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04. Dezember 2016 | 00:48 Uhr

Trainer ohne Verträge : Reform in der Kritik: Geld nur für Potenzial

vom

Die Spitzensport-Reform sorgt nach Olympia in Rio für kontroverse Diskussionen. Am 3. Dezember muss der DOSB entscheiden. Präsident Alfons Hörmann erwartet Zustimmung, angesichts noch offener Fragen aber keine Euphorie.

Der deutsche Sport steht vor harten Jahren. Mit Blick auf die Reform der Spitzensportförderung sind zahlreiche Athleten derzeit verunsichert - und viele Bundestrainer haben drei Wochen vor der entscheidenden DOSB-Mitgliederversammlung noch nicht einmal einen Vertrag für 2017.

Dass es am 3. Dezember in Magdeburg hitzige Debatten zum Reformprojekt von Politik und Sport geben dürfte, wurde schon in der illustren Talk-Runde im «Aktuellen Sportstudio» des ZDF deutlich.

In der lebhaften Debatte ging es am 12. November abends vor allem um eins - um das liebe Geld. Wer bekommt es künftig, wenn die neuen Förderkriterien greifen? Die «Guten» sollen mehr, die «Schlechten» weniger erhalten. Künftig sollen Potenzial und Medaillenchancen stärker belohnt werden, alte Erfolge dagegen keinen Wert mehr haben.

Ungewissheit herrscht unter den meisten Bundestrainern: Viele haben sieben Wochen vor dem Jahresende immer noch keine Verträge für 2017. Darauf verwies Henning Lambertz, Cheftrainer der Schwimmer. «In meiner Sportart ist es momentan auch so», sagte Lambertz, und er selber habe ebenfalls noch keinen Vertrag für das neue Jahr. Auch DOSB-Chef Alfons Hörmann regt das auf: «Davon müssen wir wegkommen. Das sind inakzeptable Zustände.»

Unter Athleten ist vor allem die Potenzial-Diskussion umstritten. «Ich finde, dass die Aussicht auf eine Medaille ja nicht der einzige Grund ist, warum man Sport fördert», sagte Fechter Max Hartung, zugleich Mitglied der Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Der Triathlon-Olympiasieger und zweimalige Ironman-Weltmeister Jan Frodeno bemängelte fehlende Transparenz und Kommunikation, speziell bei den künftigen Förderkriterien für einzelne Sportarten. Dies sei für ihn etwa so wie ein «Prinzip Glaskugel». Das Potenzialanalysesystem Potas ist ein zentraler Punkt der Leistungssportreform, die am 1. Januar 2018 in Kraft treten soll.

Der auch für den Spitzensport zuständige Bundesinnenminister Thomas de Maizière versprach eine Aufstockung der Mittel. «Ich werde mich dafür einsetzen, dass es mit der Reform der Spitzensportförderung mehr Geld gibt», sagte der CDU-Politiker im Sportstudio. «Aber so, dass wir eben in Potenziale fördern.» Es dürfe aber keine Förderung nach dem Gießkannenprinzip geben, forderte de Maizière. «Wer wenig Potenzial hat, kann nicht so viel Geld kriegen wie jener, der viel Potenzial hat. Wir reden über Leistungssport.» Der deutsche Sport kann im Jahr 2017 mit insgesamt 167 Millionen Euro planen.

Die Reform soll am 3. Dezember auf der DOSB-Mitgliederversammlung in Magdeburg verabschiedet und anschließend dem Kabinett vorgelegt werden. Präsident Hörmann befürchtet dort keine Ablehnung der Leistungssportreform, «aber die Zustimmung wird zumindest keine mit großer Begeisterung sein oder von Euphorie getragen, weil natürlich noch viele Fragezeichen im Raum stehen», meinte er.

Von der Sporthilfe kamen positive Signale zur Reform. «Unsere Förderung der potenzialreichsten Talente und besondere Unterstützung der leistungsstärksten Athleten im Aktivenbereich soll zielgerichtet dazu beitragen, dass sie Leistungssport in der Weltspitze betreiben können, mit fairen Mitteln natürlich», teilte die Deutsche Sporthilfe am Sonntag auf dpa-Anfrage mit.

Sendung in der ZDF-Mediathek

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erstellt am 13.Nov.2016 | 12:30 Uhr

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