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09. Dezember 2016 | 06:55 Uhr

Paralympics : Gold für Deutschland: Siegkandidaten bei den Paralympics

vom

Bei den Paralympics in London holten die deutschen Sportler 2012 insgesamt 66 Medaillen (18 Mal Gold, 26 Mal Silber, 22 Mal Bronze). Auch in Rio de Janeiro wollen Markus Rehm und Co. wieder erfolgreich sein.

Die Deutsche Presse-Agentur stellt einige der deutschen Gold-Hoffnungen vor:

Markus Rehm (Leichtathletik): Der 28 Jahre alte Fahnenträger des deutschen Teams, dem als Jugendlicher nach einem Wakeboard-Unfall der rechte Unterschenkel amputiert werden musste, ist im Weitsprung ohne Konkurrenz. Der Gold-Junge von London 2012 ist Welt- und Europameister, hält mit 8,40 Metern den Weltrekord. Er springt über einen Meter weiter als seine Konkurrenz. Rehm wollte wie einst Oscar Pistorius auch bei den Olympischen Spielen starten. Aber der Leichtathletik-Weltverband änderte die Regeln und er musste nachweisen, dass er durch seine Prothese keinen Vorteil hat. Das gelang ihm nicht zu 100 Prozent. Sein neues Ziel ist die WM 2017.

Andrea Eskau (Radsport): Andrea Eskau ist die einzige im deutschen Team, die Gold bei Sommer- und Winter-Paralympics gewann. Die seit 1998 nach einem Rad-Unfall querschnittsgelähmte Diplom-Psychologin holte dreimal Gold mit dem Handbike. Bei den Winter-Paralympics in Sotschi siegte sie 2014 im Biathlon und Langlauf. Zudem holte sie in den drei Sportarten bisher insgesamt 21 WM-Titel. Eskau, die wegen ihres Kampfgeistes den Spitznamen «Tigerin» hat, ist auch in Rio eine Favoritin: «Ich will nochmal Gold gewinnen.» Wenngleich das Klima an der Copacabana für sie als Asthmatikerin «nicht so prickelnd ist». Bis zu den Winterspielen 2018 will sie noch weitermachen, danach ist Schluss.

Heiko Kröger (Segeln): Einmal Paralympics-Sieger und achtmal Weltmeister: Der 50-Jährige, dem seit der Geburt sein linker Unterarm fehlt, ist in der Einmann-Kielbootklasse 2.4mR einer der Top-Favoriten. Seine sechsten Paralympics werden aber wohl auch seine letzten sein. Denn Segeln ist 2020 in Tokio nicht mehr im Programm. Der fünffache Vater trug in Athen 2004 als erster Segler die deutsche Fahne. In London gewann er Silber. Jetzt soll das zweite Gold her. «Ich habe 2000 in Sydney Gold geholt und möchte es in Rio sehr gerne wiederholen. Der WM-Titel im Mai ist sehr gut für das Selbstvertrauen», sagte der 50-Jährige.

Franziska Liebhardt (Leichtathletik): Die 34-Jährige war fast schon tot. Vor zehn Jahren kam die Diagnose: eine unheilbare Autoimmunkrankheit zerstört ihre Organe. 2009 versagte die Lunge, sie lag im Sterben. In letzter Sekunde erhielt sie ein Spenderorgan. Vor vier Jahren versagten dann die Nieren. Eine Spende ihres Vaters rettete sie. Leistungssport? Für die Ärzte völlig unvorstellbar. Aber die Kinder-Physiotherapeutin gibt alles. Wegen ihrer Erkrankung erlitt Liebhardt einen Schlaganfall und hat eine leichte halbseitige Spastik. Trotzdem wurde sie innerhalb von zwei Jahren zur weltbesten Kugelstoßerin des Behindertensports: Weltrekord mit 13,82 Metern. Die Europameisterin und WM-Zweite startet in Rio auch im Weitsprung. Danach ist Schluss.

Vanessa Low (Leichtathletik): Als 15-Jährige verlor die Sprinterin 2006 bei einem Unfall an einem Bahnsteig beide Beine und lag zwei Monate im Koma. Der Sport half der gelernten Mediengestalterin zurück ins Leben. Die gebürtige Lübeckerin wollte nach London 2012 schon ihre Karriere beenden. Aber seit November 2013 lebt und trainiert die 26-Jährige in Oklahoma City/USA - und ist erfolgreicher denn je. Sie ist Europameisterin, Weltmeisterin und Weltrekordhalterin im Weitsprung. Als einzige doppelt Oberschenkel amputierte Weltklasse-Sportlerin tritt sie fast ausschließlich gegen Frauen an, die noch ein gesundes Bein haben. Sie ist mit dem Unterschenkel amputierten Sprinter Scott Reardon liiert und will nach den Paralympics zu ihm nach Australien ziehen.

Edina Müller (Kanu): Paralympisches Gold hat Edina Müller schon: 2012 triumphierte sie mit den Rollstuhl-Basketballerinnen. Sie gewann zudem dreimal EM-Gold sowie WM-Silber und Bronze. 2014 suchte die Hamburgerin eine neue Herausforderung und stieg ins Kanu um. Sie könnte in Rio Geschichte schreiben, denn Kanu ist erstmals paralympisch. Müller ist als Weltmeisterin und Europameisterin eine der Top-Favoritinnen. Als Teenager spielte sie Volleyball. Nach einem Spiel hatte die damals 16-Jährige Rückenschmerzen. Ein Orthopäde versuchte, einen Wirbel wieder einzurenken. Dabei wurde ihr Rückenmark irreparabel beschädigt.

Heinrich Popow (Leichtathletik): Er ist eines der Gesichter des deutschen Behindertensports. Der Leverkusener, der mit seinen Eltern als Siebenjähriger aus Kasachstan nach Deutschland kam, gewann bei Paralympics, WM und EM fast 30 Medaillen. Als er neun Jahre alt war, musste ihm sein linkes Bein bis zum Oberschenkel wegen eines bösartigen Tumors amputiert werden. 2015 musste Popow verletzungsbedingt die WM auslassen. In Rio soll nun sein zweiter Gold-Coup nach London 2012 klappen. «Der Titel ist mein Ziel», sagt der nie um einen Spruch verlegene Popow. Im Weitsprung sprang er mit 6,77 Metern Weltrekord.

Martin Schulz (Triathlon): Der Leipziger könnte als erster Paralympics-Sieger im Triathlon Geschichte schreiben. Der 26-Jährige holte sich erst im Juli zum dritten Mal WM-Gold und davor zum fünften Mal den EM-Titel. Dem Leipziger, der 2012 in London noch im Schwimmen startete, fehlt der linke Unterarm. Als Schwimmer gewann er international zahlreiche Medaillen. Aber: «Triathlon ist der Sport, der am besten zu mir passt», sagt Schulz. Im Alter von 15 Jahren überredete er seine Eltern, mal bei einem Triathlon starten zu dürfen: «Ab da hat mich der Triathlon-Virus gepackt.»

Michael Teuber (Radsport): Der 48-Jährige ist einer der erfolgreichsten deutschen Paralympics-Sportler. Er holte 2012 den Titel im Einzelzeitfahren auf der Straße, gewann insgesamt schon vier Mal Gold. Es sind seine fünften Paralympics. Der 18-malige Weltmeister und 16-malige Europameister veröffentlichte seine Biografie: «Aus eigener Kraft». Im Alter von 19 Jahren verschuldete ein Schuldfreund einen Autounfall. Teuber kämpfte verbissen gegen die Ärzteprognose Rollstuhl an und konnte fünf Jahre später mit Carbon-Schienen an seinen gelähmten Unterschenkeln wieder laufen. Seit 1999 ist er professioneller Sportler, Bergsteiger und Abenteurer.

Daniela Schulte (Schwimmen): Die Berlinerin ist die Grande Dame im deutschen Paralympics-Schwimmen. Schon vor 20 Jahren in Atlanta holte sie im zarten Alter von 14 Jahren zweimal Gold mit den Staffeln. Nach Silber über 100 Meter Rücken in Sydney 2000 setzte sie mit dem Sport aus. Drei Jahre später wurde sie Mutter von Zwillingen - und stieg 2007 wieder in Schwimmbecken. Seit 1995 hat die sehbehinderte Berlinerin fast 70 Weltrekorde aufgestellt - 20 davon allein im Jahr 2009. Bei den Paralympics in London 2012 war die 34-Jährige Fahnenträgerin bei der Eröffnungsfeier und gewann anschließend Gold über 400 Meter Freistil.

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erstellt am 07.Sep.2016 | 05:05 Uhr

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