMISMUS 31.01.2012 07:07
Journalismus

Könnte der deutsche Journalismus deutlicher manchen, in welchem Zustand er sich befindet? Nichts mehr übrig vom einstigen investigativen Verlangen, vor Aufdecken realer Mißstände und aufzeigen echter Mängel. Stattdessen eine im festangestellten Kreise satte und zufriedene Kaste, die sich mit den großen Köpfen aus Politik und Wirtschaft genau so gerne zeigt, wie sie Scheinthemen zu Schlagzeilen aufbläst und einzelne bis zur physischen und psychischen Vernichtung treibt.



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