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04. Dezember 2016 | 21:25 Uhr

Schwimmen : «Schuss vor den Bug»? - Koch kann mit EM-Silber leben

vom

Vor der abendlichen Gesprächsrunde über EM-Silber nahm Marco Koch für die 15 Meter über dem Schwimmbecken lieber den Lift. «Treppe war noch nie meins, vor allem nicht berghoch», sagte der Weltmeister grinsend.

Kochs erste Niederlage über 200 Meter Brust in einem Meisterschaftsrennen seit fast drei Jahren nahm aus dem deutschen Lager keiner schwer. «Mehr war einfach nicht drin. Lieber hier nicht voll vorbereitet und ein bisschen angeschlagen als im August», erklärte Koch und machte es sich in der Lounge seines Hauptsponsors im Londoner Aquatics Centre bequem.

Über allem steht das große Ziel: Olympiasieg am 10. August in Rio de Janeiro. Koch hatte die Europameisterschaften in London eh nur als «Testwettkampf» deklariert, wollte dort die olympischen Abläufe mit Vorlauf, Halbfinale und Endlauf am folgenden Tag noch einmal testen. Doch der Darmstädter ging nicht fit an den Start. Nach vier Tagen Pause wegen einer Schulterblessur erwischte den 26-Jährigen ausgerechnet kurz vor seinen Rennen eine Erkältung.

«Etwas verschleimt» konnte Koch nicht optimal atmen - denkbar schlechte Voraussetzungen für einen Leistungssportler. «Ich bin reingehüpft und habe gedacht, ich habe meinen Schnorchel vom Einschwimmen dabei, einfach wenig Luft bekommen. Dann wird man etwas träge und vorsichtig», berichtete Koch. Ihm fehlte nach der unfreiwilligen Trainingspause auch das nötige Gefühl für das Wasser, das für die in dieser Hinsicht sensiblen Schwimmer so wichtig ist.

Für einen unfitten Koch war die Zeit von 2:08,40 Minuten alles andere als schlecht. Nur drei Schwimmer waren weltweit in diesem Jahr schneller. Die Weltjahresbestzeit von 2:07,69 Minuten hält Koch eh selbst. Europameister Ross Murdoch, der sieben Hundertstelsekunden vor Koch anschlug, wird übrigens in Rio über die 200 Meter nicht starten: Er scheiterte in der britischen Qualifikation.

Freitagfrüh startete für Koch der Flieger nach Deutschland, nach einem freien Wochenende zur Erholung geht es am Montag ins Trainingslager nach Belek in die Türkei. Heimtrainer Alexander Kreisel konnte der Niederlage auch etwas Positives abgewinnen: «Vielleicht ist es im richtigen Moment ein Schuss vor den Bug. Mal nicht zu gewinnen, ist auch mal nicht verkehrt.» Chefbundestrainer Henning Lambertz war «sehr, sehr zufrieden» mit Koch. «Ich würde nie in Zweifel ziehen, dass das richtig war, die EM zu schwimmen», sagte er.

Ohne EM-Gold von Koch könnte es die erste EM ohne deutschen Schwimmer-Sieg seit 1958 geben. Da die anderen Besten um Paul Biedermann sich bereits voll auf Olympia vorbereiten war der Deutsche Schwimm-Verband größtenteils mit Nachwuchskräften vertreten. Diese taten sich aber oft schwer und agierten zu nervös, viele erreichten nicht ihre Bestzeiten. Genau diese Erfahrung will Lambertz aber dem Perspektivteam vermitteln.

Allein Franziska Hentke kann die deutsche Medaillenbilanz noch aufbessern. Die WM-Vierte aus Magdeburg bestreitet am Samstagvormittag ihren Vorlauf über 200 Meter Schmetterling. Aber sie geht die EM aus dem vollen Training heraus an.

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erstellt am 20.Mai.2016 | 12:45 Uhr

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