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Eishockey

10. Dezember 2016 | 08:02 Uhr

Deutsche-Eishockey-Liga : Hamburg Freezers beantragen keine neue DEL-Lizenz

vom

Weil sich kein Käufer findet, meldet Eigentümer Anschutz Entertainment Group eins seiner zwei DEL-Teams aus dem Spielbetrieb ab.

Hamburg | Erst die Olympia-Pleite, dann die Insolvenz der HSV-Handballer, nun das wahrscheinliche Aus der Freezers: Die stolze Sportstadt Hamburg verkommt mehr und mehr zur Sportlos-Metropole und hat künftig außer „König Fußball“ nicht mehr viel zu bieten. Denn nach derzeitigem Stand beantragen die Hamburg Freezers keine Lizenz für die DEL-Saison 2016/17. Diese überraschende Entscheidung der Anschutz Entertainment Group (AEG), Eigentümer des Eishockey-Clubs, gaben die Hanseaten am Mittwoch bekannt. Wie für Hamburg, wo künftig nahezu allein die Fußballer des HSV und FC St. Pauli höherklassigen Sport anbieten werden, wäre das Aus auch für die DEL ein schwerer Schlag. Der obersten Spielklasse gehören die Freezers seit 2002 an.

Gibt es in den kommenden Tagen keine Lösung, droht Hamburg abseits des Fußballs immer mehr zur Sportlos-Stadt zu verkommen. Nach dem bitteren Aus für die Olympia-Bewerbung 2024, der Insolvenz der HSV-Handballer und dem freiwilligen Abstieg der VTA-Volleyballerinnen droht auch der Verlust der hochklassigen Profirad-Veranstaltung Cyclassics. In der Hansestadt würden dann nur noch der HSV und der FC St. Pauli höherklassigen Sport bieten.

AEG begründete die Entscheidung damit, sich aus wirtschaftlichen Gründen in der DEL künftig allein auf den weit erfolgreicheren Rekordmeister Eisbären Berlin zu konzentrieren. Zuletzt hatten sich die Freezers nicht einmal für die Pre-Playoffs qualifizieren können.„Seit 2011 ist unser Ziel, uns auf ein Team zu beschränken“, sagte Tom Miserendino, der Präsident von AEG Europe. Allerdings gibt es noch ein Hintertürchen: Erst bis kommenden Dienstag muss der Lizenz-Antrag eingereicht sein. „AEG beabsichtigt nicht, die Lizenz für die Freezers zu beantragen, es sei denn, es findet sich bis zu diesem Zeitpunkt ein passender Käufer“, so die Mitteilung.

„Alles andere wäre schlecht für das Eishockey“, sagte Hamburgs Sportstaatsrat Christoph Holstein der Deutschen Presse-Agentur. Er sei von den schlechten Neuigkeiten „überrascht“ worden, nun müsse man „abwarten“, ob eine schnelle Lösung möglich sei. „Wir wissen: Es ist eine unternehmerische Entscheidung der Anschutz Group und keine des Sports“. Auch wenn Hamburg nach dem gescheiterten Olympia-Referendum und der Insolvenz der nun drittklassigen HSV-Handballer den dritten heftigen Rückschlag binnen eines halben Jahres verkraften muss, sieht er die Zukunft als Sportstadt positiv. „Hamburg bleibt eine internationale und ambitionierte Sportstadt“, betonte Holstein.

„Die Sportstadt Hamburg ist angezählt und taumelt dem K.o. entgegen“, kritisierte hingegen Thomas Kreuzmann, der sportpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion. Freezers-Kapitän Christoph Schubert war „geschockt“ und bat die Stadt um Unterstützung: „Sportstadt Hamburg, wir brauchen eure HILFE!!! Wir haben 6 Tage. Das kann es nicht gewesen sein“, schrieb er in seinem Tweet.

Für die DEL kamen die Nachrichten wie „aus heiterem Himmel“, bekannte Geschäftsführer Gernot Tripcke. „Man muss mal hoffen, dass noch ein Ruck durch den einen oder anderen geht“, sagte er und hofft, dass sich kurzfristig neue Sponsoren finden. Sollte dies nicht der Fall sein, würden Nachrücker-Regelungen greifen, so dass die DEL 2016/17 auch ohne Auf- und Abstieg wieder mit 14 Clubs spielen werde.

Zweitliga-Meister Kassel Huskies plant, auch 2016/17 in der DEL2 anzutreten. „Unser Plan ist DEL2, Stand heute. Ob man was machen kann, muss man schauen“, meinte Geschäftsführer Joe Gibbs. „Wir schließen nicht alles aus, bevor wir nicht alles analysieren können.“ Für Freezers-Geschäftsführer Uwe Frommhold scheint das Aus jedoch so gut wie besiegelt. „Ich habe ein Prozent Hoffnung, dass es mit den Freezers doch weitergeht“, sagte er - und bedankte sich schon mal bei allen Mitarbeitern und Spielern für ihren Einsatz. „Gleiches gilt für das Engagement und die Unterstützung der Fans und Partner der Hamburg Freezers. Mit ihrer einmaligen Stimmung haben sie das Team immer motiviert und unterstützt“, erklärte Frommhold.

2011 standen die „Eisschränke“ schon einmal zum Verkauf. Damals wurde die Hamburger Privatbank M. M. Warburg damit beauftragt, einen neuen Investor zu finden. Letztlich bekannte sich US-Milliardär Philip F. Anschutz aber doch zum Eishockey-Standort Hamburg. Diesmal sieht es aber so aus, dass die Entscheidung unwiderruflich ist.

Auf Twitter reagieren Fans und Vereine entsetzt:

 
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erstellt am 18.Mai.2016 | 15:59 Uhr

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