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08. Dezember 2016 | 23:05 Uhr

Leichtathletik : IAAF greift durch: Diack-Intimus Davies vorläufig gesperrt

vom

Ein halbes Jahr nach Ausbruch des größten Skandals in der Leichtathletik hat der Weltverband ein weiteres Zeichen gesetzt und gleich drei Funktionäre für 180 Tage gesperrt.

Dem Trio wird Bestechlichkeit vorgeworfen. Prominenteste Personalie ist Nick Davies, Ex-Pressechef und langjähriger enger Vertrauter des dubiosen IAAF-Präsidenten Lamine Diack. Dies teilte die Ethik-Kommission der IAAF in einer dreiseitigen Erklärung mit. Neben Davies wurden Jane Boulter-Davies aus der IAAF-Zentrale und Pierre-Yves Garnier, Manager im Medizinischen Stab, für sechs Monate gesperrt.

Die Suspendierung steht in Verbindung mit einer E-Mail vom Juli 2013, die der damalige IAAF-Präsident Diack von seinem Sohn erhielt. Papa Massata Diack war damals Marketing-Berater der IAAF.

Die Sperren seien «im Interesse der Integrität des Sports» verhängt worden», betonte der Kommissions-Vorsitzende Michael Beloff in dem Statement. Vor den nun folgenden Untersuchungen dürfe es keinerlei Vorverurteilungen geben. Für die IAAF sei nun von größter Priorität, «die Wahrheit über dieses Vorwürfe, die gegen den Sport erhoben wurden, herauszufinden».

Die Ethikkommission behauptet, dass der Engländer Nick Davies «eine nicht genannte Barzahlung» im Jahr 2013 von Diacks Sohn erhielt und IAAF-Ermittler in Bezug auf diese Zahlung in die Irre führte. Auch Boulter-Davies und Garnier sollen in diesem Jahr illegale Zahlungen erhalten oder davon Kenntnis gehabt haben.

Diack-Intimus-Davies hatte im Dezember 2015 sein Amt als Büroleiter des neuen IAAF-Präsidenten Sebastian Coe niedergelegt. Eine E-Mail von Davies an Papa Massata Diack legte nahe, dass vor den Weltmeisterschaften 2013 in Moskau die Veröffentlichung der Namen russischer Dopingsünder verzögert werden sollte. Durch eine «inoffizielle PR-Kampagne» wollte Davies «einen internationalen Medienskandal vermeiden».

Lamine Diack, der in seiner Amtszeit mehr als eine Million Euro für die Vertuschung positiver Doping-Proben kassiert haben soll, wurde am 10. November 2015 vom IOC als Ehrenmitglied suspendiert. Zuvor hatte die französische Justiz Anklage gegen den 82-Jährigen erhoben: Dem Senegalesen wird Bestechlichkeit und Geldwäsche vorgeworfen.

Am 7. Januar sperrte die IAAF-Ethikkommission auch Diacks Sohn, den ehemaligen IAAF-Schatzmeister Walentin Balachnitschjow und Russlands Ex-Cheftrainer Alexej Melnikow lebenslang.

Interne Dokumente aus der IAAF-Zentrale, die der Nachrichtenagentur AP zugespielt wurden, belegen, dass der Weltverband seit 2009 vom massiven Doping in Russland gewußt haben soll.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA wirft Russland systematisches Doping vor. Das IAAF-Council hatte die Gesamtrussische Leichtathletik-Föderation (WFLA) am 26. November 2015 offiziell aus dem Weltverband ausgeschlossen. Moskau darf bis auf weiteres keine Sportler zu internationalen Veranstaltungen schicken. Das IAAF-Council entscheidet am 17. Juni über einen Ausschluss der russischen Leichtathleten von den Olympischen Spielen in Rio.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband appellierte an IOC-Präsident Thomas Bach, nach den jüngsten Doping-Skandalen entschlossen zu handeln. «Die Erkenntnisse der jüngeren Vergangenheit zu den Olympischen Spiele 2008 und 2012 haben gezeigt, dass die Chancengleichheit ganz offensichtlich nicht durchgängig gegeben war», heißt es in einem Offenen Brief, den DLV-Chef Clemens Prokop auf Bitten von Athleten an das IOC geschickt hat.

Damit seien nicht nur Sportler betrogen, sondern auch das IOC und die olympische Idee hintergangen worden. «Ich bitte Sie daher, die Sorge der Athleten ernst zu nehmen und alle Möglichkeiten für glaubwürdige und chancengleiche Wettkämpfe in Rio auszuschöpfen», schreibt Prokop.

IAAF-Mitteilung

Bericht der Ethik-Kommission

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erstellt am 10.Jun.2016 | 13:34 Uhr

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