Mediengrummel
MDR-Truppe
Zum Geburtstag wünscht man sich Besseres, als der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) es über sich lesen musste. Der Fernsehproduzent Alexander Kluge zum Beispiel findet, der MDR veranstalte "das schlimmste Unterhaltungsprogramm, das ich überhaupt kenne", zitierte ihn die Süddeutsche Zeitung. Die nimmt selbst auch kein Blatt vor den Mund: "Wenn Beobachter von draußen auf die zwei Jahrzehnte zurückblicken, reden sie meist über Politfilz, geschäftliche Sauereien, übelste Geldgeschichten und Stasi-Verwicklungen der Sender-Mannschaft."
Mit der Vergangenheit soll nun Schluss sein, eine neue Intendantin ist gewählt. Das heißt, so ganz neu ist sie dann doch nicht. Karola Wille ist seit Gründung des MDR dabei, seit 1996 Juristische Direktorin und seit 2003 Vertreterin des Intendanten. Ob sie sich als "Teil des Systems" nicht mitverantwortlich fühlen müsse, traute sich ein Rundfunkratsmitglied zu fragen. Frau Wille soll gekontert haben, dass sie bislang keineswegs "alleinherrschend" im MDR agiert habe. Was immer das bedeuten mag, vom MDR-Fernsehballett dürfte sie jedenfalls schon mal gehört haben. Der Gebühren-Sender besitzt Anteile von 40 Prozent an der Tanztruppe. Weitere 30 Prozent gehören der Tellux Beteiligungsgesellschaft, die mehrheitlich der Katholischen Kirche zuzuordnen ist. Nun kam heraus, dass die Tänzer nicht nur für Sender und Seelenhirten ihre Beine schwingen, sondern sechs von ihnen den tschetschenischen Machthaber Kadyrow während seiner Geburtstagfeier bei Laune hielten. Keine Sorge, die MDR-Spaßtruppe ist ungefoltert zurückgekehrt und bringt bald wieder den "Musikantenstadl" zum Beben. Vielleicht hilft sie demnächst sogar, leere Kirchen zu füllen.
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