LESESTOFF
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Wunschlos glücklicher
Jonas ist zurück, zumindest als Name. Der Mann, der in Thomas Glavinic "Die Arbeit der Nacht" als letzter verbliebener Mensch auf der Erde erwacht, erhält nun, was ihm damals wohl problemlos Gesellschaft verschafft hätte: drei Wünsche. Thomas Glavinic, guter Freund von Daniel Kehlmann und immer in dessen Windschatten unterwegs, hat mit dem "Leben der Wünsche" wieder ein fantastisches Stück fantastische Literatur vorgelegt. Wobei fantastisch hier nicht mit der Wertung gleichgesetzt werden sollte.
"Etwas geht vor sich", sagt Jonas und er hat Recht, denn die Dinge rund um die ihm versprochenen Wünsche entwickeln sich ganz anders als gewollt. Denn wie jeder halbwegs kluge Mensch hat Jonas den einzig konsequenten Wunsch geäußert: Er möchte, dass alle künftigen Wünsche in Erfüllung gehen. Er möchte Erkenntnis erlagen, über die Dinge, über das Leben. Was aber logisch klingt, hat einige unheilvolle Nebenwirkungen.
Anstatt die Vorzüge seiner Wünsch-Revue genießen zu können, muss Jonas zusehen, wie die Welt um ihn immer mehr an Stabilität verliert, Unglücksfälle häufen sich, Jonas rutscht zunehmend in eine ungewollte Passivität, sein persönliches Märchen wird zum Horrorfilm.
Glavinic erzählt das alles sehr ruhig und sachlich, er lässt Jonas und seinen Leser damit manchmal zu sehr allein. Den anderen Jonas, den aus "Die Arbeit der Nacht" hat er besser behandelt. Das würde man dem Nachfolger auch wünschen.
Thomas Glavinic, Das Leben der Wünsche, Carl Hanser Verlag, 320 Seiten, 21,50 Euro.
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