Mediengrummel
Schluss mit lustig
Die Zeiten sind ernst. Griechischen Millionären und deutschen Sparstrumpfstopfern ist das Lachen gleichermaßen vergangen. Jetzt hat auch noch der "Spiegel" gemeldet, dass die ARD in ihrem Ersten ein "Humor-Defizit" entdeckt habe. Ein Lachangebot auf Ramsch-Niveau, sozusagen.
Das ZDF erkannte schon beizeiten, dass in dieser Republik mehr gelacht werden muss, wenn wir fideler aus dem Schlamassel heraus kommen wollen, als wir hineingeschlittert sind. Der künftige Intendant Bellut hat schon vor zwei Jahren gesagt: "Eskapistische Formate mit Gefühlen und Humor sind im Zeichen der Krise auch im ZDF gut gefragt!“. Deshalb helfen im Zweiten neben schnulzigen Groschen-Filmchen und anderem Gesummse auch Glanzlichter wie "Neues aus der Anstalt", die "Heute-Show" oder "Pelzig hält sich" bei der Flucht vor dem täglichen Wahnsinn.
Im Ersten versucht man vergeblich, den "Satiregipfel" zu erklimmen. In Wirklichkeit gilt auf diesem Programmplatz seit dem Abschied von Dieter Hildebrandt die Erkenntnis: Den Gipfel haben wir hinter uns, jetzt mühen wir uns halt in der Ebene. Natürlich geht's auch im humoristischen Flachland manchmal fröhlich zu. In Kochsendungen und in Waldis Duz-Club zum Beispiel. Oder wenn der GEZ-Mann abends an der Haustür klingelt und gerade bei "Heiter bis tödlich" stört. Womit nicht Sendungen gemeint sind, in denen Florian Silbereisen seinen Zuschauern intramedial gefährlich hochdosiertes Adrenalin einflößt. Aber bald ist Schluss mit lustig und solchen Mitklatschjuxereien. Die Humor-Planer der ARD wollen's jetzt wissen. Arbeitstitel einer neuen, spätabendlichen Sendung: "Das Ernste". Na bitte, mit der Realsatire klappt's doch schon.
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