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Tennis

04. Dezember 2016 | 21:32 Uhr

Grand-Slam-Turnier : Serena Williams schlägt Angelique Kerber in Wimbledon

vom

Angelique Kerber hat den Titel beim Tennisturnier in Wimbledon verpasst. Die 28-Jährige aus Kiel verlor am Samstag das Endspiel gegen die Weltranglisten-Erste Serena Williams aus den USA mit 5:7, 3:6.

Aus der Traum vom ersten deutschen Wimbledon-Sieg seit Steffi Graf! Deutschlands Tennis-Liebling Angelique Kerber hat den Premieren-Titel beim berühmtesten Turnier der Welt trotz einer herausragenden Leistung verpasst. Nach einem furchtlosen Auftritt blieb eine erneute Überraschung gegen Serena Williams knapp aus. Die 28 Jahre alte Kielerin musste sich nach 81 höchst unterhaltsamen und teilweise mitreißenden Minuten mit 5:7, 3:6 geschlagen geben und konnte den Coup von ihrem Australian-Open-Sieg vor rund fünf Monaten gegen die 34 Jahre alte Amerikanerin nicht wiederholen.

Serena Williams fügte ihrer imposanten Karriere ein weiteres schillerndes Kapitel hinzu. Sie gewann damit wie im Vorjahr das bedeutendste Tennisturnier weltweit und stellte einen Rekord von Steffi Graf ein. Wie Graf hat die 34 Jahre alte Amerikanerin nun 22 Grand-Slam-Titel geholt und könnte bei den US Open an der Deutschen vorbeiziehen.

Serena Williams.

Serena Williams.

Foto: dpa
 

In ihrem zweiten Grand-Slam-Finale lieferte Kerber ein starkes Match ab, am Ende war die Präzision und Power von Williams einen Tick zu gut. Die 1,73 Meter große Linkshänderin war die erste Deutsche am Finaltag auf dem berühmten Rasen seit Sabine Lisicki 2013. Trotz der bitteren Niederlage hat sie bewiesen, dass ihr Melbourne-Triumph kein Zufall war. Auch wenn es nicht geklappt hat, sich als erste Deutsche seit Graf 1996 in der ruhmreichen Siegerliste zu verewigen.

Am Ende blieb einem Turnier, in dem sie sich selbstbewusst und entschlossen präsentierte, in dem sie beeindruckend spielte, nur die Krönung im finalen Akt versagt. Auf der anderen Seite des Netzes stand aber auch die Spielerin, die das Damen-Tennis seit Jahren dominiert. Mit dem letzten Ballwechsel kürte sich die Amerikanerin Williams einmal mehr zum Champion.

Gut eineinhalb Stunden, bevor sie den Centre Court betrat, hatte sich Kerber noch auf den Trainingsplätzen im angrenzenden Aorangi Park eingeschlagen. Die Zuschauer begrüßten Kerber dann mit höflichem Applaus, als sie um 14.02 Uhr Ortszeit mit einem lilafarbenen Blumenstrauß in der Hand hinter der Titelverteidigerin auf den Platz schritt.

Vor drei Jahren stand Sabine Lisicki zuletzt an Kerbers Stelle und hielt der historischen Last gegen die Französin Marion Bartoli nicht stand. Anders als Lisicki trat Kerber nicht als Favoritin an, hatte aber schon gezeigt, dass sie die Weltranglisten-Erste mit ihrem unbändigem Willen und ihrem laufintensiven Stil überrumpeln kann. „Sie war furchtlos“, erinnerte sich Williams an Australien zurück.

Vor den Augen von früheren großen Damen des Tennissports wie Martina Navratilova, Martina Hingis und Billie Jean King gewann Kerber auf dem nicht mehr ganz so grünen Rasen gleich den ersten Punkt, musste dann aber ihrer Rivalin das erste Spiel überlassen. Doch auch die Kielerin kämpfte sich durch ihr Aufschlagspiel und setzte ein erstes Achtungszeichen. „Auf den Anfang wird es ankommen“, sagte Bundestrainerin Barbara Rittner unmittelbar vor dem Spiel bei Sky.

Kerber rackerte, ließ das Publikum toben und schaffte es, die jüngere Schwester ihrer Halbfinalgegnerin Venus Williams nicht gleich davonziehen zu lassen. Auch Williams wirkte nervös. Die Amerikanerin kam mit ihrem schnellem Aufschlag aber immer wieder zu einfachen Punkten, gerade dann, wenn sie wie bei 5:5 (15:30) unter Druck geriet. Von der Grundlinie spielte Kerber ebenbürtig. Im ungünstigsten Moment kassierte sie dann ihren ersten Aufschlagverlust und musste den ersten Satz im Turnier abgeben.

Kerber agierte am wichtigsten Tag ihres Wimbledon-Wegs auch im zweiten Abschnitt fast fehlerfrei. Beim Stand von 3:3 hatte sie ihre erste Breakchance überhaupt in dem Match, doch Williams konterte mit einem Ass und nutzte ihrerseits die Breakchance zum 5:3 gnadenlos.

Angelique Kerber gratuliert Serena Williams zum verdienten Titel.  
Angelique Kerber gratuliert Serena Williams zum verdienten Titel.   Foto: Facundo Arrizabalaga
 

Vor 20 Jahren hatte Steffi Graf auf diesem Platz im Endspiel die Spanierin Arantxa Sanchez Vicario besiegt - Kerber musste jetzt die Klasse und Souveränität ihrer Kontrahentin an dem Tag anerkennen und gratulierte Serena Williams mit einer langen Umarmung fair am Netz.

Kerber hatte Ende Januar sensationell die Australian Open gewonnen. Mit dem Erfolg über Serena Williams feierte sie ihren ersten Grand-Slam-Titel und wurde zur ersten deutschen Siegerin bei einem der vier wichtigsten Turniere seit 17 Jahren. Kerber erhält für den Final-Einzug in Wimbledon ein Preisgeld von gut 1,1 Millionen Euro. In der kommenden Woche wird sie wieder auf Position zwei der Weltrangliste geführt.

Kiel Oberbürgermeister Ulf Kämpfer hat dem Tennisstar zum Kampf um den Sieg beim Grand-Slam-Turnier von Wimbledon gratuliert. „Sie hat gezeigt, dass sie zur absoluten Weltklasse gehört und ihr Erfolg von Melbourne kein Zufallssieg war“, sagte er. „Wir sind stolz auf sie.“  Williams habe Kerber wohl noch einen Tick Erfahrung voraus, sagte Kämpfer. Wenn es aber jemand schaffen könne, Williams an der Spitze der Weltrangliste abzulösen, dann sei es Angelique Kerber.

Angelique Kerber

Angelique Kerber

Foto: dpa
 

Bis zu ihren Karriere-Höhepunkten bei den Grand-Slam-Turnieren in Australien und Wimbledon war es für Angelique Kerber ein langer Weg. Schlaglichter ihrer Karriere.

2003: In Berlin ist Kerber mit 15 erstmals bei einem WTA-Turnier dabei. Nach einem Sieg gegen die spätere Wimbledonsiegerin Marion Bartoli scheidet sie aber in der zweiten Runde der Qualifikation aus.

2006: Im belgischen Hasselt steht Kerber erstmals bei einem WTA-Turnier im Hauptfeld. Im Achtelfinale verliert sie gegen die spätere Weltranglisten-Erste Ana Ivanovic aus Serbien.

2007: Kerber gewinnt vier Titel auf der zweitklassigen ITF-Ebene. Am 14. Mai ist sie erstmals in den Top 100. In 's-Hertogenbosch erreicht sie ein Viertelfinale auf der WTA-Tour. Bei den French Open, Wimbledon und den US Open taucht ihr Name im Hauptfeld auf, sie scheitert aber jeweils zum Auftakt. In der Relegation der Weltgruppe tritt sie zum ersten Mal für das Fed-Cup-Team an.

2008: Bei den Australian Open zieht sie erstmals in die zweite Runde eines Grand Slams ein. Sie schließt das Jahr mit zwei ITF-Titeln ab.2009: Auf der WTA-Tour und bei den Grand Slams kommt Kerber nicht über die zweite Runde hinaus. Sie gewinnt einen ITF-Titel.

2010: Am 5. Juli steht die Kielerin erstmals in den Top 50. In Bogota erreicht sie erstmals ein Finale auf der WTA-Tour. In Luxemburg am Ende der Saison ist für sie noch ein Halbfinale drin.

2011: Beinahe wäre Schluss gewesen, bevor die Karriere so richtig begonnen hatte. Kerber dachte daran, aufzuhören. Ein frühes Scheitern nach dem anderen reihte sie aneinander. Doch dann zog sie bei den US Open als Weltranglisten-92. sensationell ins Halbfinale ein.

2012: Der Durchbruch: Top 20 im Februar, Top 10 im Mai, Top 5 am 22. Oktober. Kerber feiert in Paris und Kopenhagen ihre ersten WTA-Titel. In Wimbledon erreicht sie ihr zweites Grand-Slam-Halbfinale. In Cincinnati besiegt sie zum einzigen Mal vor ihrem Erfolg bei den Australian Open Serena Williams.

2013: Kerber gewinnt das Turnier in Linz, beendet das Jahr als Neunte wieder unter den Top Ten. Erstmals nimmt sie an den WTA Finals teil, der Weltmeisterschaft der besten acht Spielerinnen der Saison.

2014: In den Top Ten ist sie etabliert. Viermal steht sie in einem Endspiel, gewinnt aber keinen Titel. Mit dem Fed-Cup-Team muss sie den Final-Triumph in Prag den Tschechinnen überlassen.

2015: Die deutsche Nummer eins gewinnt die Turniere in Charleston, Stuttgart, Birmingham und Stanford, holt damit so viele WTA-Titel wie in keinem Jahr zuvor. Bei den Grand Slams schafft sie es nicht über die dritte Runde hinaus. Mit Victoria Asarenka liefert sie sich bei den US Open ein Match, das als eines der besten des Jahres gilt.

2016: Schneller konnte sie ihren Worten kaum Taten folgen lassen. Sie wolle es endlich auch bei den großen Turnieren „krachen“ lassen, kündigte Kerber vor der neuen Saison an. Dann schafft sie bei den Australian Open mit einer Weltklasse-Leistung die Sensation: In ihrem ersten Endspiel bei einem Grand-Slam-Turnier gewinnt sie gegen Serena Williams. Sie kürt sich zur ersten deutschen Siegerin bei einem der vier großen Turniere seit Steffi Graf vor 17 Jahren in Paris. Bei den French Open fliegt sie dann zwar in der ersten Runde raus, bestätigt dann in Wimbledon aber eindrucksvoll, dass sie zur Weltspitze gehört: Sie zieht in das Endspiel ein. Ein Riesenerfolg, auch wenn sie gegen Serena Williams diesmal nach 81 Minuten 5:7, 3:6 verliert.

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erstellt am 10.Jul.2016 | 09:42 Uhr

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