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11. Dezember 2016 | 01:25 Uhr

Überraschender Transfer : Westphals neue Welt im Volleyball-Wunderland Iran

vom

Dieser überraschende Transfer tut Dirk Westphal gut und den Netzhoppers aus Königs Wusterhausen bei Berlin weh. Im Nordwesten Irans findet der Ex-Nationalspieler neben einer anderen Kultur auch eine neue Volleyball-Welt vor.

Dirk Westphal hat in seinem Leben als Volleyballer schon einiges gesehen. Der Berliner spielte bei Vereinen in Italien, Belgien, Polen und Frankreich, bevor es ihn im Sommer eigentlich nach Brandenburg verschlug.

Doch kurz vor dem ersten Pflichtspiel für die Netzhoppers KW-Bestensee unterhielten sich zwei internationale Spieleragenten über den 30-Jährigen, wenig später war Westphals Wechsel in den Iran perfekt. Die ersten Eindrücke bei Shahrdari Täbris waren positiv. «Hier im Iran werden Volleyballspieler fast wie auf Händen getragen. Man genießt ein sehr hohes Ansehen», sagte Westphal der Deutschen Presse-Agentur.

Sein Vertrag läuft zunächst bis zum Saisonende der iranischen Liga in fünf Monaten. Völlig unbekanntes Terrain war der streng islamisch geprägte Staat für Westphal nicht. 2013 hatte der 2,03 Meter große Außenangreifer mit der deutschen Nationalmannschaft die Weltliga-Vorrunde in Teheran gespielt.

Der missratene Bundesliga-Start der Netzhoppers ohne eine ihrer Stützen war Westphal auch 3000 Kilometer Luftlinie entfernt nicht egal. Via Internet-Liveticker verfolgte er den Auftakt seines Ex-Teams. «Ich habe mitgefiebert, aber leider hat es nicht viel gebracht.» Ohne ihn war Bestensee in Herrsching beim 0:3 chancenlos. Auch Westphal kassierte bei seiner Premiere mit Täbris ein 0:3 gegen Irans Meister Sarmayeh Teheran, sah sein Team aber «auf Augenhöhe».

Nur vier Tage nach seiner Ankunft in Täbris bestritt er sein erstes Spiel für den finanzstarken neuen Club. Bis seine Familie nachkommt, wohnt der 78-malige Nationalspieler in einem Vier-Sterne-Hotel. «Mir wird sehr viel abgenommen vom Hotel, ich kann mich nur auf den Sport konzentrieren. Das ist ein Luxus, den kennt man nicht mal aus den Topligen Europas.»

Der Wechsel in die Islamische Republik ist auch mit einem Leben in einem anderen Kulturkreis verbunden. Allerdings sei Täbris «sehr europäisch geprägt», berichtet Westphal. «Es gibt viele türkische Einflüsse, den Iran, wie man ihm aus dem Fernsehen kennt, findet man hier im Alltag fast nicht wieder», sagt der WM-Dritte von 2014.

Westphal begann das Abenteuer zunächst allein ohne Frau und Kind. «Meine Familie ist erstmal zuhause geblieben. Ich bin mit meiner Lebensgefährtin nicht verheiratet und war unsicher, wie man hier damit umgeht. Aber sie werden nachreisen», erklärte er. Sein serbischer Mitspieler Milan Rašić, bislang einziger Ausländer bei Shahrdari Täbris, wohnt im gleichen Hotel.

Zwölf Mannschaften kämpfen in Irans Volleyball-Liga um die Meisterschaft. «Die Hallen sind immer voll», schwärmt Westphal und sieht Unterschiede zur deutschen Sportlandschaft: «Das Publikum in der Bundesliga will gern unterhalten werden, hier gibt es eine richtige Fankultur.» Und auf der Bank ist iranische Begeisterung auch anhand der Manpower spürbar. «Wir haben einen Trainerstab von ungefähr sieben Leuten, in Frankreich hatten wir ganze zwei. Der Headcoach hat hier keinen richtigen Stellenwert, mehr eine Repräsentationsaufgabe.» Ein Art Botschafter ist Westphal auch - zumindest auf Zeit.

Iranische Volleyball-Meister (auf Farsi)

Sport in Täbris (Farsi)

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erstellt am 25.Okt.2016 | 14:05 Uhr

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