Mediengrummel
Datschengebühr
Solang die Ministerpräsidenten regelmäßig ihre Gesichter auf dem Bildschirm sehen, kümmern sie sich wenig um Medienpolitik. Sie unterschreiben meist, was ihnen ihre Medienreferenten vorlegen. Diesmal allerdings könnte sich das Desinteresse der Länderchefs rächen. Nach einigem Hin und Her und ohne lästiges Detailwissen hatten sie verfügt, von 2013 an die Rundfunkgebühr nicht mehr nach Empfangsgeräten, sondern pro Haushalt zu erheben. Lauben, die nach dem Kleingartengesetz maximal 24 Quadratmeter umfassen dürfen, zählen dabei nicht. In der DDR allerdings waren für Datschen 40 Quadratmeter erlaubt. Unterkünfte dieser Größe sind laut Rundfunkstaatsvertrag nicht von der Haushaltsabgabe befreit. Zigtausende Ostlaubenpieper sind in nun Aufruhr. Sie fürchten, Rundfunkgebühren nicht nur für ihren Hauptwohnsitz, sondern auch noch für ihre Datsche zahlen zu müssen, zusammen 431,52 Euro pro Jahr.
Das Krisenszenario für die geteilte Fernsehnation liegt auf der Hand: "Wir sind das Fernsehvolk!", könnten bald die ersten Montagsdemonstranten über die Kleingartenhecken skandieren (montags kommt eh nichts Gescheites im Fernsehen). Gleichzeitig fordern sie die Kulturschaffenden bei ARD, ZDF und Deutschlandradio zu Solidaritätsaktionen auf. Ganz mutige Fernsehbrüder und -schwestern verstecken ihre Hausbücher, wenn der Abschnittsbevollmächtigte der GEZ an der Haustür klingelt. Noch rabiater gehen die Datschen-Opfer im Dresdner Elbtal vor. Im einstigen "Tal der Ahnungslosen" montieren die Gebührenwiderständler einfach ihre Rundfunkantennen wieder ab. Schließlich hat man dort schon zu DDR-Zeiten gezeigt, dass man ohne die feindseligen West-Sender auskommen kann.
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