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05. Dezember 2016 | 15:42 Uhr

«Fatales Signal» : Gewichtheber und Ringer entsetzt über Pläne de Maizières

vom

Dass deutsche Spitzensportler mit Fördermittelentzug bestraft werden könnten, weil die Konkurrenz dopt und deshalb die Medaillen kassiert, hat wütende Proteste ausgelöst. Der Vorstoß des Bundesinnenministers sei ein «fatales Signal».

Die deutschen Gewichtheber und Ringer Denis Kudla haben mit Entsetzen auf die Überlegungen von Bundesinnenminister Thomas de Maizière reagiert, dopingverseuchte Sportarten eventuell nicht mehr zu fördern.

«Wenn eine Sportart 'verseucht' ist, dann liegt es auch daran, dass unsere Bundesregierung bislang nichts getan hat, um dies zu verhindern bzw. die bekannten Probleme zu bearbeiten und zu lösen», schrieb Christian Baumgartner an DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber sei «erstaunt über so ein hohes Maß an Unkenntnis und Dickfelligkeit».

Auch Bundestrainer Oliver Caruso kritisierte im «Mannheimer Morgen» die Aussagen von de Mazière. «Es kann doch nicht sein, dass wir für Vergehen bestraft werden, die namentlich bekannte Nationen immer wieder gemacht haben», sagte der Olympia-Dritte von 1996. «Der Wegfall der Fördermittel wäre ein fatales Signal.»

Ringer Kudla bezeichnete die Überlegungen von de Maizière als «absurd». «Es wäre schrecklich, dass wir dafür leiden müssen, wenn in anderen Ländern gedopt wird», argumentierte der Olympia-Dritte von Rio ähnlich wie Caruso. In den östlichen Ringer-Nationen sei Doping ein Problem. «Aber dafür können wir doch nichts», sagte Kudla am Freitag am Rande der von der Deutschen Sporthilfe organisierten Veranstaltung «Champion des Jahres» im spanischen Playa Granada. Das Anti-Doping-System sei nirgendwo so hart wie in Deutschland.

Am Mittwoch war in Berlin der Entwurf zur Reform der Spitzensportförderung vorgestellt worden. Er sieht unter anderem vor, dass potenzialorientierter gefördert werden soll. Der Innenminister hatte in einem Interview der «Süddeutschen Zeitung» angekündigt, die Spitzensport-Förderung künftig mit der Doping-Problematik zu verknüpfen. «Wenn eine Sportart strukturell dopingverseucht ist, habe ich Zweifel, ob wir diese Sportart mit Steuergeldern fördern sollten», sagte de Maizière.

Die Konsequenz: Deutsche Sportler, die in Problemsportarten seit Jahren nicht dopen, der Weltspitze hinterherrennen und für Fairplay kämpfen, würden bestraft. «So gräbt man den Sportlern, die Widerstand gegen Doping leisten, das Wasser ab», betonte Baumgartner.

Gewichtheber-Präsident Baumgartner sieht es als Aufgabe der Politik an, konsequenter im Kampf gegen weltweites Doping voranzugehen. Die Förderung einzustellen hieße nichts anderes als: «Wir kapitulieren!» Das sei ein «fatales Signal» für die Jugend. «Sie muss denken: Sauber zu sein, das lohnt nicht», sagte Baumgartner. «Ich weiß nicht, was sich ein Innenminister bei solchen Aussagen denkt.»

Kopfschütteln löste de Maizière auch bei den Sportlern aus. «Wir deutsche Gewichtheber sind sauber. Wir werden im Wettkampf beschissen, weil wir gegen die Gedopten keine Chance haben. Jetzt will man uns doppelt und dreifach bestrafen und uns auch noch die Förderung wegnehmen» klagte Almir Velagic, Olympia-Neunter in Rio.

Einzelne Sportarten «denen zu überlassen, die betrügen und die internationalen Regeln und olympischen Werte mit Füßen treten, wird wohl kaum dazu führen, das beabsichtigte Ziel zu erreichen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie die Verbände in Russland, Kasachstan, Weißrussland, Armenien usw. usw. jubilieren, wenn sie so eine Meldung lesen», kommentierte Baumgartner die Aussagen de Maizières. Falls die Bundesregierung künftig zwischen «guten und bösen Sportarten unterscheiden will, dann diskriminiert sie nicht nur die Leistungssportler in Deutschland, sondern auch die Hobby- und Freizeitsportler».

Jürgen Spieß vom AV 03 Speyer war in Peking Neunter, gehörte danach nicht zu den geförderten Sportlern. Durch die acht Jahre später erwischten Dopingbetrüger ist er auf Platz sechs vorgerückt. Damit hätten sowohl er als auch der Verband Fördergelder erhalten müssen.

Auch die Diskussion über die Olympiastützpunkte (OSP), von denen bundesweit 6 von derzeit 19 verschwinden sollen, nimmt Fahrt auf. Der Stuttgarter OSP-Chef Klaus Tappeser lehnt eine Reduzierung der vier Olympiastützpunkte in Baden-Württemberg im Zuge der geplanten Spitzensport-Reform ab.

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erstellt am 30.Sep.2016 | 19:30 Uhr

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