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04. Dezember 2016 | 15:19 Uhr

Paralympics : «Kriminelle Clique»: Beucher verteidigt Russen-Ausschluss

vom

Die russische Mannschaft ist nicht dabei, wenn am Mittwoch in Rio de Janeiro die Paralympischen Spiele beginnen. Der deutsche Behindertensport-Chef Friedhelm Julius Beucher verteidigte diesen Ausschluss in einem dpa-Interview vehement.

Für Friedhelm Julius Beucher sind zwei Dinge klar: Der Ausschluss Russlands von den am Mittwoch beginnenden Paralympics musste sein. Und die internationalen Sportverbände sollten im Anti-Doping-Kampf künftig genauso rigoros durchgreifen.

«Ich hoffe, dass wir mit dieser IPC-Entscheidung die Tür zu einer neuen Qualität konsequenter Bekämpfung von Doping-Praktiken aufgemacht haben», sagte der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Das gigantische Doping-System in Russland sei «ein No-Go! Wenn man einem solchen Verhalten keine Null-Toleranz-Politik entgegensetzt und Worten keine Taten folgen lässt, dann ermuntert man andere Länder, etwas Ähnliches zu tun».

Beucher berichtet von teilweise beängstigenden Reaktionen auf die Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees. «Es gab einen Aufschrei der Empörung in Russland - und auch in Deutschland in den sozialen Netzwerken», sagte er. «Es gab Büroanrufe beim IPC in Bonn und auch in unserer Geschäftsstelle in Frechen. Wir nehmen an, dass es sich dabei um eine konzertierte Aktion handelt, so werden eben heute Meinungen produziert. Aber dazu sage ich ganz platt: Die Kritik hat getroffen! Anders ist das nicht zu erklären.»

Das IPC hatte mit seiner Entscheidung im August auf die massiven Doping-Enthüllungen in Russland reagiert. Auch das Gegenargument, dass mit diesem Ausschluss eine Kollektivstrafe ausgesprochen wurde, ohne Doping-Nachweise in den vielen Einzelfällen erbracht zu haben, überzeugt Beucher nicht. «Ich kann nur darüber spekulieren, ob dieser Ausschluss auch Unschuldige trifft», sagte der SPD-Politiker und frühere Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestages.

«Als Gegenargument wird ja in unserem Fall auch häufig die Mitleidsschiene benutzt: Wie könnt ihr die behinderten russischen Athleten um die Chance ihres Lebens bringen?», meinte Beucher weiter. «Ich sage dazu: Unfairness und Rücksichtslosigkeit sind begangen worden von einer kriminellen Clique aus russischen Sportverbänden, dem russischen Sportministerium und dem Geheimdienst. Sie haben in Kauf genommen, dass ihre Athleten gar nicht in der Lage sind, ihre Unschuld zu beweisen. Wie will ich das schaffen, wenn ich weiß, dass Proben vertauscht wurden, anderes Urin in den Proben drin ist oder Proben ganz verschwunden sind?»

Doping bei den Paralympics leugnet der 70-Jährige nicht. Er hält dieses Problem nur für nicht derart stark verbreitet wie im olympischen Leistungssport. «Wir befinden uns im Behindertensport in einem besonders sensiblen Bereich, weil unsere Athletinnen und Athleten aufgrund ihrer Einschränkungen Medikamente nehmen müssen», sagte Beucher. «Und sie müssen diese Medikamente natürlich in einem viel stärkeren Maß dokumentieren oder sogar nach Ersatzmedikamenten suchen als im olympischen Sport. Deshalb haben wir einen gewachsenen, engeren Kontakt zu den Anti-Doping-Organisationen wie der NADA.»

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erstellt am 06.Sep.2016 | 06:05 Uhr

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