Mediengrummel

Märchenstunde

09. Januar 2012 | 06:00 Uhr | Von Gerhard Hildenbrand

Manche Märchen sind keineswegs nur Nachrichten von gestern. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand hat eine alte Geschichte gefunden, die uns aktuell beschäftigen könnte.

Nicht alle Märchen, die man dem Volk erzählt, sind deswegen Volksmärchen. Die alte Geschichte von den sieben Geißlein schon. Auch wenn der Text zum Twittern zu lang, der Stoff politisch nicht korrekt und die Handlung für einen "Tatort" vor 22 Uhr zu brutal ist - das Märchen kann heute noch in jeder Kinderstube Spuren hinterlassen.

Vor sehr langer Zeit, als man zum Wolf noch Wulf sagte, sprach Mutter Geiß zu ihren sieben Jungen: "Wahrt euch vor dem Wulf und lasst ihn nicht ein, gebt auch Acht, denn er verstellt sich oft. Wenn er erst einmal im Haus ist, so frisst er euch alle miteinander." Tatsächlich plante der Wulf alsbald, sich mit falscher Stimme Einlass zu erschleichen. Er ging zum Krämer und kaufte sich ein großes Stück Kreide, die aß er und machte seine Stimme fein damit. Außerdem befahl er dem Müller: "Streu mir weißes Mehl auf meine Pfote". Mit dieser List gelang es ihm, der Geißlein habhaft zu werden und sie zu verschlingen.

Wohl gesättigt ging der Wulf auf eine grüne Wiese und fiel in einen tiefen Schlaf. So fand ihn die alte Geiß. Sie schnitt ihm den Bauch auf und die Geißlein, die er in seiner Gier ganz verschluckt hatte, sprangen unversehrt heraus. Die erboste Geiß packte ihm Wackersteine in den Leib und nähte ihn wieder zu. Als der Wulf wach wurde, wollte er einen frischen Trunk tun und suchte einen Brunnen. Aber wie er sich darüber bückte, konnte er vor der Schwere der Steine sich nicht mehr halten und stürzte ins Wasser. Wie das die sieben Geißlein sahen, kamen sie herzu gelaufen, luden ein paar bedeutende Journalisten ein und tanzten vor Freude um den Brunnen.

PS: Das mit den Journalisten ist natürlich erfunden.


 

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