Mediengrummel
Jahressieger
Am Jahresende interessieren sich die Medien vor allem für Asse. Wer mag schon etwas über Luschen lesen, deren gute Vorsätze gleich in der Silvesternacht verglüht sind - schneller als die Zigaretten, die sie ja nie wieder anfassen wollten. Die Gunst des Publikums gehört in diesen Tagen den Einzigartigen - der schönsten Spielerfrau, dem reichsten Nichtsnutz oder dem nervigsten Panflötenspieler des Jahres. Die Bulgaren haben im Internet ihren Ministerpräsidenten Borissow zum Fußballer des Jahres gekürt. Vielleicht schafft es bei uns ein Politiker immerhin zum Berliner des Jahres. Womöglich der ehemalige CDU-Justizsenator mit seinem Abgang des Jahres - nach 264 Stunden im Amt. EHEC hat sich den Medien-Titel Virus des Jahres erobert und - was meist vergessen wird: Tuff ist das Gestein des Jahres. Tuff, "ein Ergebnis sowohl von magmatischen als auch sedimentären Prozessen". So seh'n Sieger aus!
Der "Verein Deutsche Sprache" hat kurz nach Totensonntag ein Jahresresümee gezogen und präsentierte seine Schlagzeilen des Jahres 2011. Auf Platz eins schrieb sich die taz: "Brüderle bei Ehrlichkeit ertappt". Schlitzohrig sei das von Brüderle gewesen, glaubt die Jury. Aber vermutlich lag die Wahrheit mal wieder im Wein. Eine andere Schlagzeilen-Preziose steuerte die FAZ bei: "Guttenberg schreibt Doktortitel vorerst ab". Und auch "Bild" schaffte es 2011 in die Hitliste: "Sonne geht morgen finster auf". Ein ehemaliger Blatt-Chef erklärte vor Jahren: "Um 18 Uhr ist Redaktionsschluss bei 'Bild', und einer sagt, wie die Schlagzeile ist. Hier endet die Demokratie." Und die Astronomie offenbar auch. Aber vielleicht gehört die Sonne ja 2012 zu den Jahressiegern.
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