zur Navigation springen

Weitere Sportarten

03. Dezember 2016 | 18:50 Uhr

DFB in der Zwickmühle : Beckenbauers WM-Schatten belastet EM-Projekt 2024

vom

Der DFB steckt im Spagat zwischen zwei Turnieren. Der Skandal um die WM 2006 wird zur unendlichen Affäre. Dabei will der Verband doch eigentlich den Fokus auf die EM 2024 legen. Hoffnung für diese Bewerbung macht ein Mitglied der UEFA-Regierung.

Im Sonnenaufgang verabschiedete sich Reinhard Grindel nach dem UEFA-Kongress aus Athen. Seinen Ärger über die aufgeflogene Millionen-Vergütung des als selbstlosem WM-Heilsbringer längst entzauberten Franz Beckenbauer nahm der DFB-Präsident mit in die Heimat.

Auch dort wird ihn die Affäre weiter beschäftigen. Wieder einmal werden in der DFB-Zentrale Akten gewälzt und Bilanzen geprüft. Was passierte rund ums Sommermärchen noch alles? Niemand will sich derzeit festlegen, dass nicht noch mehr Mauscheleien und Ungereimtheiten zutage kommen.

Die Veröffentlichung eines Sitzungsprotokolls der WM-Organisatoren aus dem Jahr 2003 durch den DFB selbst lässt den Rückschluss zu, dass weitere Provisionen aus Sponsorenaktivitäten wie im Fall Oddset für Beckenbauer damals zumindest möglich waren. Jedes Fehlverhalten des Kaisers wird durch dessen Anwälte bestritten. Juristisch scheint das so zu sein. Moralisch ist der Totalschaden aber nicht mehr abzuwenden. Das Sommermärchen-Jahr 2006 lässt den Deutschen Fußball-Bund einfach nicht los. Dabei will Grindel doch alle Kraft in sein persönliches Leuchtturmprojekt stecken: die EM 2024.

Auch beim UEFA-Kongress an der idyllischen Athener Riviera ging das Funktionärs-Klinkenputzen für das nächste Heim-Turnier weiter. Aber auch die bohrenden Fragen hörten nicht auf. Die WM-Affäre sei «kein Problem, weil wir gesagt haben, dass wir unsere EM-Bewerbung transparent machen», parlierte Grindel auf Englisch vor der internationalen Presse. «Wir haben eine neue Führung im DFB, und deshalb vertrauen uns alle Verbände», formulierte er seine Hoffnung.

Unterstützung erhielt er in dieser Ansicht von UEFA-Exekutivmitglied Allan Hansen. Er denke nicht, dass die Affäre «die Zukunft beeinflussen wird», sagte der frühere Präsident des dänischen Verbands. Bislang haben lediglich Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland als mögliche Gegenkandidaten eine Bewerbung für 2024 in Betracht gezogen. Doch selbst Hansen sieht diese gemeinsame Kandidatur wegen eines Mangels an geeigneten Stadien in acht Jahren noch chancenlos. «Wenn Sie mich fragen: Es ist nicht möglich. Vielleicht 2028, aber das hängt von den Regierungen ab.»

Das deutsche Dilemma bleibt dennoch. Grindel ist vorerst in der Defensive: «Diese Personen, die im Zentrum der Untersuchung sind, haben jetzt keinen Einfluss im DFB und deshalb sind wir nicht verantwortlich für das, was 2006 passiert ist», wird der DFB-Boss in Verteidigungshaltung von der amerikanischen Nachrichtenagentur AP zitiert. Als ärgerlich, unverständlich und als Täuschung der Öffentlichkeit hatte Grindel die Verheimlichung der Zahlungen an den damaligen WM-Cheforganisator Beckenbauer zuvor bezeichnet.

Die klare Distanzierung von Beckenbauer und seinem ebenfalls im WM-Skandal verstrickten Vorgänger als DFB-Chef, Wolfgang Niersbach, ist für Grindel unausweichlich, will er die eigenen EM-Ziele nicht gefährden. Eine dauerhafte Schlammschlacht kann sich Grindel nicht leisten. Die maximale Eskalierungsstufe wäre irgendwann die Aberkennung der Ehrenspielführer-Würde für Beckenbauer. Doch soweit will noch niemand denken.

UEFA-Kongress

Profi Grindel auf DFB-Homepage

Informationen zu Ehrenspielführer Beckenbauer auf DFB-Homepage

zur Startseite

von
erstellt am 15.Sep.2016 | 13:11 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert